Ihr gutes Händchen für Kinderfilme stellt Produzentin Uschi Reich mit der ersten Realverfilmung des multimedialen Megasellers um die kleine Hexe Bibi einmal mehr unter Beweis. Fast 1,6 Mio. verkaufte Videos der Zeichentrickfigur und über 33 Mio. Audiokassetten sprechen eine deutliche Sprache - "Bibi Blocksberg" ist ein gut eingeführtes Markenzeichen. Wenn der Zauberspaß als deutsche Antwort auf "Harry Potter" nicht im Kino funktionieren sollte, müsste schon die Leinwand verhext sein.
Mit einem Budget von elf Mio. Mark stand zwar nur ein Bruchteil der "Potter"-Produktionskosten zur Verfügung. Was dafür aber an stimmiger Atmosphäre (Szenenbild: Susann Bieling und Uwe Szielasko) und Tricktechnik geliefert wurde, kann sich sehen lassen. Regisseurin Hermine Huntgeburth ("Das Trio") betrat bis dato unbekanntes Terrain und vereinte für ihren ersten Kinderfilm namhafte Schauspieler wie Katja Riemann, Ulrich Noethen und Corinna Harfouch (wunderbar als Inkarnation der bösen Hexe) vor ihrer Kamera. Vor allem Jungschauspielerin Sidonie von Krosigk gibt als Bibi eine beachtliche Vorstellung und erweist sich als würdige Nachfolgerin des Zauberlehrlings.
Nachdem sie durch das Herbeizaubern einer kleinen Regenwolke zwei Kinder aus den Flammen gerettet hat, soll Bibi vorzeitig von Oberhexe Walpurgia (Monika Bleibtreu) die "Kristallkugel" verliehen werden, die sie zur "richtigen" Hexe macht. Darauf ist Mutterhexe Barbara (Riemann) mächtig stolz, während den nur mit normalen männlichen Fähigkeiten ausgestatteten Vater (Noethen) ganz andere Sorgen plagen: Er hat Stress im Job und ist gar nicht begeistert über die Hexereien in seiner Familie, die ihm von seinem Chef immer wieder hämisch aufgetischt werden. Dennoch reisen Mutter und Tochter stilgerecht per Besen zur feierlichen Zeremonie auf den Blocksberg. Dort kommt es zum Eklat: Die intrigante und neidische Rabia (Harfouch) versucht, die Kugelverleihung zu boykottieren. Mit dem Erfolg, dass sie ihre eigene Hexenkugel, gespickt mit einer gestohlenen Geheimrezeptur, an Bibi übergeben muss. Hinfort setzt sie alle in ihrer dunklen Macht stehenden Tricks ein (bis zur Verwandlung in ein Streifenhörnchen), um Bibi die Kugel wieder abzujagen und macht Familie Blocksberg so lange das Leben zur Hölle, bis Mutter und Tochter (beinahe) der Hexerei abschwören.
In den Bavaria-Studios und an Originalschauplätzen in Bayern entstand unter der Ägide der Kinderstoff-bewährten Produzentin Uschi Reich, die nach "Pünktchen und Anton" und "Emil und die Detektive" demnächst mit "Das Fliegende Klassenzimmer" ihre dritte Kästner-Verfilmung in Angriff nimmt, eine gelungene Mischung aus Fotorealismus und Magie à la "Harry Potter". Die Tricks um sprechende Kater, Zauberkugeln mit Buchstabensuppe und v.a. die rasanten Ritte auf Bibis Besen "Kartoffelbrei" wurden von der Münchner Digital-Effekteschmiede Scanline in einer aufwendigen Mischung aus Realdreh und Computeranimation (Bluescreen-Technik) erstellt. Gute Spezialeffekte sind eben keine Hexerei, und zauberhafte Kinderstoffe immer eine Verfilmung (Drehbuch: Elfie Donnelly) wert. boe.