
Schwelendes Südstaatendrama vom "Hustle & Flow"-Regisseur, das anhand einer bizarren Beziehung vom Blues erzählt und alle Konventionen sprengt.
Das Filmposter im Retro-Look und der reißerische Trailer rufen (fälschlicherweise) den Eindruck hervor, dass es sich um einen hartgesottenen Sexploitationthriller handelt, der sich mit dem kommenden Grindhouse-Filmen von Tarantino und Rodriguez in bester Gesellschaft befände. Doch im entfernten Sinn ist "Black Snake Moan" das Blues-Äquivalent zu Craig Brewers HipHop-&-Hooker-Ode "Hustle & Flow" (2005), dessen Ohrwurm "It's Hard Out There For A Pimp" den Oscar für besten Song absahnen konnte. Ebenfalls in einem authentisch skizzierten Randmilieu mit schwülem Südstaatenkolorit angesiedelt, handelt auch "Black Snake Moan" von verwundeten Seelen, die durch Musik über sich hinauswachsen und Erlösung aus ihrer Misere finden.
Eingeklammert wird diese eigenwillige Moralfabel mit Originalaufnahmen der Blueslegende Son House, der erklärt, dass der Blues nicht nur Musik ist, sondern auch zwischen Mann und Frau stattfindet. Wie zwischen Rae (Christina Ricci) und Ronnie (Justin Timberlake zeigt nach "Alpha Dog" eine weitere Facette), die ein letztes Schäferstündchen haben, bevor er zur Army-Ausbildung weggeht. Anschließend windet sich Rae zu zischelnden Schlangenklängen wie besessen auf dem Rasen, woraufhin sie in Folge mit mehreren Männern Sex hat. Völlig betrunken endet sie missbraucht, übel verprügelt und halbnackt auf dem Feldweg vor dem Haus von Farmer Lazarus (biblisch gut: Samuel L. Jackson als Schlangendompteur der anderer Art). Der kurz zuvor von seiner Frau verlassene Eigenbrötler nimmt das als Dorfschlampe verschriene Mädchen ins Haus, kettet sie an den Heizkörper und versucht sie von ihren "Krankheiten" Nymphomanie und Keuchhusten gesund zu pflegen. Die Zähmung seines äußerst widerspenstigen Hausgasts gestaltet sich zunächst als schwierig, doch im Laufe der Zeit verbindet die beiden Außenseiter eine ungewöhnliche Freundschaft, die das Herz erwärmt.
Diese Darstellungen tiefer Freundschaftsgefühle, die in ihrer Unschuld im starken Kontrast zu den sexuellen Ausschweifungen vom Anfang stehen, dürfen zu Brewers größter Stärke gerechnet werden. Ricci glänzt mit einer mutigen Performance, während sie den Großteil des Films kettenrauchend im Unterhöschen und knappen Konföderations-T-Shirt verbringt. Jacksons Figur findet seine Liebe zum Blues wieder und die Szene, in der er den "Black Snake Moan" auf der Gitarre anstimmt, gehört zu den Highlights dieser emotional anrührenden Pulp Fiction. Bluesfans werden mit dem klasse Score selbstverständlich nichts zu seufzen haben. ara.