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Bin ich schön?

Faszinierende Beziehungsrhapsodie voller tiefsinniger Dialoge und spannender Figuren.


Bin ich schön?

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Start: 08.02.2010

Drama

Deutschland 1998
Laufzeit: 111 Min.
FSK: ab 12

Franka Potente
Steffen Wink
Anica Dobra

Regie: Doris Dörrie
AL!VE

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Doris Dörries grandioses Comeback! Nach dem Tod ihres Lebenspartners (und Kameramannes) Helge Weindler lag das Script zu "Bin ich schön?" zwei Jahre lang auf Eis. Modifiziert und mit der fast ursprünglichen Besetzung (Meret Becker wurde aus Termingründen durch Franka Potente ersetzt) wurde "Bin ich schön?" im letzten Herbst in Spanien und Deutschland verfilmt. Das Resultat zeigt die Autorin und Filmemacherin Doris Dörrie nicht nur im Zenit ihrer Schaffenskraft, sondern macht zudem exemplarisch deutlich, daß ihr Talent, komplexe narrative Erzählstrukturen mit visueller Stilsicherheit zu verbinden, derzeit im deutschen Sprachraum einzigartig ist. Hinzu kommt seine sinnliche Eleganz, die von tiefem Humanismus durchdrungen, nicht nur zufällig an Robert Altmans/Raymond Carvers Schicksalsrhapsodie "Short Cuts" erinnert. Doris Dörrie zählt gerade jetzt - und einmal mehr - zu den großen Hoffnungsträgern des deutschen Films. "Bin ich schön?" ist schlicht ein Meisterwerk. Schon von jeher hat Doris Dörrie ihre (Kurz-) Geschichten, z.B. "Mitten ins Herz", "Männer", "Geld" und "Paradies" als Ausgangspunkt für ihre Filmerzählungen genommen und sich damit nicht nur als engagierte Autorenfilmemacherin qualifiziert, sondern auch als Künstlerin, die diese Stoffe nicht nur film-technisch rekapituliert, sondern fürs Kino wieder neu erfindet. Für ihr aktuelles Werk hat sie aus ihren Büchern "Für immer und ewig" und "Bin ich schön?" diverse Geschichten kunstvoll miteinander verwoben und nuancenreich interpretiert. Episodenhafte Einblicke ins Leben der Generationen umspannenden Protagonisten wechseln ab mit entlarvenden Psychogrammen. Sensibel und klar, mitfühlend und satirisch, grotesk und lyrisch beschreiben die Geschichten auf ambivalente und zugleich sehr unterhaltsame Art und Weise was für ein eigensinniger, kleiner Muskel das Herz doch mitunter sein kann. Dadurch entsteht nicht zuletzt ein Gesellschaftsporträt, das durch die intim-individuelle Sichtweise mehr ist, als nur die Summe seiner Teile. Daß für das Gelingen eines solch vielfarbigen Tableaus die Unterstützung potenter Schauspieler von Nöten ist, liegt auf der Hand. Und so ist es kein Wunder, daß sich die Besetzung von "Bin ich schön?" wie ein Auszug aus dem "Who is Who" der deutschen Schauspieler-A-Liga liest: u.a. Senta Berger, Joachim Król, Gottfried John, Franka Potente, Iris Berben, Nina Petri, Uwe Ochsenknecht, Otto Sander, Maria Schrader, Anica Dobra - und als besonderer Besetzungs-Coup Dietmar Schönherr. Der Film beginnt und endet im südspanischen Almería, auf einer staubigen Landstraße in der Sierra Morena. Dort begegnen wir der verführerischen Linda (Franka Potente) zum ersten Mal, als sie sich als Anhalterin von einem deutschen Autofahrer aufgabeln läßt. Und wie sie werden auch wir auf eine Reise mitgenommen, die sich geographisch bald nach Sevilla, El Rocío und München verlagert und dabei immer deutlicher zu einer education sentimentale wird. Mit von der Partie in diesem Schicksalsreigen sind u.a. die pragmatische Franziska (Anica Dobra) und ihr schmachtender Ex-Lover Klaus (Steffen Wink), der sentimentale Autofahrer und Familienvater Bodo (Uwe Ochsenknecht), die emotional überforderten Ehepartner Robert (Joachim Król) und Charlotte (Nina Petri), die diät- und kaschmirpulloversüchtige Rita (Iris Berben) und ihr dicker Mann Fred (Oliver Nagele), das abgeliebte Ehepaar Unna (Senta Berger) und Herbert (Gottfried John) samt Unnas hinfälliger Jugendliebe David (Otto Sander) sowie Juan (Dietmar Schönherr), ein liebeskranker Witwer, der den Tod seiner Frau nicht verwinden kann. Das Sichbegegnen und Wiederauslassen, das Fremdgehen und Vertrautsein, das Sehnsuchtsverlangen und Alleingelassensein, der Anfang und das Ende, ziehen sich zentralmotivisch durch den Film - der tröstet, weil er unverstellt und ehrlich vom Leben erzählt. "Bin ich schön?" ist sicher eines der wenigen Kino-Highlights des Jahres, welches das ramponierte Image des deutschen Films erheblich aufpolieren wird. Außer Konkurrenz bei den Filmfestspielen in Venedig gezeigt, kann man "Bin ich schön?" zum Filmstart im Herbst guten Gewissens Besucherzahlen jenseits der zwei Millionen Grenze prognostizieren. Verdient hat er es auf jeden Fall. ull.

