
Frohgemuter Folgefilm des "Jungfrau (40), männlich, sucht..."-Regisseurs Judd Apatow, in dem er erneut vom Erwachsenwerden eines ewigen Kindmannes erzählt.
Ans Erfolgsrezept seines Debüts hält sich Apatow nicht nur hinsichtlich der Prämisse, sondern auch im anrührend menschlichen Ton der ebenso hemmungslosen wie herzerwärmenden Beziehungskomödie. Darüber hinaus gibt es ein Wiedersehen mit Seth Rogen (sowie Paul Rudd und diversen anderen), der vom Sidekick-Status zum Leading Man befördert wurde. Als pummeliger Mittzwanziger Ben haust er mit seinen kiffenden Slackerkumpels. Zusammen wollen sie mit Internet-Softpornos das große Geld machen. Bereits erfolgreich hingegen ist die bildhübsche Allison (Frau TV-Doktor Katherine Heigl aus "Grey's Anatomy"), die im Kabelfernsehen Karriere macht. Ihre Beförderung zur Moderatorin feiert sie feuchtfröhlich mit ihrer verheirateten Schwester Debbie (Apatows Ehefrau Leslie Mann) in einem Nachtclub. Dies führt zu einem besoffenen One-Night-Stand mit Ben und acht Wochen später zur schockierenden Erkenntnis, schwanger zu sein. Bei ihrem nun folgenden zweiten Treffen beschließen die beiden Zufallslover trotz ihrer Verschiedenheit, dem Baby zuliebe eine Beziehung aufzubauen. Das ist natürlich mit jeder Menge Komplikationen verbunden, die für Ben zum Prüfstein werden, endgültig seine mentale Pubertät zu überwinden.
Trotz all des vordergründig gebotenen vulgären Humors beweist Apatow einen scharfen Blick für zwischenmenschliche Beziehungen. Wiederholt stimmt er gefühlvolle Noten an, ohne peinlich-sentimental zu werden. Vorzüglich werden die unterschiedlichen Auffassungen der Geschlechter aufgerollt, auf hämische Seitenhiebe jedoch verzichtet. In den Eheproblemen zwischen Debbie und ihrem Mann (Rudd) werden sich manche (älteren) Zuschauer wiedererkennen, ebenso wie sich einige Jungs mit Ben und seinen partysüchtigen Kumpels identifizieren können. Darin liegt eine der entscheidenden Stärken des Regisseurs und Autors. Seine Figuren sind durchweg nachvollziehbar menschlich und nicht als Karikaturen angelegt. Dennoch gibt es immer was zu lachen, und dies häufig lauthals. Nicht unerheblich dazu bei trägt Rogen als liebenswerter Losertyp nach Fasson von Steve Carrell oder eines gemütlicher veranlagten Jack Black. Obwohl seine Figur optisch überhaupt nicht mit Allison zusammenpasst, kann man sich trotzdem vorstellen, dass sie sich aufgrund seines unschuldigen Charmes in ihn verlieben könnte. Heigl macht sich ebenfalls perfekt als Traumfrau, deren Leben plötzlich alles andere als perfekt ist. Großgeschrieben wird auch witzige Situationskomik, seien dies die schwangeren Sexszenen, ein halluzinogener Trip in Las Vegas oder die Erläuterungen eines Türstehers, weshalb "zu alte" und "zu schwangere" Frauen nicht an ihm vorbeikommen. Zweifelsohne eine famose Beziehungskomödie, für die sich ein großes Publikum empfänglich zeigen wird. ara.