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Broken Flowers

Jim Jarmusch schickt Bill Murray auf einen spektakulär entspannten Roadtrip durch vergangene Liebschaften. Hinreißend.


ohne Abbildung

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Erhältlich seit:
24.04.2006

Drama/ Komödie

USA 2005
Laufzeit: 101 Min.
FSK: o.A. (ohne Altersbeschränkung)

Bill Murray
Sharon Stone
Jessica Lange

Regie: Jim Jarmusch
Universum Film

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Auf der Suche nach einem möglichen Sohn startet "Lost in Translation"-Star Bill Murray einen Roadtrip in die Vergangenheit - und erlebt einige Überraschungen.

Alte Liebe rostet nicht: Sharon Stone beim Kuscheln mit Bill Murray (Foto: Tobis) Großansicht

Alte Liebe rostet nicht: Sharon Stone beim Kuscheln mit Bill Murray (Foto: Tobis)

Kein guter Tag für Don Johnston (Bill Murray), den angegrauten Don Juan. Seine junge Freundin verlässt ihn, und er ist einfach zu faul, sie zurückzuhalten, zappt sich lieber durchs TV-Programm. Da flattert ein rosa Brief ohne Unterschrift ins Haus, mit der Mitteilung, er habe einen 19-jährigen Sohn, der den "Papa" besuchen will. Auch das noch!

Auf Drängen seines Nachbarn, eines Hobbydetektivs, macht sich der geplagte Mann auf die Suche nach der anonymen Absenderin, steht bald mit rosa Rosen vor den Türen der potenziellen Mütter und fahndet nach rosa Indizien.

Redet lieber mit Meerschweinchen: Jessica Lange (Foto: Tobis) Großansicht

Redet lieber mit Meerschweinchen: Jessica Lange (Foto: Tobis)

So hätt's laufen können

Bei der ersten Station umschwärmt ihn erst Töchterchen Lolita, dann lockt ihn die sexlustige Mama (Sharon Stone) unters Laken; die zweite Lady, einstmals ein wildes Hippie-Girl, entpuppt sich als adrette Immobilienmaklerin mit Langweiler-Gatten; die dritte Dame spricht in ihrer Praxis mit Tieren und hat eine Affäre mit ihrer Assistentin.

Gefährlich wird's bei Ex Nummer vier, einer aggressiven Bikerin, die ihren Mucki-Freund auf ihn hetzt. Und warum, um alles in der Welt, hält er auf dem Heimweg einen jungen Typen für seinen möglichen Sohn?

He, Junge, bist du mein Sohn? Voll daneben, Don! (Foto: Tobis) Großansicht

He, Junge, bist du mein Sohn? Voll daneben, Don! (Foto: Tobis)

Munter und gut gelaunt

Die Antwort gibt Jim Jarmusch in diesem Muntermacher für Herz und Verstand, dem schönsten Gute-Laune-Filme des Jahres. Ein melancholischer Bill Murray ist "Lost in Memories" in tiefster amerikanischer Provinz. Hinreißend komisch und supercool. Kultiger geht's nicht.

Broken Flowers

Der schönste, hinreißendste und komischste Wettbewerbsbeitrag des diesjährigen Festivals von Cannes, der bei Kritik und Publikum für anhaltend gute Laune sorgte: Jim Jarmusch schickt in seinem bislang kommerziellsten Film Hauptdarsteller Bill Murray, begleitet von einer Riege fabelhafter weiblicher Stars von Sharon Stone bis Jessica Lange, auf einen Roadtrip zu verflossenen Liebschaften und gibt ihm alle Möglichkeiten, sein brillantes schauspielerisches Talent zu beweisen.

In der Rolle, die ihm Jim Jarmusch genauso auf den Leib geschrieben hat wie zuvor Sofia Coppola die des Bob Harris, ist Bill Murray mehr noch als in "Lost in Translation" die personifizierte männliche Midlifecrisis, eine "Broken Flower" mit abgeknicktem Kopf, ein verblühter Don Juan, der mit Ende seiner aktuellen Affäre allein auf dem Sofa vor dem Fernseher vor sich dahinwelkt. Wäre da nicht ein rosafarbener Brief, der zeitgleich mit dem Auszug seiner letzten Flamme Sherry (Julie Delpy) in sein Haus flattern würde, und in dem sein gut gelaunter Nachbar, vielfacher Vater und Hobbydetektiv Winston (Jeffrey Wright) Nährboden für einen blühenden Neuanfang in Don Johnstons Leben entdecken würde. Der anonyme schreibmaschinengetippte Brief einer Verflossenen bescheinigt Don Johnston die Vaterschaft eines mittlerweile 19-jährigen Sohnes, und Winstons Ehrgeiz entspringt sofort ein ausgearbeiteter Routenplan, der den weit weniger enthusiastischen, frisch gebackenen Vater auf eine Reise durch amerikanische Vorstädte zu allen zum betreffenden Zeitpunkt gedateten Frauen schickt, damit er herausfindet, wer Absenderin und Mutter des unbekannten Sprosses sein könnte.

