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Bollywood Hollywood

Culture-Clash-Drama à la "Monsoon Wedding", in dem ein Inder der Tradition und Familie zuliebe eine "gekaufte" Braut vor den Traualtar führt.

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Bollywood Hollywood
Start: 25.11.2003

Komödie/ Musikfilm

Kanada 2002
Laufzeit: 101 Min.
FSK: o.A. (ohne Altersbeschränkung)

Rahul Khanna
Lisa Ray
Moushumi Chatterjee

Regie: Deepa Mehta
Universum Film

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Im Gefolge der recht erfolgreichen Indien-Produktion "Monsoon Wedding" und der weit unter Wert geschlagenen Parodie "Der Super-Guru" zielt nun die in Kanada lebende Inderin Deepa Mehta mit ihrem aktuellen Werk auf ein breites internationales Publikum. Da sich die Filmemacherin jedoch für eine Persiflage zu wenig von Bollywood-Vorbildern löst und für ein typisches Masala Movie nicht genug Kitsch und Glamour bietet, hängt die Komödie etwas zwischen den kulturellen Stühlen. Hiesige Sehgewohnheiten und das für Europäer eher irrelevante Thema werden der handwerklich sauber umgesetzten Produktion wohl nicht mehr als ein ehrbares Einspielergebnis bescheren. Als Madonna sich vor Jahren mit Henna-Bemalung und Glückskettchen fotografieren ließ, überschwemmten Händler daraufhin Deutschlands Fußgängerzonen mit billigem Indien-Tand. Dem Modeschmuck folgten bedruckte Taschen und derzeit sind asiatisch inspirierte Batikblusen wieder salonfähig. Doch was der Mode scheinbar mühelos gelingt, nämlich der Einstieg in den deutschen Markt, blieb dem indischen Kino bislang verwehrt. Nur wenige Deutsche zeigen sich bereit, drei Stunden und mehr im Kino auszuharren, um mehr über die gesellschaftlichen Probleme eines exotischen Landes zu erfahren und zahlreiche gewöhnungsbedürftige Musicalnummern zu durchstehen. Doch ohne Gesang und Tanz kein Bollywood-Kino, das weiß auch Deepa Mehta, die nach ihren beiden anspruchsvollen Arthouse-Produktionen "Camilla" (1994) und "Fire - Wenn Liebe Feuer fängt" (1996) nun mit "Bollywood/Hollywood" ihr Glück in hiesigen Lichtspielhäusern versucht. Dankenswerterweise beließ die Regisseurin es bei 103 Minuten Spielzeit, so dass zumindest die erste Hürde für den europäischen Mark genommen scheint. Bei der Handlung machte sie jedoch keine Kompromisse - die bleibt Bollywood pur. Die weiße Freundin des wohlhabenden, in Toronto lebenden Inders Rahul (Rahul Khanna) kommt bei einem missglückten Esoteriktrip (!) ums Leben. Daraufhin zwingt ihn seine Mutter, unterstützt von der resoluten Oma (wunderbar: Bollywood-Heroine Dina Pathak), bis zur anstehenden Eheschließung seiner schwangeren Schwester Twinky (Rishma Malik) eine indische Gattin zu präsentieren. Sollte ihm dies nicht gelingen, würde sie kurzerhand Twinkys Hochzeit platzen lassen. Da lernt der verzweifelte Rahul in einer Bar die attraktive, vermeintliche Hostess Sue (Lisa Ray) kennen, die ihrem Aussehen nach aus Ost-Indien stammen könnte. Der Regisseurin und Drehbuchautorin Deepa Mehta stand der Sinn hier eindeutig nach einer augenzwinkernden Persiflage auf die beliebten Bollywood-Schinken. Und genau hierin fußt auch das eigentliche Problem des Werks, denn witzig gemeinte Bildunterschriften, Anspielungen auf indische Stars und Traditionen sowie die Verulkung der ehernen Regeln des Bombay-Kinos treffen hierzulande mangels Vorwissen meist ins Leere. Dass manche Einstellungen zudem - fälschlicherweise, weil so gewollt - den Anschein hastig produzierter Fernsehware erwecken und der ehemalige MTV-Asia-VJ Rahul Khanna in unseren Breiten keinen Star-Status besitzt, trägt auch nicht gerade zur Massenkompatibilität bei. Bleiben auf der Habenseite das schnippische, peppige Ex-Model Lisa Ray, dem auch die hölzernsten Dialoge flott über die Lippen gehen, und die sauber inszenierten Musical-Nummern, die insgesamt aber leider zu kurz ausfallen. Alles in allem bleibt die ambitioniert geplante Beziehungskomödie jedoch leider im dramaturgischen wie visuellen Mittelmaß stecken. Einzig Ritu Kumars indische Kostüme lassen den Zuschauer etwas von dem Glamour und der Opulenz der Bollywood-Vorbilder erahnen - es gilt also weiter auf den ultimativen Hollywood-Meets-Bollywood-Mix zu warten. geh.

