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Bringing Out the Dead - Nächte der Erinnerung

Mit Speed, Action und Galgenhumor erzählte Odyssee eines Ambulanzfahrers durch die Mean Streets von New York.


Bringing Out the Dead - Nächte der Erinnerung

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Originaltitel: Bringing Out the Dead

Drama

USA 1999
Laufzeit: 116 Min.
FSK: ab 16

Nicolas Cage
Patricia Arquette
John Goodman

Regie: Martin Scorsese
Walt Disney Studios Home Entertainment

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Bringing Out the Dead - Nächte der Erinnerung

Wie eine Armee der Toten belagern sie nachts die Straßen von New York: Junkies, Verrückte, Heimatlose, Selbstmordkandidaten oder schwangere Prostituierte, die selbst noch Kinder sind. Mittendrin: der von Selbstzweifeln geplagte Unfallsanitäter Frank. Manchmal rettet er ihnen das Leben und fühlt sich wie Gott. Manchmal aber kommt er zu spät oder trifft eine falsche Entscheidung. Dann zeigt die Hölle ihre Fratze, wachsen Hilfe suchende Körper aus dem Asphalt, spuken Geister in Franks Kopf herum und lassen ihn nicht zur Ruhe kommen...

Martin Scorseses jüngstes Werk, das "Kundun" und "Taxi Driver" in Einklang bringt, ist ein hypnotisches, über einen Zeitraum von 72 Stunden angesiedeltes Drama um einen Mann, der im Duell mit dem Tod sein eigenes Leben aus den Augen verloren hat und im Grunde selbst gerettet werden muss. Beklemmend das Drehbuch (Paul Schrader), atmosphärisch die Kameraarbeit (Robert Richardson), brillant das Spiel von Nicolas Cage und vorzüglich die Inszenierung. Ein intellektueller "Gespensterfilm" für ein aufgeschlossenes Publikum.

Bringing Out the Dead - Nächte der Erinnerung

Martin Scorsese wieder auf heimischem Turf. Wiedervereint mit Drehbuchautor Paul Schrader stellt er nach dem meditativen Dalai-Lama-Epos "Kundun" sein inszenatorisches Talent in den Dienst der Verfilmung von Joe Connellys atemlosen Roman über einen Ambulanzfahrer, der von den Geistern der Menschen verfolgt wird, die er nicht retten konnte. Mit Speed, Action und Galgenhumor durchmißt Scorsese erneut jene Mean Streets, die Travis Bickle in "Taxi Driver" vor einem Vierteljahrhundert zum Amokläufer werden ließen: eine 72 Stunden währende Odyssee ans Ende der Nacht über den altvertrauten Themenkatalog Schuld und Sühne, Verzweiflung und Erlösung. Unterstützt von Vollprofis wie John Goodman, Tom Sizemore und Ving Rhames fügt Nicolas Cage seiner Galerie getriebener Charaktere in einer manischen Over-the-Top-Darstellung ein weiteres Juwel hinzu.

Die - reizvollen - Parallelen zu "Taxi Driver" sind unmöglich zu übersehen. In beiden Filmen stehen desperate Einzelgänger im Mittelpunkt, die in ihrem Beruf in der Zeit nach Mitternacht mit den Schattenseiten des Big Apple - Gewalt, Tod, Drogen, menschliches Treibgut - konfrontiert werden und die eigene ausgebrannte Existenz in dem Gesehenen und Erlebten wiedererkennen und spiegeln. In beiden Filmen ist es die manische Fixierung auf die Rettung eines gefallenen Engels, die die Erlösung der Helden herbeiführen soll. Doch was "Bringing Out the Dead" wirklich spannend macht, sind die Unterschiede, die Variationen der alten Motive: Während "Taxi Driver" mit kühler Präzision auf die unausweichliche Apokalypse zusteuert, mit einer Hauptfigur wie eine tickende Zeitbombe, trägt dieses "Dantes Inferno" in Hell's Kitchen die Züge eines fiebrigen Amphetamin-Rausches, in dem der zur Passivität verdammte Antiheld Frank Pierce kurz vor der Implosion steht. Und so ist der Mord, der in dieser Geisterstunde am Ende steht, kein Befreiungsschlag der letzten Konsequenz, sondern ein fast zärtlicher Akt der Gnade, der Pierces Lämmer - zumindest kurzfristig - zum Schweigen bringt.

