DVD Leihvideo

Bowling for Columbine

Die Dokumentation beleuchtet kritisch die Waffenfreiheit in Amerika sowie die dahinterstehende Lobby.


Bowling for Columbine

Leihvideo

Erhältlich seit:
05.06.2003

Dokumentarfilm/ Gesellschaft

USA/Kanada/Deutschland 2002
Laufzeit: 114 Min.
FSK: ab 12

Regie: Michael Moore
Universal Pictures Germany

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Endlich: Michael Moores Betrachtungen des amerikanischen Waffenwahnsinns.

Michael Moore nimmt die Waffennarren aufs Korn (Foto: Universal Pictures) Großansicht

Michael Moore nimmt die Waffennarren aufs Korn (Foto: Universal Pictures)

Elftausend! Das ist in etwa die Zahl der US-Bürger, die jedes Jahr durch Schusswaffen ums Leben kommt. Verglichen mit Deutschland (381), Frankreich (255) oder Japan (39) eine stattliche Menge - und Grund genug für den amerikanischen Dokumentarfilmer Michael Moore, der Frage nach dem Warum einmal auf den Grund zu gehen - und zwar auf seine Weise.

Ergebnis dieser von keinerlei Hemmungen und falscher Rücksichtnahme getrübten Bemühungen ist "Bowling for Columbine", ein Film, der Emotionen hoch schlagen lässt, Amerikas Publikum spaltete wie eine Axt und trotz seines eher tragischen Themas Spaß macht wie schon seit Jahren keine Doku mehr.

Marilyn Manson überrascht im Film mit klarer Analyse (Foto: Universal Pictures) Großansicht

Marilyn Manson überrascht im Film mit klarer Analyse (Foto: Universal Pictures)

Psychosen und noch viel mehr

Der Titel nimmt Bezug auf den Amoklauf jener zwei Schüler aus Littleton im Frühjahr 1999 und deutet bereits an, womit Moore als erstes aufräumt: vordergründige Sündböcke. Die Amokläufer von Columbine gingen kegeln - zwei Stunden vor ihrer Tat.

Moore gräbt tief, richtet die Scheinwerfer auf Leistungsterror, Waffennarrentum und schlechte Regierungsvorbilder, seziert die Massen-Waffenpsychose, ohne dabei auch nur eine halbe Minute in langweiliges Dozieren oder gar pazifistisches Gequengel zu verfallen.

In der nun vorliegenden DVD-Fassung gibt's zudem jede Menge Pointen und Hintergründe als Zugaben, wenn Meister Moore in der ihm eigenen, hübsch trockenen Weise in einem Interview und während einer Pressekonferenz Motivationen erklärt und die Dinge klarer beim Namen nennt.

Bowling for Columbine

Ebenso brilliant wie schockierend, vor allem aber höchst unterhaltsam ist Michael Moores Dokumentarfilm über die Waffenversessenheit Amerikas. Die weltweit höchste Todesrate von weit über 10.000 "gun deaths" pro Jahr und die gleichzeitig ungebrochene Sturheit, mit der seine Landsleute auf dem uneingeschränkten Recht auf Waffenbesitz beharren - auch und gerade nach Schulmassakern wie in Littleton -, ließ Moore eine Menge Fragen stellen: nach den Zusammenhängen von ziviler Gewalt und amerikanischer Außenpolitik, Mediendarstellung, Historie und Wirtschaft. Antworten darauf bietet der Film kaum, doch Moores Gespür für Satire und seine unglaubliche Hartnäckigkeit, die Mächtigen mit der hässlichen Wahrheit zu konfrontieren, macht "Bowling for Columbine" zu einem echten Erlebnis - und lenkt die Diskussion gleichzeitig hin zu den Geschehnissen in Deutschland.