Bollywood Hollywood

Regie:  Deepa Mehta  
Buch:  Deepa Mehta  
Musik:  Sandeep Chowta  
Kamera:  Doug Koch  
Produzent:  David Hamilton  
 
Darsteller:  Rahul Khanna   als Rahul Seth
  Lisa Ray   als Sue (Sunita) Singh
  Moushumi Chatterjee   als Mummy ji/Ruby Seth
  Dina Pathak   als Grandma ji
  Kulbushan Kharbanda   als Mr. Singh
  Ranjit Chowdhry   als Rocky
  Jessica Paré   als Kimberly
  Rishma Malik   als Twinky
  Jazz Mann   als Bobby
  Arjun Lombardi-Singh   als Go (Govind)
  Leesa Gaspari   als Lucy
  Neelam Mansingh   als Mrs. Singh
  Mike Deol   als Killer Khalsa
  Jolly Bader   als Daddy ji
  Ronica Sajnani   als Ronica
  Jeremy Chow   als Brian
  Damon D'Oliveira   als Stevie Sood
  Nicky Gill   als Bobbys Mom
  Nicole Innis   als Nicole
  Rohan Rama Bader   als Rahul (jung)
  Terry Stevens   als Veronica
  Akshaye Khanna   als Akshaye Khanna
  Rupinder Nagra   als Rahuls Freund bei Hochzeit
  Anne Mroczkowski   als Reporterin

Cineastisches Gütesiegel "Made in Asia"

Der fernöstliche Unterhaltungsfilm, einst belächeltes Bahnhofskinofüllsel, hat sich vom Geheimtipp in den westlichen Mainstream vorgearbeitet. Wir liefern einen Überblick über die Spezialitäten der Saison.

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Viel Wasser ist Elbe und Isar hinabgeflossen, seit Begriffe wie "Animé" oder Namen wie Takeshi Kitano samt dem einst revolutionären Gangsterkino aus Hongkong nur unter Insidern hoch gehandelt wurden.

Seither hat sich einiges getan: John Woo inszeniert seine sentimentgetränkten Ballermanöver mittlerweile mit Cruise, Cage und Travolta für höchste Hollywoodbudgets. Jackie Chan lässt sich beim Fliegen von ILM unter die starken Arme greifen, und in Deutschland wird die Jugend von Mangas in den Schlaf gesungen, ausgestrahlt von RTL II und Vox genauso wie von Musikkanälen.

Ganze Label haben sich auf fernöstliches Filmwerk spezialisiert, und auch für Majors und ihre teutonischen Statthalter sind fliegende Schwertkrieger und nipponesische Wasserleichen keine Fremdlinge mehr. Nicht einmal die Übernahme Hongkongs durch die Plankulturbürokraten aus Peking konnte daran etwas ändern. Im Gegenteil.

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Hongkong forever

Mögen Kritiker bemängeln, dass Qualität, Innovation und kritische Haltung im Hongkongkino seit 1996 abgenommen haben, so rollen doch die Kameras in der Ex-kronkolonie nach wie vor auf Hochtouren. Außerdem: Besonders gesellschaftskritisch waren die Gangster- und Kung-Fu-Filme auch in der Vergangenheit noch nie, während die Qualität nicht zuletzt deshalb sinkt, weil Leute wie John Woo, Jet Li, Jackie Chan oder Chow Yun-fat ihre Wan Tans mittlerweile in Hollywood statt in Kowloon verdienen.

Diejenigen, die geblieben sind, darunter Koryphäen wie Johnny To, Wong Jing, und Ching Siu-tung, geben sich Mühe, den Verlust nicht allzu sehr spüren zu lassen. Und so landet in diesem Winter nicht nur ein hoch dekorierter Kinoknüller wie "Hero" in den Videoregalen, sondern noch ein Dutzend weiterer Hochglanzproduktionen, die sich nicht hinter der Konkurrenz aus der Traumfabrik zu verstecken brauchen.

