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Black Book

Nach "Der Soldat von Oranien" erzählt Paul Verhoeven in seinem ersten europäischen Film seit 21 Jahren erneut eine kompromisslose Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg.


Black Book

Leihvideo

Erhältlich seit:
09.11.2007

Originaltitel: Zwartboek

Drama

Niederlande/Deutschland/Großbritannien 2006
Laufzeit: 148 Min.
FSK: ab 16

Carice van Houten
Sebastian Koch
Thom Hoffman

Regie: Paul Verhoeven
Warner Home Video Germany

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Mit Sebastian Koch und Carice van Houten inszeniert Blockbuster-Regisseur Paul Verhoeven einen emotionalen Thriller über Schuld und Unschuld in Zeiten des Krieges.

Bahnt sich eine wahre Liebe an? (Foto: NFP (Warner)) Großansicht

Bahnt sich eine wahre Liebe an? (Foto: NFP (Warner))

Von einer ganz anderen, neuen Seite zeigt sich der niederländische Top-Regisseur Paul Verhoeven mit dieser packenden, unter anderem deutschen Produktion. Nach Hollywood-Erfolgen wie "Total Recall", "Robocop" oder "Basic Instinct" greift er ein brisantes Thema aus seiner Heimat auf, eine Geschichte aus der Besatzungszeit, die so oder ähnlich hätte passieren können.

Die talentierte Sängerin Rachel Stein (Carice van Houten) flieht vor den Nazis von Berlin nach Holland und hofft, dort in Sicherheit zu sein. Doch die Jüdin erlebt nach einer kurzen Verschnaufpause die Hölle auf Erden. Tiefflieger zerstören ihren Unterschlupf und das Boot, das sie in den befreiten Süden der Niederlande bringen soll, wird von einer deutschen Patrouille beschossen.

Rachel gelingt es, sich im Wasser zu verstecken, sie muss aber mit ansehen, wie alle Flüchtlinge umgebracht und ihrer Wertsachen beraubt werden. Sie ist die einzige Überlebende.

Im Krieg ist alles erlaubt: Um die Deutschen zu täuschen, zeigt Rachel auch schon mal Bein (Foto: NFP (Warner)) Großansicht

Im Krieg ist alles erlaubt: Um die Deutschen zu täuschen, zeigt Rachel auch schon mal Bein (Foto: NFP (Warner))

Eine Geschichte von Liebe und Verrat

Unter dem Namen Ellis de Vries schließt sie sich in Den Haag dem Widerstand an, lässt sich die Haare blond färben und wird auf Müntze, den deutschen Chef des Sicherheitsdienstes, angesetzt, für den sie bald nicht nur Schreibmaschine tippt, sondern echte Liebe empfindet.

Charakterdarsteller Sebastian Koch ist "the good german", der anständige Deutsche, der so gar nicht dem typischen SS-Mann entspricht, ein Schöngeist, der die Greueltaten seiner Landsmänner verabscheut und sich lieber der Briefmarkensammlung zuwendet.

Rachel/Ellis weiß schließlich nicht mehr, wo ihr Platz ist, als Geliebte an der Seite des "Feindes" oder im Untergrund. Ganz anders dagegen ihre Freundin Ronnie, die durch die Betten der Besatzer tollt, um nicht zu darben, und deren Herz dennoch patriotisch schlägt.

Ellis steht zwischen den Fronten (Foto: NFP (Warner)) Großansicht

Ellis steht zwischen den Fronten (Foto: NFP (Warner))

Eine Frage des Vertrauens

Rachel/Ellis ist keine Mata Hari, sondern gerät immer tiefer in einen Gewissenskonflikt, die Grenze zwischen Gut und Böse verwischt sich. Kann sie dem fürsorglichen Resistance-Kämpfer und Arzt Hans Akkerman trauen, dem nicht ganz durchschaubaren Gerben Kujpers, Chef der Gruppe, oder ahnt SS-General Käutner etwas von ihrem Doppelleben und stürzt sie ins Verderben?

Als der lange vorbereitete Plan, eingekerkerte Widerstandskämpfer zu befreien, scheitert, gerät die Situation vollends außer Kontrolle. Rachel/Ellis flieht mit Müntze. Die Befreiung durch die Alliierten heißt noch lange nicht Freiheit - eine schmerzhafte Erfahrung.

Paul Verhoeven gelingt ein furioses Comeback in Europa, mit einem Thriller, der unter die Haut geht in seiner Mischung aus Spionage, Verrat, Liebe und Krieg. Er erzählt von Menschen, die alles auf eine Karte setzen. Und nicht immer gewinnen.

