
Nach mehrjähriger Leinwandabwesenheit meldet sich Sharon nun mit einem von Mike Figgis ("Leaving Las Vegas") inszenierten Suspensethriller zurück. Für den Regisseur, der sich zuletzt mehreren Experimentalfilmen wie "Time Code" verschrieben hatte, markiert dies gleichermaßen die Rückkehr zum kommerziellen Studiofilm. Während der clever aufgemachte Trailer und die ca. ersten (und besten) 30 Minuten des Films einen übernatürlichen Thriller der "Geisterhaus"-Variante vermuten lassen, handelt es sich tatsächlich um einen Eintrag ins "Psychopath bedroht Familie"-Genre à la "Kap der Angst", dem eine Portion Hausterror der Marke "Fremde Schatten" beigefügt wird.
Drehbuchautor Richard Jeffries, setzt seine Horrorerfahrung, die er bereits 1981 mit seinem ersten Skript für "Blood Tide" sammelte, ein. So wird die Spannung langsam und drückend aufgebaut und von Figgis zunächst mit Understatement superb in Szene gesetzt. Eingeführt werden die Tilsons, bestehend aus Vater Cooper (Dennis Quaid), Mutter Leah (Stone) und ihren beiden Kindern, als typische New Yorker Yuppie-Familie, der der Stress der Großstadt zuviel wird. Daraufhin kaufen sie eine heruntergekommene alte Villa auf dem Land, in der sich noch sämtliche Besitzstücke des vorherigen Eigentümers befinden. Dies ist der junge Redneck Dale Massie (Stephen Dorff aus "Blade"), der frisch aus dem Gefängnis entlassen aufkreuzt und unverfroren fordert, bei den Renovierungsarbeiten behilflich sein zu können. Erwartungsgemäß nehmen kurz nach seiner Anstellung unlautere Vorkommnisse ihren Lauf und die Indizien häufen sich, dass das Haus ein schreckliches Geheimnis birgt.
Sobald die erste traumatische Sequenz (das Haus wimmelt von Schlangen und versetzt die gesamte Familie in kreischende Hysterie) stattfindet, versteigt sich Figgis bei der dramatischen Ausführung, die trotz starker Symbolik in ihrer extremen Übersteigerung ein ums andere mal lachhaft wirkt. Dabei ist es wenig zuträglich, dass fortan bei jedem gefahrvollen oder verstörenden Moment die selben kakophonischen Klänge (von Figgis komponiert) eingesetzt werden. Im Kontrast dazu versteht es der Regisseur, effektiv die sexuelle Spannung zwischen Dale und Leah, sowie sein mögliches Interesse an ihrer Teenagertochter, zu suggieren. Die Zeichnung des Lokalkolorit wird als Gesellschaftskommentar genutzt, bei dem die Einheimischen (darunter Juliette Lewis in ihrer Paraderolle als Natural Born White Trash), die wohlhabende Zugereiste als unwillkommene Eindringlinge sehen, die die Immobilienpreise in die Höhe treiben und sich indirekt an ihnen bereichern (Cooper dreht einen Dokumentarfilm über Cold Creek Manor). Problematisch für den sorgfältig aufgebauten Spannungsbogen erweist sich, dass die folgenden Ereignisse alsbald glasklar voraussehbar sind. Die Schauspieler sind es, die das Interesse wach halten. Vor allem Quaid brilliert als angeschlagener Patriach, dem die Verteidung seiner Familie das Rückgrat stärkt. Positiv fällt zudem das Ambiente des Produktionsdesigns und die hervorragende Kameraarbeit von Declan Quinn mit zahlreichen einfallsreichen Bildwinkeln auf. ara.