
Sie reißen nicht ab, die mit Clubbing, Sex und Alkohol gesättigten Nächte, in denen junge schöne Menschen auf der Suche nach Vergnügen Erfahrungen fürs Leben machen. Wie die kommerziellen Enttäuschungen der letzten Beiträge dieses Neunzigerjahre-Genres in den USA nahelegen, zeigt sich das Publikum gegenüber solchen Stoffen verkatert. Ob ihm vor Monaten mit "Go" ein witziger und durchdachter, oder unlängst mit "Body Shots" ein unausgereifterer, diffuserer Vertreter präsentiert wurde, der auch in deutschen Kinos vor allem über sein interessantes Aufgebot an jungen Gesichtern und das vermeintlich vermittelte Lebensgefühl sein junges Publikum suchen muß.
Daß die erhoffte Nacht der Höhen in L.A ohne Abstürze nicht zu haben war, zeigen schon die ersten Bilder, in denen Sean Patrick Flanerys Rick, noch benebelt vom Alkohol, auf der Toilette Chaos stiftet, während Tara Reids Sara, blutbefleckt und geschockt, auf dem Highway das letzte Essen herauswürgt. Minuten später klingelt sie bei ihrer Freundin Jane (Amanda Peet) und behauptet, von Ricks Freund Michael vergewaltigt worden zu sein. Gelegenheit für Drehbuchautor David McKenna ("American History X") zurückzublenden und nachzuforschen, wie vier Männer und vier Frauen, alle Anfang zwanzig, in den letzten Stunden die auch in diesem Alter offenkundig problematische zwischenmenschliche Kontaktaufnahme bewältigt haben. Vor dem großen Andocken in einem Danceclub trinken sich die Geschlechter in Form und tauschen sich verbal über Flirten, Dates und Sex in allen Variationen aus. Und weil McKenna und Regiedebütant Michael Cristofer (inszenierte Angelina Jolies hochgelobten Fernsehfilm "Gia") nicht ganz zu Unrecht der Tiefgründigkeit dieser Gespräche mißtrauen, dürfen die Figuren in direkter Zuschaueransprache kurze Einblicke in ihr wahres Ich geben. Als interessanteste Charaktere bleiben schließlich Flanerys Rick und Peets Jane zurück, die als einzige so etwas wie Persönlichkeitsreife und demzufolge auch höhere Ambitionen als Analsex und Parkplatzquickies haben. Cristofer und McKenna verstehen ihren Film sichtbar als Dokument einer sexuell befreiten Jugend, die ihre Fantasien ausspricht und ihren Impulsen folgt. Die läuternde Wirkung der vermeintlichen Vergewaltigung, die uns hinsichtlich des Täters rätseln lassen und unsere persönlichen Einordnungen der Figuren überdenken lassen will, bleibt dabei beschränkt. Weil Luder und Macho nur bedingt als Magnet für Mitgefühl und Sympathie tauglich sind, und auch der Film die Möglichkeit der Simulation höher bewertet als den faktischen Gewaltakt. So unschlüssig wie "Body Shots" ist letztlich auch der Zuschauer, der sich von diesem gefällig konsumierbaren Debüt weder belästigt noch herausgefordert fühlt. kob.