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Kaufvideo
Erhältlich seit:
24.02.2004
Dokumentarfilm/ Film
Deutschland/Österreich 2002
Laufzeit: 100 Min.
FSK: o.A. (ohne Altersbeschränkung)
Karl Schönböck
Baroness Lips von Lipstrill
Heinrich Mosch
Regie: Douglas Wolfsperger
Salzgeber & Co. Medien

Das "Cinema Paradiso" heißt hier Bellaria und liegt in einer versteckten Wiener Vorstadtstraße. Zwischen Plüsch und Samt treffen sich regelmäßig betagte Anhänger alter UFA-Filme, um gemeinsam zu lachen und zu weinen, sich mit Willy Fritsch oder Brigitte Horney an die eigene Jugend zu erinnern.
Mit unvergessenen Filmen und unvergessenen Stars wirbt das Bellaria-Kino, und wenn die Stammgäste zur 16-Uhr-Vorstellung schlurfen, glaubt man sich in einem Altenheim. Da sitzen sie und trinken ein Tässchen Kaffee oder ein Gläschen Wein, lassen sich in immer denselben Sessel fallen, um verzückt Ahs und Ohs auszustoßen, sobald der erste oder letzte Kuss auf der Leinwand die Illusion von Liebe weckt. Sozialkritische Themen sind nicht gefragt, draußen ist das "Leben eh grausig genug". Unruhe macht sich breit, wenn einer der ihren nicht kommt. Da beschleicht sie das Gefühl der Endlichkeit, "jojo, so geht aaner nachm'andern". Die Morbidität des Wienerischen ist eben unnachahmlich. Douglas Wolfsperger betrachtet die mit strammen Blick nach rechts und rückwärts gewandten Besucher mit Sympathie, tastet sich subtil an ihr manchmal bedauernswertes Leben heran, an ihre unerfüllten Wünsche und ihre längst vergessenen Träume. Das Resultat besteht aus kleinen menschlichen Geschichten - vom Studienrat und dem Archivar, der Uhrensammlerin und der Oma, die billig Konserven im Supermarkt kauft und das gesparte Geld für die Kinokarte auf die Kante legt, vom einstigen Varietékünstler, der mit dünnem Pferdeschwanz auf jugendlichen Bohemien macht und trotz gesegneten Alters noch immer an der Mama hängt, die aufgetakelte Ex-Sängerin, die keine Hemmungen zeigt, sich vor der Kamera die Zehennägel schneiden zu lassen. Nicht zu toppen sind zwei Zwillingsschwestern, eine Art Vorhut der Groupies. Seit Jahrzehnten sind die Autogrammjägerinnen in Sachen Promis unterwegs, spüren ihre Idole distanz- und gnadenlos auf. Als sie im Bellaria-Kino auf den Schauspieler Karl Schönböck stürzen, malt sich das blanke Entsetzen in Augen und Gesicht des "Opfers": "Sie schon wieder!". Nichts ist spannender als die Wirklichkeit. Eine kuriose Doku, die trotz großer Nähe ihre Protagonisten nie verrät. mk.
Jeden Nachmittag putzen sie sich für den Höhepunkt des Tages heraus: Hütchen und Toupets werden zurechtgezupft, elegante Handschuhe übergestreift. Viele kommen schon lange vor der Vorstellung, um zwischen verblühten Tapetenblumen und abgewetztem Plüsch zu Plaudern. Wenn der Vorhang aufgeht und Zarah Leander ihre wehmütigen Weisen singt oder Marika Rökk durchs Bild wirbelt, dann sitzen sie andächtig wie die Kinder vor dem Weihnachtsbaum und summen leise mit. "Heute gibt es nur noch Tsching-Bumm und lauter Nackerte - das interessiert mich nicht", erklärt eine resolute Lady, die mit Leopardenhut und Fuchskragen im Foyer des BELLARIA Kinos erscheint. Sie zieht das legendäre Wiener Kino vor, wo täglich noch die alten Ufa-Filme über die Leinwand knistern. Der betagte Filmvorführer hingegen hat eine andere Erklärung für das rege Interesse der Damenwelt: "Im BELLARIA kriegt man noch Männer mit Vorkriegscharakter zu sehn." Da ist die eindrucksvolle Dame, die schon für den Schah von Persien ein Liedlein pfiff und sich jetzt von ihrem Freund und Mitcineasten die müden Füße pediküren lässt. Da ist der alte Travestiekünstler, der seinen größten Schatz vorführt: ein Jahrzehnte alter Lippenstiftabdruck auf einer Zigarettenschachtel. Da ist die sanfte alte Frau, die, wenn sie ehrlich ist, ganz froh war, als ihr Mann starb. "Er war kein freundlicher Mensch", sagt sie nur und lächelt entschuldigend. Die tägliche Kinokarte spart sie sich buchstäblich von Munde ab: In ihrem Wohnzimmerschrank hortet sie Konservendosen aus dem Sonderangebot. Nahrung fürs Gemüt ist ihr wichtiger. So enthüllt sich Stück für Stück die wahre Sehnsucht jener Menschen: Das Rad der Zeit für ein paar Momente anzuhalten, die Erinnerung an eine verlorengegangene Jugend zu bewahren und Gevatter Tod so noch ein letztes Schnippchen zu schlagen - mit viel Herz und natürlich Wiener Schmäh!
Quelle: Salzgeber
| Darsteller: | Karl Schönböck | ||
|---|---|---|---|
| Baroness Lips von Lipstrill | |||
| Heinrich Mosch | |||
| Ernst Weizmann | |||
| Vera Benda | |||
| Rosie Tomek | |||
| Regie: | Douglas Wolfsperger | ||
| Buch: | Douglas Wolfsperger | ||
| Musik: | Hans-Jürgen Buchner | ||
| Haindling | |||
| Kamera: | Helmut Wimmer | ||
| Produzent: | Douglas Wolfsperger | ||
| Martin Dietrich | |||
Features
Der Titel enthält folgende Features
Sprachen: Deutsch
Tonformat: Dolby Digital 2.0
Extras: Original Kinotrailer, Bildergalerie, Biografie des Regisseurs
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