Don Johnstons melancholischer Roadtrip wird natürlich mehr als Reise zu sich selbst enden, als dass er tatsächlich eine Reise in die Vergangenheit wäre. "Broken Flowers" ist ein Film über die Gegenwart, was allerspätestens dann bewusst wird, wenn er seinen Helden in der letzten Sequenz philosophisch zusammenfassen lässt: "Es gibt die Vergangenheit und es gibt die Zukunft. Die Vergangenheit war, die Zukunft kenne ich nicht. Aber ich kenne die Gegenwart. Darin lebe ich." Dabei kennt sich Don Johnston jedoch anfangs in der Gegenwart gar nicht mehr aus - er ist im EDV-Geschäft zu Geld gekommen, verweigert aber selbst den Besitz eines Computers; er versteht die Sprache kichernder Teenager nicht mehr und von einem wiehernden Spielzeugpferd fühlt er sich eher bedroht. Irgendwie scheint das Leben geradewegs an ihm vorbeizuziehen, und er würde gerne wissen, was ihm eigentlich fehlt. Die plötzliche Konfrontation mit seiner möglichen Vaterschaft bringt Murrays hier enorm passive Hauptfigur wie schon in "Die Tiefseetaucher" in Bewegung. Aber anders als in Wes Andersons verspieltem Skurrilitätenkabinett findet Jarmusch genügend Merkwürdigkeiten im ganz normalen amerikanischen Vorstadtdasein und reduziert die Komik der Begegnungen ganz auf die hohe Kunst - des Nichtstuns. Zusammen liefern Murray und Jarmusch eine immer unterhaltsame Lehrstunde in Minimalismus: Murray, indem er sich einen Film lang kaum bewegt, die einzige Bewegung von seinem Leihwagen verrichten lässt und nur in der letzten Szene plötzlich mit einer überraschenden, panischen Rasanz selbst die Beine in die Hand nimmt und feststellt, dass er vermutlich erst einmal aus sich herauskommen muss, wenn er wirklich herausfinden will, wonach er eigentlich sucht. Ansonsten möchte man sich an seinem absolut minimalistischem Minenspiel, einer leicht gehoben Augenbraue, einem ungläubigen Seitenblick nicht sattsehen; wie er mit einem kaum sichtbaren Zucken auf die von seinen weiblichen Ko-Stars zugespielten Bälle reagiert und in jeder Szene die Lacher gewinnt. Jarmusch unterstreicht das Ganze mit gewohnt unbewegten Kamerabildern ohne eine einzige Kamerafahrt, zoomt allenfalls an Murrays erstarrtes Gesicht heran. Zwischen den manchmal wie eine Fortsetzung von "Coffee and Cigarettes" wirkenden Episoden blendet er auf und ab, mischt das ganze mit kurzen Traumsequenzen, in denen ein regungsloser Don Johnston die Begegnungen Revue passieren lässt, und garniert alles in bekannt lakonischer Weise mit dem denkbar lässigsten Soundtrack - in diesem Fall äthiopischer Jazz, zusammengestellt auf einer von Winston gebrannten CD für die Reise; Musik, die mit Don Johnston, der sich lieber klassischen Klängen hingibt, so wenig zu tun hat, wie die Frauen, denen er begegnet. Was diese mit ihm irgendwann einmal verbunden haben könnte, interessiert Jarmusch und Don Johnston gar nicht. Auf der Reise geht es einzig um die detektivische Suche nach einer Schreibmaschine und einer Vorliebe der Verflossenen für die Farbe Rosa, weshalb der wortkarge Don Johnston Winstons Rat zufolge allen Frauen pinkfarbene Blumen bringt. Alle Frauen - charakterisiert mehr über ihr von kitschig bis steril reichendes Umfeld als über Dialoge - reagieren merkwürdig auf Don Johnstons Frage nach Kindern, alle könnten theoretisch Mutter seines Sohnes sein oder auch nicht, und genauso reagiert Don Johnston im Verlauf seiner Reise auf alle männlichen 19-Jährigen, die ihm begegnen und die eine winzige Ähnlichkeit mit ihm aufweisen, als könnten sie sein Sohn sein. Der Witz von "Broken Flowers" entsteht aus genau diesen Parallelen wie aus den Ambivalenzen, die überall in den Begegnungen zu Tage treten, in einem Film, der paradoxerweise ein Roadmovie ist, das ohne Bewegung auskommt; aus Jarmuschs Spiel mit dem Zufall, der theoretisch Schicksal sein könnte, was er aber mit gewohnter Selbstverständlichkeit unbeantwortet lässt - genauso wie die Frage, die seinen Helden angetrieben hat. Wünsche dürfte Jarmuschs bislang zugänglichster, sanftester und kommerziellster Film aber weder bei Fans noch bei einem breiteren Kinopublikum offen lassen. deg.