Vertue nicht deine Zeit! Unter diesem Motto steht die Vielzahl der Geschichten, die Doris Dörrie in "Bin ich schön?" in Beziehung zueinander setzt, von deutschen Touristen in Spanien und einer Hochzeit in Süddeutschland, von Verlassenen, Hintergangenen, Entmutigten und von dem ewigen Versuch, es allen Recht zu machen und sich selbst dabei nicht untreu zu werden. Der Tod ist die Grenze des Lebens, nur wer das begreift, wird aufhören, "auf Probe" zu leben. Die Erfolgsregisseurin Doris Dörrie ("Männer") stellt mit "Bin ich schön?" die großen Fragen, aber sie philosophiert nicht herum, sondern erzählt, und zahlreiche Stars machen dabei mit: Senta Berger, Iris Berben, Gottfried John, Dietmar Schönherr, Franka Potente, Heike Makatsch, Joachim Król.

Quelle: AL!VE

- Filmgespräch: Interview zum Film mit einem Redakteur
der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
- Ausführliches Booklet mit zahlreichen Informationen und
unterhaltsamen Hintergrundgeschichten

Quelle: AL!VE

Bin ich schön?

Regie:  Doris Dörrie  
Buch:  Doris Dörrie  
  Rolf Basedow  
  Ruth Stadler  
Musik:  Niki Reiser  
Kamera:  Theo Bierkens  
Produzent:  Bernd Eichinger  
  Martin Moszkowicz  
 
Darsteller:  Franka Potente   als Linda
  Steffen Wink   als Klaus
  Anica Dobra   als Franziska
  Iris Berben   als Rita
  Oliver Nägele   als Fred
  Gottfried John   als Herbert
  Senta Berger   als Unna
  Nina Petri   als Charlotte
  Joachim Król   als Robert
  Lina Lambsdorff   als Lili
  Maria Schrader   als Elke
  Heike Makatsch   als Vera
  Suzanne von Borsody   als Lucy
  Uwe Ochsenknecht   als Bodo
  Carla Weindler   als Carla, 7 Jahre
  Elisabeth Romano   als Jessica
  Gustav Peter Wöhler   als Werner
  Michael Klemm   als Holger
  Juan Diego Botto   als Felipe
  Gisela Schneeberger   als Tamara
  Otto Sander   als David
  Pierre Sanoussi-Bliss   als Paco
  Maria Piniella   als Pinkola
  Christine Oesterlein   als alte Dame
  Dietmar Schönherr   als Juan

"Ich brauchte einen magischen Fisch"

Nach einem Märchen der Gebrüder Grimm erzählt Doris Dörrie in "Der Fischer und seine Frau" von den weiblichen Schwierigkeiten, Liebe und Karriere zu verbinden.

