
Blut und Wein, das ist eine explosive Mischung, dachten sich die Organisatoren des 44. Internationalen Filmfestivals in San Sebastian und eröffneten den Filmmarathon mit diesem spannenden und gewalttätigen Thriller. Zu Recht, denn wie sich die Stars Jack Nicholson als sexsüchtiger Weinhändler und Michael Caine als todkranker Safe-Knacker (erhielt in der Baskenmetropole für seine Leistung den Preis als bester Darsteller) ein Schauspielerduell der Extraklasse liefern, das gehörte zu den Höhepunkten des Festivals.
Regisseur Bob Rafelson und Jack Nicholson sind schon seit über 20 Jahren ein erfolgreiches Gespann, nicht nur als Regisseur/Schauspieler, sondern auch als Autoren. Seitdem 1968 Nicholson bei seinem ersten Film "Head" als Coautor fungierte, verbindet die beiden eine Männerfreundschaft. Mit "Blood and Wine" arbeitet das eingespielte Team zum fünften Mal zusammen. Für Rafelson ist dieser Film dritter Teil einer Trilogie über das Thema Familie und alltägliche Gewalt nach "Five Easy Pieces" (1970) und "The King of Marvin Gardens" (1972). Im Mittelpunkt der Story steht ein Vater-Sohn-Konflikt. Alex Gates (Jack Nicholson) präsentiert sich als Weiberheld erster Güte, seine Ehe besteht nur noch auf dem Papier, seinem Stiefsohn Jason (Stephen Dorff) will er Manieren beibringen, obgleich seine eigenen zu wünschen übrig lassen. Der Alltagstrott fordert den üblichen Tribut und es hätte ewig so weitergehen können, wenn sich der alternde Sexprotz mit Spielschulden nicht ausgerechnet die kubanische, blutjunge Geliebte Gabriella zugelegt hätte, die auch bei Jason Gefühl weckt. Als Alex mit seinem todkranken Kumpel Victor Spansky (Michael Caine) im Haus eines betuchten Kunden den Tresor ausräumt und ein Diamantenarmband ergattert, scheint einer Zukunft mit Gabriella nichts mehr im Wege zu stehen. Doch das Schicksal läßt sich nicht überlisten. Alex' Gattin verläßt den Untreuen, im Gepäck das wertvolle Armband. Bei der Jagd nach dem teuren Stück überschlagen sich die Ereignisse, explodieren die Gefühle, eskaliert die Gewalt.
Ursprünglich war "Blood and Wine" als Low-Budget-Movie mit wenig glamouröser Besetzung geplant, doch Jack Nicholson, der seinen alten Freund Rafelson nur beim Casting beraten wollte, fing Feuer, warf sämtliche finanziellen Vorstellungen über den Haufen und übernahm selbst die Hauptrolle. Für Produzent Jeremy Thomas eine zusätzliche Sicherheit, auf internationalem Parkett Meriten zu gewinnen.
Geschickt dosiert Rafelson die Spannung, schockt durch überraschende Gewaltszenen, entwickelt sukzessive die dunkle Seite seiner Protagonisten, von denen jeder am Abgrund balanciert. Die kaputten Helden, von der Normalität die Flügel gestutzt, verlieren den Boden unter den Füßen und schlagen wild um sich - mit tödlichen Folgen. Und wenn am Ende die Objekte der Begierde verschwinden (das umkämpfte Armband in den Tiefen des Meeres, die Geliebte ins Nirgendwo), weiß man die Moral von der Geschichte:"Crime doesn't pay". An der Kinokasse sollte sich der Einsatz jedoch auszahlen, denn hochkarätige Schauspieler im Doppelpack, Liebe und Leidenschaft, Rache von biblischer Wucht sind die besten Zutaten für Kino-(Alp)Träume. mk.