DVD Leihvideo

Caché

Brillanter Psychothriller von Michael Haneke über eine gut situierte französische Familie, in deren Alltag Angst und Unsicherheit Einzug hält, weil ihr regelmäßig Videoaufnahmen ihres Zuhauses zugespielt werden.


Caché

Leihvideo

Erhältlich seit:
20.07.2006

Drama/ Thriller

Frankreich/Österreich/Deutschland/Italien 2005
Laufzeit: 115 Min.
FSK: ab 12

Juliette Binoche
Daniel Auteuil
Annie Girardot

Regie: Michael Haneke
EuroVideo Bildprogramm

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Psychothriller von Michael Haneke über eine Familie, in deren Alltag die Angst Einzug hält, weil ihr regelmäßig Videoaufnahmen ihres Zuhauses zugespielt werden.

George und Anne sind eigentlich glücklich (Foto: Prokino (Fox)) Großansicht

George und Anne sind eigentlich glücklich (Foto: Prokino (Fox))

Anonym werden dem Fernsehmoderator Georges Laurent (Daniel Auteuil) Videoaufnahmen, in denen seine Wohnung zu sehen ist, und Bilder eines Jungen mit blutendem Mund zugespielt.

Beflügelt von Erinnerungen aus seiner Kindheit, in der er den algerischen Jungen Majid (Maurice Bénichou) mit falschen Anschuldigungen vom heimischen Hof trieb, reagiert Georges zunehmend aggressiv - zumal ihn eines der Bänder direkt vor die Haustür von Majid führt, der allerdings seine Unschuld fest beteuert.

Ein Video von einem Jungen stört die Idylle (Foto: Prokino (Fox)) Großansicht

Ein Video von einem Jungen stört die Idylle (Foto: Prokino (Fox))

Kein Boden unter den Füßen

Brillant konzipierter und durchgeführter Psychothriller von Michael Haneke, der zunächst die Mittel des Genres benutzt, um dem Zuschauer nach und nach den Boden unter den Füßen wegzuziehen und den Film dann unmissverständlich in eine intelligente Metapher über die maßlose Aggression der Industriestaaten gegen die Dritte Welt, von der man sich bedroht fühlt, münden lässt.

In der Hauptrolle brilliert Daniel Auteuil, der seinen Ruf als Publikumsliebling nutzt, um eine durch und durch unsympathische Figur darzustellen.

Caché

Vor acht Jahren zeigte Michael Haneke noch die Kniffe des Thrillers als publikumsheischende Gimmicks. Jetzt setzt der in Frankreich lebende Österreicher die Stilmittel des Genres in seinem neben "Die Klavierspielerin" zugänglichsten Film ein, um eine Geschichte über eine Familie zu erzählen, deren Verbund nachhaltig erschüttert wird, nachdem ihr zunehmend privatere Videoaufnahmen zugespielt werden. Eine jederzeit nachvollziehbare Studie über das langsame Auflösen des Familienverbunds mit einem sensationellen Daniel Auteuil in der Hauptrolle - zugleich eine wenig kaschierte und kunstvoll in die Textur des Films verwobene Anklage gegen die Aggression, die von der Ersten Welt gegen weniger mächtige Länder ausgeübt wird, von denen man sich bedroht fühlt. Ein Triumph des intelligenten Kunstkinos.

Mehr noch als in seinem bislang besten Film, dem in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichneten "Die Klavierspielerin", dominiert in "Caché" Michael Hanekes filmemacherische Seite über den moralisch überlegenen Lehrer. Sein neuer Film belehrt nicht. Er zeigt. Und das unter Ausschöpfung aller filmischen Mittel, ohne jemals auch nur ein Iota an Schärfe, Prägnanz und unmissverständlicher Aussage zu verlieren. Im Gegenteil. Die oft so penetrante Didaktik eines "Funny Games" oder "Wolfszeit" rückt komplett in den Hintergrund, wenn Haneke sich hier zunächst mit den klassischen Mitteln eines Thrillers seiner klassischen Themen annimmt: der Bedrohung und schließlich langsamen Auflösung des Familienverbandes, dem schmalen Grat zwischen gutbürgerlicher Zivilisiertheit und dem Ausbruch von Aggression und Gewalt. Mit einem simplen Mittel erzeugt der Regisseur sofort die nötige Spannung.

Während des Vorspanns sieht man eine leere Straße und an ihrem Ende ein idyllisches Haus. Der nächste Schnitt offenbart, dass es sich dabei um eine Videoaufnahme handelt, die dem gut situierten Fernsehmoderator Georges Laurent und seiner Frau Anne, einer Verlagsangestellten, zugespielt wurde - eine Ansicht ihres Hauses. Mit jedem weiteren Video nimmt die Unsicherheit und Angst der Laurents zu. Offenkundig hat jemand nicht nur Zugang zu ihrem Privatleben; er weiß auch um die Vergangenheit Georges': Ein Band zeigt den Landbesitz seiner Eltern. Zusätzlich erhält die Familie krude handgezeichnete Bilder, die einen Jungen mit blutendem Mund zeigen. Dieses Motiv spült eine längst verdrängte Erinnerung in George hoch, der sich nach und nach an den algerischen Jungen Majid erinnert, den er als Kind mit erfundenen Anschuldigungen vom heimischen Hof trieb - wovon er seiner Frau nichts erzählt. Dafür reagiert der eigentlich so besonnene Mann zunehmend aggressiv auf seine Umwelt: Wer seine Familie terrorisiert, so zürnt er, der wird einen hohen Preis bezahlen müssen.