Multitalent Doris Dörrie ist Autorin, Regisseurin und Dozentin (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

Multitalent Doris Dörrie ist Autorin, Regisseurin und Dozentin (Foto: Kurt Krieger)

» Warum wurde aus dem geplanten Roman ein Film?

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Die Entscheidung für einen Film fiel wegen der Stärke der Bilder ziemlich schnell, ich wollte von Anfang an diese extreme Farbigkeit von Japan. Mich fasziniert diese Mischung zwischen absoluter Exotik und absoluter Vertrautheit. Japan und Deutschland sind sich in manchen Punkten sehr ähnlich.

Ich wusste sehr früh, dass der Koi mein Butt ist, ich brauchte einen magischen Fisch. Danach recherchierte ich diese ganze Koi-Industrie. In "Der Fischer und seine Frau" stimmt alles, die Notoperationen, Schuppentransplantionen und die irrwitzigen Preise.

Christian Ulmen kennt sich als Veterinär Otto mit Kois aus (Foto: Constantin) Großansicht

Christian Ulmen kennt sich als Veterinär Otto mit Kois aus (Foto: Constantin)

» Wie lange dauerte das Projekt von der ersten Idee bis zur Leinwand?

Länger als sonst. Vor drei Jahren begann ich zu schreiben. Es war nicht einfach, die verschiedenen Elemente zusammenzuführen. Wirklich leicht zu bleiben und schnell zu erzählen ist Knochenarbeit.

» Und wie verliefen die Dreharbeiten in Japan?

Sehr unterhaltsam und angenehm. Ich komme dort gut zurecht. Bei "Erleuchtung garantiert" hatten wir nur einen deutschen Übersetzer, diesmal eine ausführende Produzentin in Tokio, mit der wir die Dreharbeiten vorbereiteten. Eine große Erleichterung, denn das offizielle Japan kann ziemlich bürokratisch sein.

Von der japanischen Farbigkeit inspiriert: Alexandra Maria Lara als Modedesignerin Ida (Foto: Constantin) Großansicht

Von der japanischen Farbigkeit inspiriert: Alexandra Maria Lara als Modedesignerin Ida (Foto: Constantin)

» Was reizt sie an dieser Märchenadaption?

Als Kind habe ich lange Zeit in diesen Märchen gelebt und bin dann wieder durch meine Tochter damit in Kontakt gekommen. Ich bedauere die Disneyisierung von Märchen, weil sie die Intensität wegnimmt. Man kann natürlich auch Märchen im Kino sehen, aber das eine gegen das andere auszutauschen, ist fatal. Das Kino im Kopf ist immer das stärkere Kino.

» Dann bräuchten Sie keine Filme mehr zu machen, sondern nur noch zu schreiben?

Ich bin ja nicht didaktisch unterwegs. Ich liebe das Kino, aber wenn ich verzichten müsste, dann eher aufs Filmemachen als aufs Schreiben.

Die "Flying Fish Doctors" kümmern sich um das Wohl von kranken Fischen (Foto: Constantin) Großansicht

Die "Flying Fish Doctors" kümmern sich um das Wohl von kranken Fischen (Foto: Constantin)

» Des Fischers Frau Ilsebill überfordert ihren Mann durch zu viele Aktivitäten. Müssen Regisseurinnen auch mehr "rennen" als ihre männlichen Kollegen, um Anerkennung zu bekommen?

Wo ist das Ei und wo das Huhn? Ich habe es lange abgelehnt, darüber nachzudenken. Frauen organisieren alles so beiläufig, damit die Familie nicht zu kurz kommt.

