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Besser geht's nicht

Comedy um die Romanze eines neurotischen Misanthropen mit gemein-komischen One-Linern. Showcase für Jack Nicholson.


Besser geht's nicht

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Erhältlich seit:
02.06.2007

Originaltitel: As Good As It Gets

Komödie

USA 1997
Laufzeit: 139 Min.
FSK: ab 6

Jack Nicholson
Helen Hunt
Greg Kinnear

Regie: James L. Brooks
Süddeutsche Zeitung

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Besser geht's nicht

Zwar verdient Melvin Udall seinen komfortablen Lebensunterhalt mit dem Verfassen von Liebesromanen, doch privat ist der misantrophische Zwangsneurotiker ein hundertprozentiges Ekelpaket. Das muß vor allem sein unschuldiger Nachbar erfahren, der als Homosexueller und Hundebesitzer gleich doppelt den Ärger des Gestörten weckt. Einzig der resoluten Kellnerin seines Stammlokals bringt Melvin einen Hauch von Respekt entgegen, und ihr gelingt es schließlich auch, ihn mit wahrer Liebe für die Zivilisation zu gewinnen.

Selten präsentiert sich die Besetzung einer Hollywood-Sommerkomödie so durchgehend hochklassig wie in diesem Falle, und dennoch gelingt es einem entfesselten Jack Nicholson, jedermann, -frau und -hund an die Wand zu spielen. Für ihn und Partnerin Helen Hunt ("Twister") gab's zum Dank den Oscar, für den Kunden gibt's ein turbulentes Feuerwerk politisch höchst unkorrekter Gags mit einem romantischen Kern, der selbst felsgestählte Actionfans anrühren dürfte.

Besser geht's nicht

Negativ und Positiv ziehen sich an - ein Naturgesetz, das in "Besser geht's nicht" glaubhaft bestätigt wird. James L. Brooks' konstant komische, sensible, aber selten sentimentale Komödie über den zwischenmenschlichen Hindernisparcours eines unausstehlichen Misanthropen und einer sympathisch-resoluten Kellnerin, reizt mit ihrem sehr exzentrischen Protagonisten die Toleranzgrenzen einer romantischen Versuchsanordnung aus. Lohn für dieses Risiko ist eine ungewöhnliche, mit angezogener Handbremse entwickelte Liebesgeschichte, die dank großer Unterhaltungsqualitäten ein Millionenpublikum ins Kino locken sollte.

Ein klassisches Weihnachtsthema im Geiste von Charles Dickens, die Humanisierung eines egoistischen Kotzbrockens, bildet den Kern dieser Komödie, mit der Regisseur Brooks ("Zeit der Zärtlichkeit") sich vom Flop seines verstümmelten Musicals "I'll do anything oder: Geht's hier nach Hollywood?" bestens erholt zeigt. Mit einer unwiderstehlichen Mischung aus gewohnter Grimassenparade und filigranen Gefühlszäsuren spielt Jack Nicholson den zwanghaften Neurotiker Melvin Udall, der jede seiner raren, eher ungewollten menschlichen Kontaktaufnahmen zu Beschimpfungen der übelsten Sorte nutzt. Am stärksten betroffen, weil geographisch am nächsten, ist Nachbar Simon (reife mimische Leistung: Ex-Talkshow-Moderator Greg Kinnear), dessen Hunde- und Männerliebe Udalls Stimmungsbarometer immer wieder in den Keller treibt. Andere Opfer seines rhetorischen Gefechtsfeuers sind Gäste und Bedienungen eines Lokals, das Udall tagtäglich mit seinem exotischem Charme verwöhnt. Und wenn einmal sein Stammtisch vergeben oder seine Lieblingskellnerin Carol (Helen Hunt) dienstbefreit ist, findet er passende Worte für dreiste Besetzer ("Euer Appetit ist so groß wie Eure Nasen") wie auch arglose Tischdienerinnen ("Hello, elephant girl"). Einzig Carol vermag ihm Paroli zu bieten, woraus Udall eine Art Frühform von Respekt entwickelt. Der Reiz in der von Mark Andrus und Brooks mit exzellenten Dialogen üppig angereicherten Geschichte besteht in der Herausforderung Udalls durch seine schlimmsten Alpträume. Der zwanghafte Ordnungs- und Reinlichkeitsfanatiker auf den Spuren von Howard Hughes muß sich gefürchteten Infektionsherden (Simons Hund, Carols schwerkranker Sohn) nähern und sich schließlich sogar um den schwulen Nachbarn kümmmern. Was erfreulicherweise seinen Charakter nicht pathetisch klischeehaft verändert, sondern lediglich ergänzt. Nicholsons verbale Dreckschleuder macht Pausen, bleibt aber nie gänzlich außer Betrieb. Das verhindert banale Sentimentalität und macht die Annäherung zwischen ihm und der vortrefflichen Helen Hunt (Star der Hit-Sitcom "Verrückt nach Dir") um so spannender. In der Konstellation mag diese unaufdringliche Love Story nicht realistisch sein, in den Gefühlen aber wirkt sie immer authentisch. Nicht nur hier wird diese romantische Komödie ihrem Titel und den Unterhaltungserwartungen eines potentiell großen Publikums gerecht. kob.