War man bislang in das unmittelbare Drama und das Rätsel um die Videobänder involviert, so schält sich nun der klar ausformulierte Subtext von "Caché" immer deutlicher heraus: Festgemacht am Irakkrieg, dessen unvermindert schockierende Bilder in einer langen Sequenz im Hintergrund in den Fernsehnachrichten flimmern, ist dieser Film, der seinen Akteuren und dem Zuschauer zusehends den Boden unter den Füßen wegzieht, auch eine Metapher für das Verhalten der westlichen Industriestaaten, die auf die vermeintliche Bedrohung von Ländern der Dritten Welt nicht mit dem nötigen Bedacht, sondern unverhältnismäßiger Gewalt reagieren. Denn alsbald führt eines der Videobänder zu eben jenem Majid seiner Kindheit, der in einem algerischen Ghetto in Paris lebt und Georges mit dessen Fehlverhalten konfrontiert. Als dieser aufgebracht mit Drohungen reagiert, löst er eine Kette von Ereignissen aus, die in einer selbst in Hanekes wenig zimperlichem Schaffen einzigartig erschütternden Szene mündet. Alldieweil bleibt die Thrillerspannung erhalten, weil Haneke eine Auflösung verweigert, wer genau der Hersteller der Videobänder ist. So clever setzt er die Aufnahmen ein, dass man häufig nicht genau weiß, ob man nun inszenierte Szenen der Handlung sieht oder eben Videos des Unbekannten. Eine perfekte Weise, den Zuschauer in das Geschehen zu implizieren. Es steht Haneke besser zu Gesicht, sich bei Hitchcock und dessen Epigonen zu bedienen als deren Mittel zu kritisieren.

Dass dieses schleichende Horrorszenario funktioniert, ist nicht zuletzt das Verdienst von Daniel Auteuil in der schwierigen Rolle des Georges Laurent. Sehr clever setzt der Schauspieler, blendend unterstützt von Juliette Binoche, auf seinen Ruf als Sympathieträger und Publikumsliebling, der sich spät als Wolf im Schafspelz, als ureigentlicher Aggressor und im Wortsinne Terrorist entpuppt. Wie Haneke hier mit den Erwartungen des Publikums spielt und die Konventionen des klassischen Erzählkinos auf den Kopf stellt, ist mindestens so verstörend wie das weit offene Ende - und eigentlich der ganze Film, in dem stets alles möglich scheint und dessen Intelligenz der Spannung nie im Weg steht. ts.

Darsteller:  Juliette Binoche   als Anne Laurent
  Daniel Auteuil   als George Laurent
  Annie Girardot   als Georges Mutter
  Maurice Bénichou   als Majid
  Lester Makedonsky   als Pierrot Laurent
  Bernard Le Coq   als Chefredakteur
  Walid Afkir   als Majids Sohn
  Daniel Duval   als Pierre
  Nathalie Richard   als Mathilde
  Denis Podalydès   als Yvon
  Aïssa Maïga   als Chantal
 
Regie:  Michael Haneke  
Buch:  Michael Haneke  
Kamera:  Christian Berger  
Produzent:  Margaret Ménégoz  
  Prof. Dr. Veit Heiduschka  

"Ein Film ist jedes Mal ein neues Abenteuer"

Mit "Caché" liefert Michael Haneke ein Meisterwerk ab, das nicht nur in Cannes den Preis für die beste Regie erhielt, sondern auch fünf Europäische Filmpreise, darunter den für den besten Film.

Die Hauptdarsteller: Juliette Binoche und Daniel Auteuil (Foto: Prokino) Großansicht

Die Hauptdarsteller: Juliette Binoche und Daniel Auteuil (Foto: Prokino)

» Was reizt Sie immer wieder an Geschichten über innere Verunsicherung?

MICHAEL HANEKE: Meistens ist es nicht das Thema, sondern ein Klima, das mich interessiert, etwas, das mich aufregt. Daniel Auteuil und ich planten ein gemeinsames Projekt, und hier passte einfach alles.

Die Geschichte über einen Menschen, der mit einer Tat aus seiner Kindheit konfrontiert wird, beschäftigte mich schon lange. Das schlechte Gewissen kommt in fast allen meinen Filmen vor. In der Disziplin, uns von Schuld freizusprechen, sind wir doch alle Weltmeister.

"Caché"-Regisseur Michael Haneke (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

"Caché"-Regisseur Michael Haneke (Foto: Kurt Krieger)

» Das Ende ihres Films eröffnet die Möglichkeit vielfältiger Interpretationen.

Ein anderes Ende hätte den Film ärmlicher gemacht, auch die Möglichkeiten für das Publikum. Ich versuche - auch wenn es mir nicht immer gelingt -, so offen wie möglich für Interpretationen durch den Zuschauer zu bleiben. Das ist die produktivste Methode des Dialogs.

Wenn ich beim Betrachter Fragen offen lasse, setzt er sich länger mit dem Film auseinander, eine grundsätzliche Tendenz dramatischer Kunst im weitesten Sinne, im Theater wie im Kino. Wer einen Dialog beginnen will, darf nicht so tun, als hätte er Botschaften zu versenden. Nur im Mainstreamkino ist man sozusagen verpflichtet, den Schuldigen zu offenbaren, eine dumme Angewohnheit.

 

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