Black Book

Mit seinem groß angelegten Epos über menschliche Tragödien im Holland während des Zweiten Weltkrieges vermag Hollywoods unbequemster Blockbuster-Regisseur Paul Verhoeven im Wettbewerbsprogramm der 63. Biennale inhaltlich, emotional und stilistisch zu überzeugen.

Zurück zu den Wurzeln heißt es für den niederländischen Filmemacher Paul Verhoeven. Nach zwei aufregenden Jahrzehnten Hollywood, in der er die Kinowelt mit künstlerisch bemerkenswerten Kassenschlagern wie "Total Recall" oder "Basic Instinct" bereichert hat, ist er in seine Heimat zurückgekehrt, um "Zwartboek" zu realisieren. Auf den ersten Blick nicht unbedingt eine Verhoeven-typische Geschichte - sieht man mal von seinem packenden Zeitpanorama "Der Soldat von Oranien" (1977) ab -, handelt es sich doch um die während des Zweiten Weltkrieges angesiedelte Leidensgeschichte der Jüdin Rachel Stein, die - einst in Berlin gefeierte Sängerin - nun in Holland Unterschlupf vor den Nazis gefunden hat. Was folgt, ist eine einzige Tour de Force, eine Aneinanderreihung menschlicher Tragödien, die Rachel durchzustehen, aber auch unbewusst mitzuverantworten und vor allem zu überleben hat. Zunächst verliert die Tochter aus gutem Hause bei einem Hinterhalt sämtliche Familienmitglieder. Dann lässt sich Rachel, die sich inzwischen Ellis de Vries nennt, als Spionin des holländischen Widerstands bei den Nazis einschleusen. Doch der Plan, sich an den verhassten Besatzern und Mördern ihrer Eltern zu rächen, missglückt. Ein Doppelspion hat die Sache an den Feind verraten, der ein Blutbad unter den Nazi-Gegnern anrichtet. Und schließlich verliert Ellis kurz nach Kriegsende auch noch den einzigen Menschen, für den sie etwas empfindet - durch die Dummheit eines Rückgrat-losen kanadischen Offiziers.

Mit "Zwartboek" ist Verhoeven wahrhaft Großes gelungen. Das beginnt schon bei der Annäherung an dieses brisante Thema. Denn bei ihm wird nicht schwarz-weiß gezeichnet. Jeder hat Dreck am Stecken, egal zu welcher Seite er gehört. Da gibt es den ehrenwerten Freiheitskämpfer, der gleichzeitig mit den Nazis kollaboriert und diesen reiche Juden ans Messer liefert. Aber auch den ranghohen SS-Offizier namens Müntze, der begriffen hat, dass der Krieg längst verloren ist. Um noch mehr Blutvergießen zu vermeiden, arbeitet er mit dem holländischen Untergrund zusammen, was ihm letztlich zum Verhängnis wird. Dieser Müntze wird verkörpert von Sebastian Koch, der nach seiner feinen Hauptrolle in "Das Leben der Anderen" hier erneut eine vielschichtige Figur meistert. Dennoch steht er im Schatten eines weiteren Deutschen, Waldemar Kobus, hierzulande vielbeschäftigter TV-Darsteller, von Verhoeven für die große Leinwand entdeckt. Seine Performance des überheblichen, eiskalten und gefühllosen Nazi-Schergen Franken stellt selbst Ralph Fiennes' Figur des Amon Goeth aus "Schindlers Liste" in den Schatten. Und ihm gegenüber steht die umwerfende Carice van Houten, Heldin, Hure, Heilige in Personalunion, eine Mata Hari, die nichts mehr zu verlieren hat und daher Tag für Tag alles riskieren kann. Van Houten, bei uns bisher nur durch eine Rolle in dem beachtenswerten Kinderfilm "Lepel" in Erscheinung getreten, erinnert mit ihrem unbekümmerten und freizügigen Spiel an Monique van de Ven, Heldin der Verhoeven-Filme "Türkische Früchte" und "Das Mädchen Keetje Tippel".

Wie man es hier überhaupt mit einem typischen Verhoeven-Film zu tun hat. So färbt sich van Houten, bevor sie zu den Nazis geht, nach dem Motto "wenn schon, dann perfekt" die Schamhaare blond, was Erinnerungen an die Verhörszene aus "Basic Instinct" wachruft. Dann wieder zeigt der Filmemacher - schonungslos und in Nahaufnahme wie zu besten "Flesh & Blood"-Zeiten - das von einer Kugel zerfetzte Gesicht jenes Anwalts, dessen titelgebendes "schwarze Buch" auch den letzten Verräter offenbaren wird. So ist Verhoevens erste Arbeit seit sechs Jahren nicht nur aus handwerklicher Sicht - von Karl Walter Lindenlaubs kompromissloser Kamera bis hin zu Wilbert van Dorps Setdesign - geglückt, sondern auch inhaltlich. Denn der Holländer geht nicht nur mit seinen Landsleuten, vor allem in ihrem unreflektierten Umgang mit vermeintlichen Nazi-Kollaborateuren, hart ins Gericht, sondern hält auch noch eine Botschaft bereit, die heute gültiger denn je ist: Das Kriegsende bedeutet noch lange nicht das Ende des Krieges. lasso.