Ich habe alle Filme immer im Winter gedreht, um die Schulferien mit Kind und Familie zu verbringen. Da fallen mir nicht viele Männer ein. Oder dass ich die meisten Filme in München drehe, damit die Familie nicht auseinander gerissen wird. Wir dürfen dabei das Kontemplative nicht verlieren.

Doris Dörrie am Set zu "Der Fischer und seine Frau" (Foto: Constantin) Großansicht

Doris Dörrie am Set zu "Der Fischer und seine Frau" (Foto: Constantin)

» Kontemplation als Voraussetzung für Kreativität?

Mein Job ist primär das Zuschauen und das Zuhören. Wenn ich mit Schauspielern arbeite, darf ich nicht an die nächste Einstellung oder das nächste Problem denken, sondern muss darauf achten, ob da eine Wahrheit entsteht.

» Die Zusammenarbeit mit Constantin besteht seit Jahren. Never change a winning team?

Die Zusammenarbeit ist damals durch unsere Katastrophe bei "Bin ich schön?" entstanden, wo Bernd Eichinger großzügig nicht nur die Hand ausgestreckt, sondern mir auch stark geholfen hat. Aus dieser Zeit stammt diese doch sehr fruchtbare Verbindung. Es kann sich natürlich immer wieder alles ändern, aber von einem Projekt zum anderen ging es immer produktiv weiter.

Japan lässt grüßen: Alexandra Maria Lara und Simon Verhoeven (Foto: Constantin) Großansicht

Japan lässt grüßen: Alexandra Maria Lara und Simon Verhoeven (Foto: Constantin)

» Hat Sie seine Aussage "Ich will die Welt, sie will Schwabing" damals geärgert oder angespornt?

Das Leben ändert sich. Bernd Eichinger und ich haben uns gehasst bei "Ich und Er", ich glaube er mich mehr als ich ihn. Inzwischen verbindet uns eine richtige Freundschaft.

» Kreist Ihr nächster Film auch wieder um die Beziehung zwischen Mann und Frau?

Der Film wird eher eine Familiengeschichte. Das Buch ist fertig. Die Constantin hat Interesse signalisiert, wahrscheinlich werden wir das Projekt gemeinsam stemmen. Der Beginn der Dreharbeiten ist allerdings noch offen.

Ich habe ein ganzes Jahr durchgearbeitet wie eine Verrückte - drei Opern inszeniert, einen Film abgedreht und an der Filmhochschule unterrichtet. Diese Geschwindigkeit macht auch nicht unbedingt einen netteren Menschen aus mir. Es geht darum, eine Balance zu finden.

Dazwischengeschoben: Geburt im Schuhladen (Foto: Constantin) Großansicht

Dazwischengeschoben: Geburt im Schuhladen (Foto: Constantin)

» Bringen Sie das auch Ihren Studenten bei?

Die reiße ich mit System aus der Überforderung heraus. Im vergangenen Jahr pilgerten wir gemeinsam nach Santiago de Compostela, in diesem Jahr habe ich sie auf eine Almhütte fernab jeglichen Handynetzes gescheucht. Grenzerfahrungen sind wichtiger als Lehrsätze.

» Sie profilieren sich und sammeln Meriten auf verschiedenen Gebieten - schreiben, inszenieren Filme und Opern. Wohin führt dieser Erfolg?

Profilieren oder Meriten gewinnen interessiert mich eigentlich nicht. Boxoffice ist nicht alles, und Erfolg kann Gift sein, ein Danaer-Geschenk. Es ist schwierig, öffentlich zu werden, damit umzugehen, zu leben und zu arbeiten.

Andererseits ist Erfolg etwas Wunderbares. Wenn da 1.200 Leute im Kino lachen und klatschen, das zu bekommen, kann durchaus zur Droge werden. Man muss immer misstrauisch bleiben. Wer dem Erfolg anheimfällt und sich davon abhängig macht, ist erledigt.

 

Bin ich schön? in der Fotoshow

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