Asienwochen bei Columbia

Columbia TriStar zum Beispiel ruft "Asienwochen" aus, wenn Anfang November "So Close" und "Returner" auf Video und DVD erscheinen. Takeshi Kaneshiro, einer der gefragtesten Darsteller Asiens, ist der Held der japanischen "Terminator"-trifft-"Matrix"-und-"E.T."-Variante "Returner". "So Close", inszeniert von Corey Yuen, bietet perfektes Destruktionsballett mit Profikilleraufhänger und Action-schatzi Shu Qi als dürftig beschürzter Hitwoman. Flankiert wird Columbias Aktion von "Tsui Hark's Vampire Hunters", einem der wenigen chinesischen Beiträge zur Horrorwelle.

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Berufsmörderinnen in Reizwäsche bevölkern auch "Naked Weapon" und "The Huntress", beide aus der Hongkonger Produktionswerkstatt des Sexploitation-Schwarzgurts Wong Jing. Der etwas ältere "The Huntress" wirkt wie ein Probelauf zu "Naked Killer", während Letzterer mit seiner Mischung aus "Nikita" und "Battle Royale" so manche Schweißperle auf die Stirn deutscher Zensoren treiben dürfte.

Im Allstar-Actionreißer "Avenging Fist" zeigt uns Hongkong, dass es mit Morphen kaum weniger gut jonglieren kann als mit Porzellantellern, in "Conman in Tokyo" macht der Actionkonsument Bekanntschaft mit der chinesischen Leidenschaft zum organisierten Glücksspiel, und in "Undiscovered Tomb" sucht Chinas Antwort auf Lara Croft das exotische Abenteuer.

Falls mal nicht genug Neues aus Hongkong nachkommt, gibt es unveröffentlichte Klassiker zu entdecken. In "Flying Dagger" von Ching Siu-tung feiert das Fantasykino à la "Chinese Ghost Story" Wiederauferstehung, und in "Run and Kill" wird eine Ketten(sägen)- reaktion des Grauens ausgelöst.

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Nippon springt in die Bresche

Was Hongkong an Masse und Klasse vermissen lässt, wird von Japanern kompensiert. Vor einer Dekade kam pro Jahr im Schnitt ein halber japanischer Film heraus, heute vergeht kein Monat ohne einen neuen Horrortrip im Stile von "Ring". Ob Sequel oder Prequel des Orignals oder mehr oder weniger neue "Ring"-Interpretation wie "Dark Water" und "Ju-on: The Grudge", ohne Enthüllungsjournaleuse, schwarzweiße Horrorgeometrie des Raums, Videobotschaft und Wasserleichen geht kaum ein Gruselfilm aus dem Land der aufgehenden Sonne auf die Reise in den fernen Westen.

Auch Hollywood hat die Botschaft verstanden: Nach dem Remake von "The Ring" steht nun ein Remake von "Dark Water" auf dem Programm - bevor man schließlich zum zweiten Teil des Hollywood-"Ring" schreitet. Zum Glück aber besteht Japans Filmkunst nicht aus Horrortrips allein. Im Bereich Thriller/Action versuchen im Herbst die Sequels "Gonin 2" und "Score 2" vergeblich, an die Qualität berüchtigter Vorgänger heranzureichen, während Regieexzentriker Sabu, ("Monday") wieder ganze Arbeit liefert mit seinem "Unlucky Monkey".

Noch fehlt's am rechten Mut

Genrereformer Takeshi Kitano kommt, besser spät als nie, mit seinem zehn Jahre alten Thrillermeisterwerk "Sonatine" in die Regale. Takashi Miike, seines Zeichens Japans wahnsinnigster Gangsterfilmkomponist, bombardiert zwar Festivals mit vier bis fünf kreativen Zumutungen pro Jahr, doch so richtig trauen sich deutsche Anbieter nicht heran an die Meisterwerke mit der verstörenden Bildsprache.

Immerhin kann man hierzulande "Fudoh", "Audition" und "Dead or Alive" entdecken, von Skandalfilm "Ichi - The Killer", dem Kinosaalblitzentleerer "Visitor Q" und dem diesjährigen Fantasy-Filmfest-Beitrag "Gozu" fehlt dagegen fürs Erste jede Spur.

