
Bewegendes Apartheid-Drama über die Radikalisierung eines unpolitischen Familienvaters.
Kein Regisseur hat sich in den letzten Jahren vergleichbar überzeugend neu erfunden beziehungsweise wiederentdeckt wie Phillip Noyce. In Hollywood von routinierter Thriller- und Actionware vereinnahmt, fand der Australier nach Jahren zu den kleinen, spannenden Filmen ("In der Hitze des Zorn", "Newsfront") seiner Anfangsjahre zurück. Nach "Long Walk Home" und "Der stille Amerikaner" ist "Catch a Fire" Noyces dritter Schritt in die richtige Richtung: packendes politisches Kino, dass sich nie in simplen aufklärerischen Botschaften verliert, sondern sich auf dramatische Schicksale und den Anspruch, intelligent unterhalten zu wollen, konzentriert.
Shawn Slovo, die mit ihrem Drehbuch zu "Zwei Welten" einen Blick in ihre vom politischen Kampf der Eltern überschatteten Kindheit gab, erzählt 18 Jahre später eine weitere aufwühlende Geschichte, in die auch ihr 1995 verstorbender Vater Joe, Mitglied des militärischen Flügels des African National Congress, involviert war.
Patrick Chamusso (Derek Luke) stammt aus Mozambique, arbeitet 1980 in einer riesigen südafrikanischen Ölraffinerie, führt ein angepasstes, unpolitisches, aber dank einer amourösen Affäre mit Folgen doch kein ganz heiliges Leben mit seiner Frau Precious (Bonnie Mbuli) und den gemeinsamen Kindern. Weit weg von den Townships, in einer zweiten Welt, bringt Colonel Vos (Tim Robbins) seine Familie zum Schießstand, fühlt sich bedroht vom wachsenden, im ANC konzentrierten Widerstand, dessen Arme bis in die Wohlstandsterritorien der Weißen hineinreichen. Die Freiheitskämpfer des ANC sind für ihn und die Kap-Regierung Terroristen, die er mit Intelligenz und perfiden Methoden jagt. Nach Explosionen in Chamussos Fabrik lässt Vos den Familienvater verhaften, ihn foltern, seine Frau verprügeln und nimmt ihn schließlich sogar zum friedlichen Essen bei seiner eigenen Familie mit - eine Szene, die an seelischer Grausamkeit schwer zu überbieten ist. Schließlich muss er die Unschuld Chamussos erkennen und ihn laufenlassen, doch aus dem Lamm ist ein Löwe geworden, der sich dem ANC anschließt, jetzt wirklich zum politischen Aktivisten und Bombenleger wird.
Mit Derek Luke, Entdeckung von Denzel Washingtons Regiedebüt "Antwone Fisher" und Newcomerin Bonnie Mbuli als Ehepaar Chamusso sowie Tim Robbins als Monstrum hinter einer Fassade von Menschlichkeit kann sich Noyce auf ein starkes Darstellertrio verlassen. Dieses ist das Fundament für das emotionale Gewicht eines aufregenden, psychologisch komplexen Films, der seine Zuschauer immer im Griff und darüber hinaus ganz ohne Spezialeffekte, in der finalen Entscheidung zwischen Vergeltung und Vergebung, ein wirkliches Wunder im Angebot hat. kob.