Darsteller:  Bill Murray   als Don Johnston
  Sharon Stone   als Laura
  Jessica Lange   als Carmen
  Tilda Swinton   als Penny
  Chloë Sevigny   als Carmens Assistentin
  Julie Delpy   als Sherry
  Chris Bauer   als Dan
  Frances Conroy   als Dora
  Alexis Dziena   als Lolita
  Larry Fessenden   als Will
  Pell James   als Sun Green
  Christopher McDonald   als Ron
  Mark Webber   als The Kid
  Jeffrey Wright   als Winston
  Heather Alicia Simms   als Mona
  Brea Frazier   als Rita
  Nicole Abisinio  
  Meredith Patterson  
  Jennifer Rapp  
  Ryan Donowho  
 
Regie:  Jim Jarmusch  
Buch:  Jim Jarmusch  
Kamera:  Frederick Elmes  
Produzent:  Jim Jarmusch  
  Jean Labadie  
  Jon Kilik  
  Stacy Smith  

"Ich mache keine Kompromisse"

Nicht anpassen, lautet Jim Jarmuschs Erfolgsrezept seit 25 Jahren. Der Regisseur bleibt sich weiterhin treu und ernährt sich zur Not von trockenem Brot.

Independent-Filmer mit Herz und Seele: Jim Jarmusch (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

Independent-Filmer mit Herz und Seele: Jim Jarmusch (Foto: Kurt Krieger)

» Können Sie sich noch an Ihre ersten Filme erinnern?

JIM JARMUSCH: Ich bin in Akron, Ohio, aufgewachsen. Nicht gerade der Nabel der Kinowelt. Dort verschlang ich Filme wie "Blob" oder "Die Attacke der Riesen-Krabbenmonster". Erst als ich mit 17 in New York landete, stellte ich fest: "Wow, es gibt auch etwas anderes als Monster auf der Leinwand!"

Und in Paris saß ich Tag und Nacht in der Cinemathèque und konnte mich nicht satt sehen an französischen, italienischen und amerikanischen Klassikern.

Mit Hauptdarsteller Bill Murray beim Dreh von "Broken Flowers" (Foto: Tobis) Großansicht

Mit Hauptdarsteller Bill Murray beim Dreh von "Broken Flowers" (Foto: Tobis)

» Wie haben Sie Bill Murray kennen gelernt?

Vor Urzeiten sprach Bill mich mitten in New York auf der Straße an und fragte, ob wir nicht eine Kaffee zusammen trinken wollten. Er spielte in einer Episode von "Coffee and Cigarettes" mit und ging mir nicht aus dem Kopf. Ich wollte unbedingt wieder mit ihm drehen.

Als ich ihm den alternden Don Juan in "Broken Flowers" vorschlug, sagte er "Warum nicht?". Wir haben dann in den Drehpausen wahnsinnig Spaß gehabt und mussten uns immer am Riemen reißen, wenn die Kamera lief.

In "Broken Flowers" wird Don durch einen anonymen Brief von seiner Vergangenheit eingeholt (Foto: Tobis) Großansicht

In "Broken Flowers" wird Don durch einen anonymen Brief von seiner Vergangenheit eingeholt (Foto: Tobis)

» Ihr Held wird mit der Vergangenheit konfrontiert. Schauen Sie auch manchmal zurück?

Nie. Wenn ein Film fertig ist, schleiche ich mich in eine Publikumsvorstellung und sehe ihn dann nie wieder an. Fehler kann ich nicht ausbügeln, ich blicke lieber nach vorne.

» Seit Ihrem ersten Film 1980 sind Sie sich als Independent treu geblieben. Wie schaffen Sie das?

Ich kann nicht aus meiner Haut heraus, mache keine Kompromisse und schon gar keine Filme für irgendwelche Geldgeber. Seit ich 25 bin, drehe ich die Geschichten, die mir gefallen, und fahre gut damit. Ich weiß aber auch, wie es ist, sich im Land der Kreditkarten mit ein paar Dollar durchzuschlagen. Lieber esse ich trockenes Brot, statt zu Kreuze zu kriechen.

Johnny Depp als blasser Buchhalter in "Dead Man" (Foto: Pandora) Großansicht

Johnny Depp als blasser Buchhalter in "Dead Man" (Foto: Pandora)

» Mit welchem Trick kriegen Sie Schauspieler von Johnny Depp über Sharon Stone bis Bill Murray?

Ich muss nicht den Charmeur mimen, um sie zu überzeugen. Schauspieler wie Johnny Depp und Sharon Stone verfügen über Instinkt, sie wissen, wer sie liebt. Dann sind sie bei der Sache, sogar bei einem Kontrollfreak wie mir.

» Was hält Sie in New York?

New York ist mehr als eine Stadt, ist mein Land, meine Welt. Der 11. September hat mich erst einmal traumatisiert. Aber nicht eine Sekunde kam es mir in den Sinn, den Big Apple zu verlassen.

 

Broken Flowers in der Fotoshow

 

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Features

 

Star

Bill Murray

Anführer der "Ghostbusters", Bosley der neuen "Engel für Charlie", Millionär und "Rushmore"-Absolvent Mr. Blume, "Murmeltier"-Reporter und...

 

Star

Sharon Stone

Als ehemaliges Fotomodell für Eileen Ford, Clairol, Revlon u.a. sowie Gewinnerin diverser lokaler Schönheitswettbewerbe gelang Sharon Stone...