Dafür haben es die einstmals übel beleumundeten Mangaabenteuer dank Künstlern wie Osamu Tezuka ("Robotic Angel"), Mamoru Oshii ("Ghost in the Shell") und Hayao Myazaki ("Prinzessin Mononoke") in hiesige Arthäuser geschafft. Myazakis "Chihiros Reise ins Zauberland" fuhr gar mit dem Goldenen Bären von der Berlinale heim.

Selbst Filme wie "Vampire Hunter D" "" oder das abendfüllende Daft-Punk-Video "Interstella 5555" erreichen bundesdeutsche Leinwände. Außerdem neu im Herbst auf dem Animésektor: "Psycho Diver" und "Twilight of the Dark Master" für die älteren Semester, die kinoerprobten "Pokémon 4" und "Dragonball Z" für Junge.

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Korea, Siam und die USA

Bereits seit einigen Jahren trösten südkoreanische Filmemacher mit Hardboiled-Thrillern und Horrorschockern aller Kaliber ungeduldige Hongkongfans über Durststrecken hinweg. "Nowhere to Hide" war so ein Beispiel für koreanisches Polizeikino, und "Seom" erwarb sich einen Ruf wie Donnerhall unter Freunden asiatischer Bilderrätsel.

Auch in diesem Herbst lassen Koreaner die Gemeinde nicht im Stich: Es regnet Toptitel, vom aufwendigen Historienepos "Musa" über SF-Zeitreisen wie "2009 Loseuteu Memoriseu" und "Gate of Destiny" bis zu Horror à la "Bloody Beach" und "Soul Guardians".

Nicht zurückstehen mögen da die Thais: Erst kam mit der siamesischen "Braveheart"-Variante "Bang Rajan" der teuerste und erfolgreichste Film der thailändischen Kinogeschichte auf den deutschen Gabentisch, nun sondiert der schräge "Killer Tattoo" die Bereitschaft des Westkunden, sich auch mal thailändische Gangsterfilme zu Gemüte zu führen.

Sogar das westlichen Unterhaltungsbedürfnissen diametral zuwiderlaufende indische Kino entsendet mittlerweile Testballons in deutsche Sphären, wie etwa "Bollywood Hollywood". Apropos - was macht eigentlich Hollywood? Es lässt sich in guter alter Tradition befruchten. Schon sein Durchbruch "Reservoir Dogs" basierte auf Ringo Lams "City on Fire", jetzt revanchiert sich Quentin Tarantino für die unfreiwillige Spende, indem er mit "Kill Bill" eine Reminiszenz ans fernöstliche Martial-Arts-Kino aufs Dojo-Parkett legt.

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Ideenklau made in Hollywood

Und ob die HeldInnen nun Drei Engel für Charlie, Neo oder Krueger heißen, ohne Kranich-Kick und Drahtseilflug kommen heutzutage weder Clown noch Killer aus. Sogar Tanzschritte studiert man beim Japaner, seit Richard Gere für "Shall We Dance?" übt. Somit geadelt, kommt asiatisches Kino mitunter direkt aus Hollywood.

Chow Yun-fat geht mit Sean William Scott auf Streife in "Bulletproof Monk", Jet Li ist der Auserwählte in "The One", und Ringo Lam schickt Van Damme in "In Hell" ins Gefängnis. Jackie Chan, noch in Hongkong fleißig, reist in 80 Tagen um die Welt und setzt auf Nummer sicher mit Sequels von "Rush Hour 3" bis "Shang-High Noon 2".

John Woo überbringt uns einen von Philip K. Dick ausgefüllten "Paycheck", und Ronny Yu hetzt Legenden aufeinander in "Freddy Vs. Jason". Was US-Remakes von asiatischen Gassenhauern betrifft, so interessieren sich mehrere Studios für den Thriller "Kaosu" von "Ring"-Filmer Hideo Nakata. Außerdem gaben unlängst Warner und die Produktionsfirma von Brad Pitt den Rechtekauf an "Infernal Affairs" bekannt, dem Hongkonghit 2002.

Vielleicht erleben wir ja das Hollywooddebüt von Takashi Miike. Nichts ist unmöglich. Solange für jeden, der nach Hollywood wandert, daheim zwei junge Wilde nachrücken, wollen wir nicht meckern.

 

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