Darsteller:  Carice van Houten   als Rachel Stein
  Sebastian Koch   als Ludwig Müntze
  Thom Hoffman   als Hans Akkermans
  Halina Reijn   als Ronnie
  Waldemar Kobus   als Günther Franken
  Derek de Lint   als Gerben Kuipers
  Christian Berkel   als General Käutner
  Dolf De Vries   als Notary Smaal
  Peter Blok   als Van Gein
  Michiel Huisman   als Rob
  Ronald Armbrust   als Tim Kuipers
  Frank Lammers   als Kees
  Matthias Schoenaerts   als Joop
  Johnny de Mol   als Theo
 
Regie:  Paul Verhoeven  
Buch:  Gerard Soeteman  
  Paul Verhoeven  
Musik:  Anne Dudley  
Kamera:  Karl Walter Lindenlaub  
Produzent:  San Fu Maltha  
  Jens Meurer  
  Teun Hilte  
  Frans van Gestel  
  Jeroen Beker  
  Jos van der Linden  

"Nie mehr Popcornfilme"

Um ihre Familie zu rächen, schleust sich im Weltkriegsdrama "Black Book" eine holländische Widerständlerin ins Nazihauptquatier ein.

Die schöne Rachel Stein (Carice van Houten) nutzt ihre weiblichen Reize, um sich bei den Nazis einzuschleichen (Foto: NFP(Warner)) Großansicht

Die schöne Rachel Stein (Carice van Houten) nutzt ihre weiblichen Reize, um sich bei den Nazis einzuschleichen (Foto: NFP(Warner))

» Die Produktion des Kriegsdramas "Black Book" war sehr aufreibend. Würden Sie diese Erfahrung wiederholen wollen?

PAUL VERHOEVEN: Auf jeden Fall, denn so habe ich einen Film machen können, den ich wirklich mag. Keiner stellte meine kreativen Entscheidungen infrage wie die amerikanischen Studios, keiner zwang mir Kompromisse auf. Die ganzen Probleme habe ich längst vergessen.

Meine Frau sagt immer, ich sehe die Vergangenheit durch eine rosa Brille. Das einzig Aufreibende ist die Veröffentlichung. Weil "Black Book" unabhängig produziert wurde, muss ich zu jedem einzelnen Filmstart in die jeweiligen Länder reisen. Im letzten halben Jahr habe ich rund 30 Trips hinter mich gebracht.

Der holländische Regisseur Paul Verhoeven genießt seine Freiheit von den Hollywoodstudios (Foto: NFP(Warner)) Großansicht

Der holländische Regisseur Paul Verhoeven genießt seine Freiheit von den Hollywoodstudios (Foto: NFP(Warner))

» Bei diesem Film konnten Sie nicht auf den organisatorischen Luxus einer Hollywoodproduktion zurückgreifen. War das störend?

Ich musste mich daran gewöhnen. Vorher war ich es gewohnt, mit einer Kamera zu arbeiten, die den Schauspielern durch die Szene folgte. Das erforderte aber eine sehr aufwendige Choreografie, und ich konnte die Dynamik der Szene beim Schnitt nicht mehr verändern.

So begann ich auch bei "Black Book". Doch mein Kameramann Karl-Walter Lindenlaub wies mich darauf hin, dass diese Methode viel zu langsam war und er überzeugte mich davon, mehrere Kameras einzusetzen. Dafür bin ich ihm wirklich dankbar. Das beschleunigte nicht nur die Arbeit, sondern gab mir viel mehr Wahlmöglichkeiten beim Schnitt. Künftig will ich nur noch so arbeiten.

 

Black Book in der Fotoshow

 

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Carice van Houten

Niederländische Schauspielerin. Sie begann in vielfach ausgezeichneten Jugendfilmen ("Die geheimnisvolle Minusch"), wurde Star in der...

 

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Sebastian Koch

Als einer der meistbeschäftigten Charakterdarsteller Deutschlands ist Sebastian Koch sowohl auf der Bühne, im TV als auch im Kino zu Hause...