
Seinem coolen Neo-Noir-Debüt "Brick" lässt Regieentdeckung Rian Johnson ein schräges Gaunerstück mit Top-Besetzung folgen.
Johnsons Hauptdarsteller, die den Oscar bereits gewannen oder ihn zumindest umkreisten, sowie das frühe Interesse von Tom Cruise an einer Rolle, signalisieren, welchen Eindruck "Brick" und das Nachfolgeprojekt hinterließen. Das im Erstling bereits prominente Element von Verrat und Täuschung ist in "Brothers Bloom" auf eine humorvolle Ebene verlagert und überzeichnet.
Die titelgebenden Brüder, der eine Kopf (Mark Ruffalo), der andere Seele (Adrien Brody), führt Johnsons Skript im Alter von 13 und zehn Jahren ein. Trocken-komische, gut getimte Sequenzen zeigen, wie aus den Zwangsnomaden des Erziehungssystems nach 38 Pflegefamilien ein selbständig operierendes Betrügerduo wurde. Dieses ist 25 Jahre später durch die Explosivexpertin Bang Bang zum Trio erweitert, doch der jüngere Bloom will aussteigen, nicht mehr nur in den Rollen, die der ältere vorgab, leben. In einem letzten Coup soll die reiche eremitische Erbin Penelope (Rachel Weisz) um Millionen gebracht werden - durch Diebstahl einer wertvollen Buchantiquität, die letztlich nur als McGuffin, als sinnbefreiter Motor einer Story dient, die erst nach Prag, dann nach Mexiko und Russland führt.
Zum Ende hin überschlägt sich mit einem von Gangsterkugeln durchsiebten Auto auch der Film, täuscht sich Johnson in der Verfolgungsbereitschaft seiner Zuschauer, der letztlich das Interesse verliert, wer wen und aus welchem Grund in die Irre führen will. Bis dahin aber und einiger unaufgelöster Story-Rätsel zum Trotz erweist sich Johnson als smarter Manipulator, bedient sich aus der Filmgeschichte - vom Stummfilm über Blake Edwards bis hin zu Wes Anderson, spielt mit Realität und Simulation. Und das in einem deutlich als Liebesmärchen deklarierten Szenario zwischen zwei Brüdern und zwei vereinsamten Außenseitern.
Schräge Dialoge ("Ich bin eine epileptische Fotografin") und Sequenzen, in denen etwa Haltungsnoten für Fahrradstürze vergeben werden, gesellen sich zu schrägen Figuren, die auf der weiblichen Seite interessanter ausfallen als auf der männlichen. "Babel"-Entdeckung Rinko Kikuchi ist dabei ein stumm bleibender exzentrischer Schatten der Blooms, Weisz eine vitale Verwandte der Tenenbaums. Eine Schlossprinzessin, die eine Ewigkeit auf ihren Prinzen wartet, und dabei Fähigkeiten von anderen aufnimmt und zur Perfektion führt - vom Hochrad bis zum Harfenspiel. Und wenn sie die Liebe lernt, erblüht mit ihr auch Bloom. kob.