"Ich brauchte einen magischen Fisch"
Nach einem Märchen der Gebrüder Grimm erzählt Doris Dörrie in "Der Fischer und seine Frau" von den weiblichen Schwierigkeiten, Liebe und Karriere zu verbinden.
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Multitalent Doris Dörrie ist Autorin, Regisseurin und Dozentin (Foto: Kurt Krieger)
Multitalent Doris Dörrie ist Autorin, Regisseurin und Dozentin (Foto: Kurt Krieger)
» Warum wurde aus dem geplanten Roman ein Film?
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Die Entscheidung für einen Film fiel wegen der Stärke der Bilder ziemlich schnell, ich wollte von Anfang an diese extreme Farbigkeit von Japan. Mich fasziniert diese Mischung zwischen absoluter Exotik und absoluter Vertrautheit. Japan und Deutschland sind sich in manchen Punkten sehr ähnlich.
Ich wusste sehr früh, dass der Koi mein Butt ist, ich brauchte einen magischen Fisch. Danach recherchierte ich diese ganze Koi-Industrie. In "Der Fischer und seine Frau" stimmt alles, die Notoperationen, Schuppentransplantionen und die irrwitzigen Preise.
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Christian Ulmen kennt sich als Veterinär Otto mit Kois aus (Foto: Constantin)
Christian Ulmen kennt sich als Veterinär Otto mit Kois aus (Foto: Constantin)
» Wie lange dauerte das Projekt von der ersten Idee bis zur Leinwand?
Länger als sonst. Vor drei Jahren begann ich zu schreiben. Es war nicht einfach, die verschiedenen Elemente zusammenzuführen. Wirklich leicht zu bleiben und schnell zu erzählen ist Knochenarbeit.
» Und wie verliefen die Dreharbeiten in Japan?
Sehr unterhaltsam und angenehm. Ich komme dort gut zurecht. Bei "Erleuchtung garantiert" hatten wir nur einen deutschen Übersetzer, diesmal eine ausführende Produzentin in Tokio, mit der wir die Dreharbeiten vorbereiteten. Eine große Erleichterung, denn das offizielle Japan kann ziemlich bürokratisch sein.
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Von der japanischen Farbigkeit inspiriert: Alexandra Maria Lara als Modedesignerin Ida (Foto: Constantin)
Von der japanischen Farbigkeit inspiriert: Alexandra Maria Lara als Modedesignerin Ida (Foto: Constantin)
» Was reizt sie an dieser Märchenadaption?
Als Kind habe ich lange Zeit in diesen Märchen gelebt und bin dann wieder durch meine Tochter damit in Kontakt gekommen. Ich bedauere die Disneyisierung von Märchen, weil sie die Intensität wegnimmt. Man kann natürlich auch Märchen im Kino sehen, aber das eine gegen das andere auszutauschen, ist fatal. Das Kino im Kopf ist immer das stärkere Kino.
» Dann bräuchten Sie keine Filme mehr zu machen, sondern nur noch zu schreiben?
Ich bin ja nicht didaktisch unterwegs. Ich liebe das Kino, aber wenn ich verzichten müsste, dann eher aufs Filmemachen als aufs Schreiben.
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Die "Flying Fish Doctors" kümmern sich um das Wohl von kranken Fischen (Foto: Constantin)
Die "Flying Fish Doctors" kümmern sich um das Wohl von kranken Fischen (Foto: Constantin)
» Des Fischers Frau Ilsebill überfordert ihren Mann durch zu viele Aktivitäten. Müssen Regisseurinnen auch mehr "rennen" als ihre männlichen Kollegen, um Anerkennung zu bekommen?
Wo ist das Ei und wo das Huhn? Ich habe es lange abgelehnt, darüber nachzudenken. Frauen organisieren alles so beiläufig, damit die Familie nicht zu kurz kommt.
Ich habe alle Filme immer im Winter gedreht, um die Schulferien mit Kind und Familie zu verbringen. Da fallen mir nicht viele Männer ein. Oder dass ich die meisten Filme in München drehe, damit die Familie nicht auseinander gerissen wird. Wir dürfen dabei das Kontemplative nicht verlieren.
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Doris Dörrie am Set zu "Der Fischer und seine Frau" (Foto: Constantin)
Doris Dörrie am Set zu "Der Fischer und seine Frau" (Foto: Constantin)
» Kontemplation als Voraussetzung für Kreativität?
Mein Job ist primär das Zuschauen und das Zuhören. Wenn ich mit Schauspielern arbeite, darf ich nicht an die nächste Einstellung oder das nächste Problem denken, sondern muss darauf achten, ob da eine Wahrheit entsteht.
» Die Zusammenarbeit mit Constantin besteht seit Jahren. Never change a winning team?
Die Zusammenarbeit ist damals durch unsere Katastrophe bei "Bin ich schön?" entstanden, wo Bernd Eichinger großzügig nicht nur die Hand ausgestreckt, sondern mir auch stark geholfen hat. Aus dieser Zeit stammt diese doch sehr fruchtbare Verbindung. Es kann sich natürlich immer wieder alles ändern, aber von einem Projekt zum anderen ging es immer produktiv weiter.
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Japan lässt grüßen: Alexandra Maria Lara und Simon Verhoeven (Foto: Constantin)
Japan lässt grüßen: Alexandra Maria Lara und Simon Verhoeven (Foto: Constantin)
» Hat Sie seine Aussage "Ich will die Welt, sie will Schwabing" damals geärgert oder angespornt?
Das Leben ändert sich. Bernd Eichinger und ich haben uns gehasst bei "Ich und Er", ich glaube er mich mehr als ich ihn. Inzwischen verbindet uns eine richtige Freundschaft.
» Kreist Ihr nächster Film auch wieder um die Beziehung zwischen Mann und Frau?
Der Film wird eher eine Familiengeschichte. Das Buch ist fertig. Die Constantin hat Interesse signalisiert, wahrscheinlich werden wir das Projekt gemeinsam stemmen. Der Beginn der Dreharbeiten ist allerdings noch offen.
Ich habe ein ganzes Jahr durchgearbeitet wie eine Verrückte - drei Opern inszeniert, einen Film abgedreht und an der Filmhochschule unterrichtet. Diese Geschwindigkeit macht auch nicht unbedingt einen netteren Menschen aus mir. Es geht darum, eine Balance zu finden.
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Dazwischengeschoben: Geburt im Schuhladen (Foto: Constantin)
Dazwischengeschoben: Geburt im Schuhladen (Foto: Constantin)
» Bringen Sie das auch Ihren Studenten bei?
Die reiße ich mit System aus der Überforderung heraus. Im vergangenen Jahr pilgerten wir gemeinsam nach Santiago de Compostela, in diesem Jahr habe ich sie auf eine Almhütte fernab jeglichen Handynetzes gescheucht. Grenzerfahrungen sind wichtiger als Lehrsätze.
» Sie profilieren sich und sammeln Meriten auf verschiedenen Gebieten - schreiben, inszenieren Filme und Opern. Wohin führt dieser Erfolg?
Profilieren oder Meriten gewinnen interessiert mich eigentlich nicht. Boxoffice ist nicht alles, und Erfolg kann Gift sein, ein Danaer-Geschenk. Es ist schwierig, öffentlich zu werden, damit umzugehen, zu leben und zu arbeiten.
Andererseits ist Erfolg etwas Wunderbares. Wenn da 1.200 Leute im Kino lachen und klatschen, das zu bekommen, kann durchaus zur Droge werden. Man muss immer misstrauisch bleiben. Wer dem Erfolg anheimfällt und sich davon abhängig macht, ist erledigt.