Darsteller:  Jack Nicholson   als Melvin Udall
  Helen Hunt   als Carol Connelly
  Greg Kinnear   als Simon Bishop
  Cuba Gooding Jr.   als Frank Sachs
  Skeet Ulrich  
  Shirley Knight   als Beverly
  Jesse James   als Spencer
  Yeardley Smith   als Jackie
  Lupe Ontiveros   als Nora
 
Regie:  James L. Brooks  
Buch:  Mark Andrus  
  James L. Brooks  
Musik:  Hans Zimmer  
Kamera:  John Bailey  
Produzent:  James L. Brooks  
  Bridget Johnson  
  Kristi Zea  

Paltrow schlechteste Oscar-Gewinnerin

Mal räumt oberflächliches Popcorn-Kino reihenweise Goldjungs ab, mal werden unausgegorene Nischenfilme mit Oscars bedacht.

Liebling der Juroren, aber nicht der Fans: Gwyneth Paltrow (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

Liebling der Juroren, aber nicht der Fans: Gwyneth Paltrow (Foto: Kurt Krieger)

Keine Frage, die Entscheidungen der Academy haben bei Kinofreunden schon oft für Stirnrunzeln und Kopfschütteln gesorgt. Über die nach Fanmeinung krassesten Fehlentscheidungen hat nun eine amerikanische Internetseite abstimmen lassen - und die Ergebnisse sind zum Teil verblüffend.

Dass Gwyneth Paltrow die Liste der zu Unrecht Geehrten anführt, leuchtet noch ein. Sie gewann einen Oscar als beste Hauptdarstellerin für "Shakespeare in Love", ein belangloses, pseudo-historisches Gefühlsgedusel um die Romanze zwischen dem großen englischen Dichter und der schönen Viola (Paltrow). Außer in wallenden Gewändern hübsch auszusehen und ab und zu einen Schmollmund zu ziehen, hatte Gwyneth wenig geleistet. Ihre legendäre Tränensintflut bei der hochpeinlichen Dankesrede dürfte sie bei den Fans kaum beliebter gemacht haben.

Über die Fähigkeiten von Halle Berry, die Zweiplatzierte der Anti-Liste, kann man geteilter Meinung sein. In ihrem Oscar-Film "Monster's Ball" war sie als Witwe, die sich in den Henker ihres hingerichteten Mannes verliebt, zumindest guter Durchschnitt. Doch der anschließende Megaflop "Catwoman" hat sie zur Lachnummer gemacht, zudem heulte sie auf der Oscar-Bühne ebenfalls hemmungslos.

Ohrfeige für Leinwandikonen

Unverständlich ist allerdings, dass auch Helen Hunt für "Besser geht's nicht" und Nicole Kidman für "The Hours" abgestraft wurden. Wie Hunt mit ironischem Charme das Super-Ekel Jack Nicholson umgarnte, war absolut reizvoll und Kidman verkörperte die große Literatin Virginia Woolf sehr überzeugend.

Hunts Partner Nicholson findet sich übrigens für "Besser geht's nicht" auf der Liste der unverdienten männlichen Oscar-Gewinner - ebenso wie Russell Crowe in der Rolle des tragischen Mathe-Genies John Nash im ergreifenden Drama "A Beautiful Mind". Unangefochten Platz eins bei den Männern belegt dabei völlig zurecht Jack Palance: Warum der Veteran für seine Rolle als kauziger Viehtreiber im unsäglichen Klamauk "City Slickers" 1992 einen Goldjungen verdient haben soll, weiß wirklich nur die Academy selbst.

Da die Geschmäcker nun mal verschieden sind, wird sicher auch bei der diesjährigen Oscar-Verleihung in der Nacht zum Montag über manche Jury-Entscheidung die Nase gerümpft werden.

 

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