Bis es so weit ist, legt "Bringing Out the Dead" einen weiten, unkonventionellen Weg zurück, der den Gesetzen eines wahren Alptraumes folgt. In den frühen 90er Jahren kreuzt er als Ambulanzfahrer durch die schmutzigen Straßen des Prä-Giuliani-New-York. Von der Erinnerung an den von ihm nicht verhinderten Tod der jungen Asthmatikerin Rose in eine spirituelle Krise gestürzt, hat sich das kurze High des Lebenrettens angesichts all des Elends und der gebrochenen Körper in ein nimmer enden wollendes Tal der Tränen verkehrt. Resigniert stellt Frank im Voice-Over fest, daß er weniger Retter als Chronist ausgelöschten Lebens ist. Seine Kollegen kompensieren die Konfrontation mit dem allnächtlichen Wahnsinn auf ihre Art: Larry (John Goodman) lenkt sich mit Essen ab, Marcus (Ving Rhames) schwört auf Religion, und der sadistisches Rassist Walls (Tom Sizemore als Zorn Gottes) reagiert auf die Trostlosigkeit mit Gewalt. Nur Frank hat keinen Rettungspuffer - bis er die ehemalige Heroinabhängige Mary (Cages Ehefrau Patricia Arquette) kennenlernt, die Tochter eines zwischen Leben und Tod schwebenden Mannes, den Frank nach einem Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert hat. Ihre nicht immer völlig überzeugenden Szenen im Auge des Hurrikans bilden das Gegengewicht zu den zunehmend irrwitziger werdenden Nachttrips - von Kameramann Robert Richardson mit grellen, immer wieder grotesk beschleunigten Bildern festgehalten und von Thelma Schoonmaker fantastisch im Rhythmus von "Janie Jones" von den Clash geschnitten (fabelhaft: die halluzinatorische Sequenz, in der Pierce den auf einem Fahnenmast aufgespießten Drogendealer Cy rettet). Die Beziehung zwischen Frank und Pierce ist auch der Katalysator für die Resolution von Franks Dilemma: Kann man in dieser absurden Welt, in der Gott Unschuldige wie Rose sterben und Drogendealer leben läßt, Zeichen setzen? So steht dieser Horrortrip in die Zeit nach Mitternacht trotz seiner radikalen Energie und seines nackten Wahnsinns als Meditation über die Kraft und die Grenzen des Glaubens "Kundun" in seinen letzten Bildern doch wieder näher als "Taxi Driver". ts.

Darsteller:  Nicolas Cage   als Frank Pierce
  Patricia Arquette   als Mary Burke
  John Goodman   als Larry
  Ving Rhames   als Marcus
  Tom Sizemore   als Tom Wolls
  Marc Anthony   als Noel
  Mary Beth Hurt   als Schwester Constance
  Cliff Curtis   als Cy Coates
  Nestor Serrano   als Dr. Hazmat
  Aida Turturro   als Schwetser Crupp
  Cynthia Roman   als Rose
  Afemo Omilami   als Griss
  Cullen Oliver Johnson   als Herr Burke
  Arthur Nascarella   als Captain Barney
 
Regie:  Martin Scorsese  
Buch:  Paul Schrader  
Musik:  Elmer Bernstein  
Kamera:  Robert Richardson  
Produzent:  Scott Rudin  
  Barbara De Fina  
 

Bringing Out the Dead - Nächte der Erinnerung in der Fotoshow

 

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