Ohne ein strenges Konzept zieht Moore zunächst los, in Gang gesetzt durch die Entdeckung, dass in seinem Heimatort in Michigan nicht nur der Littleton-Schütze Eric Harris, sondern auch einer der beiden Attentäter von Oklahoma City, sowie Charlton Heston, der prominente Waffen-Lobbyist der National Rifle Association, aufwuchsen. Moore, selbst Mitglied der NRA, lässt eine ganze Reihe farbenfroher Charaktere aufmarschieren, die stolz ihre Waffen und ihr Wissen um Bombenbau präsentieren, um zu zeigen, wie einfach es für fanatische Spinner in den USA ist, an Massenvernichtungsmittel heranzukommen. Der Chronistenpflicht des Dokumentarfilmers kommt er gleichzeitig nach, indem er Zahlen präsentiert, bei denen es einem angst und bange wird: 250 Millionen Feuerwaffen lagern in amerikanischen Haushalten - ein Milliardengeschäft für die Industrie, der, wie Moore unterstellt, die Medien fleißig zuarbeiten. Denn die Bereitschaft der Amerikaner, sich zu bewaffnen, wachse mit der subjektiv empfundenen Bedrohung durch die Darstellung von Gewalttaten. Obwohl die tatsächliche Verbrechensrate zurückgehe, steige die Berichterstattung darüber, und durch eine ganze Reihe geschickt angelegter Montagen präsentiert Moore seine beste These: Diese ständig geschürte Angst vor Gewalt führe zur Bewaffnung und zur Überreaktion, Konflikte mit dem Finger am Abzug zu lösen. Interessant ist dabei, wie brilliant Moore historische Zusammenhänge - besonders durch eine haarsträubend witzige Animationssequenz - in seinen Dienst nimmt: Die Furcht der Weißen vor der wachsenden schwarzen Bevölkerung führte zur Erfindung des handlichen Mehrschüssers und schließlich zur Abschottung vor als bedrohlich empfundenen Minderheiten in Hochsicherheitswohngebieten - wo heute wiederum die höchste Todesrate nach Schussverletzungen herrscht. Eher wie ein Essayist als wie ein Reporter läßt Moore sich dabei von einer Entdeckung zur nächsten treiben, was seinen Film erkenntisreich, aber auch ein wenig ausgefranst macht, und fast ist man geneigt, ihm seine zur Schau gestellte naive Verblüffung über das Gehörte und Gesehene abzunehmen. Doch natürlich ist Moore nicht umsonst einer der wenigen Stars des Dokumentarfilms und setzt der Kaltschnäuzigkeit der Mächtigen seine eigene Virtuosität als Manipulator entgegen. Wenn er etwa die Supermarktkette K-Mart, wo die Schützen ihre Munition kauften, mit zwei Überlebenden von Littleton konfrontiert, wenn er die Scheinheiligkeit von TV-Reportern entlarvt oder wenn er schließlich Charlton Heston gegenübersitzt und ihn mit dem Bild eines sechsjährigen Mädchens, das von einem Gleichaltrigen erschossen wurde, in die Sprachlosigkeit treibt - dann hat sein moralischer Sieg auch einen leichten Beigeschmack. In Cannes, wo der Film als Wettbewerbsbeitrag geadelt wurde, traf "Bowling for Columbine" jedenfalls voll einen deutlicher denn je freiliegenden anti-amerikanischen Nerv und sorgte mehrfach für Szenenapplaus: Das Porträt des hochgerüsteten Weltpolizisten Amerika als paranoider, blutrünstiger Angstbeißer setzte sich ebenso durch wie die unbehagliche Ahnung, dass das Ausrichten der europäischen Medien nach amerikanischen Erfolgsmustern womöglich doch ursächlich mit jüngsten Tragödien wie in Erfurt zusammenhängt. evo.

 
Regie:  Michael Moore  
Buch:  Michael Moore  
Musik:  Jeff Gibbs  
Kamera:  Brian Danitz  
  Michael McDonough  
Produzent:  Kathleen Glynn  
  Michael Donovan  
  Charles Bishop  
  Jim Czarnecki  
  Michael Moore  

Charlton Heston gewinnt Charlton-Heston-Award

Los Angeles, 10 Uhr 30. Im Hinterzimmer eines exklusiven Ladens am Sunset Boulevard graviert ein Angestellter mit geübter Hand Schriftzüge auf eine schwere, goldene Plakette.

Herr, gib mir Gesetze - zur Not tun's auch 10 Kalaschnikows... (Foto: Kabel 1) Großansicht

Herr, gib mir Gesetze - zur Not tun's auch 10 Kalaschnikows... (Foto: Kabel 1)

Plötzlich hält er inne, legt den Diamantstift zur Seite und kratzt sich am Kopf: "Chef!" brüllt er ins Nebenzimmer. "Sind sie sicher, dass dieser Auftragszettel so richtig ist?"

Ist er. Der erste Name, der auf dem neuen Award des renommierten American Film Institute als Preisträger stehen soll, ist tatsächlich der selbe, der oben groß als Titel des Awards prangt: Charlton Heston.

Mittlerweile hält ihn "Chuck", wie er von seinen Freunden liebevoll genannt wird, auch schon in den Händen. Geschaffen hat das AFI den Preis für "Menschen, die sich herausragende Verdienste um Film, Fernsehen und das American Film Institute erworben haben". Heston war von 1983 bis 2002 Präsident des AFI.

George W.'s Liebling

Berühmt wurde Heston durch große dramatische Rollen und seine Darstellung historischer Schlüsselfiguren in Filmen wie "Die zehn Gebote", "Ben-Hur", "Inferno und Ekstase", "König der Freibeuter" oder "Planet der Affen".

Sein letzter großer Kinoauftritt war allerdings nicht sehr schmeichelhaft: In Michael Moores bitterböser Doku "Bowling for Columbine" "glänzte" Heston in seiner Rolle als Präsident der NRA (National Rifles Organisation), die tumb auf das Recht des amerikanischen Privatmannes auf Schusswaffenbesitz pocht - sterbe wer und wieviel da wollen.

Vor kurzem hatte Heston übrigens von George W. Bush die "Presidential Medal of Freedom" erhalten - die höchste US-Auszeichnung für Zivilisten. Vergeben wird sie für besondere Verdienste ums Allgemeinwohl und herausragende Leistungen in den Bereichen Kunst, Unterhaltung, Wissenschaft, Bildung, Sport und Wirtschaft.

 

Bowling for Columbine in der Fotoshow

 

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