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Comedian Harmonists

Hommage an die dreißiger Jahre A-Capella-Formation. Success-Story und feinfühliges Zeitporträt.


Comedian Harmonists

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Erhältlich seit:
21.09.1998

Musikfilm/ Drama

Deutschland 1997
Laufzeit: 124 Min.
FSK: ab 6

Ben Becker
Heino Ferch
Ulrich Noethen

Regie: Joseph Vilsmaier
Universum Film

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Comedian Harmonists

Fasziniert von der amerikanischen A-Capella-Formation The Revellers beschließt der 20jährige Schauspielschüler Harry Frommermann 1927 auch in Berlin ein ähnliches Ensemble auf die Beine zu stellen. Dank einer Zeitungsannonce hat er schon bald ein schlagkräftiges Sextett zusammengestellt, das mit seinen flotten Liedern und frechen Texten schnell zu einem Begriff in ganz Deutschland wird. Ihr großer Erfolg macht die jüdischen Mitglieder der Gruppe allerdings blind für die Gefahr, die vom Nationalsozialismus ausgeht...

Der erwartet große Wurf ist Joseph Vilsmaier (Schlafes Bruder) mit diesem aufregenden Musikfilm gelungen. Getragen von den witzigen Original-Songs der Ende der 20er Jahre europaweit erfolgreichen Comedian Harmonists zeichnet dieser bewegende Ensemble-Film das erschütternde Bild einer Epoche nach, deren euphorische Lebenslust von kalter Zerstörungswut erstickt wurde. Mit den besten Schauspielern Deutschlands in Hochform erweist sich dieses ebenso unterhaltsame wie kritische Historien-Drama, das auch in den romantischen Momenten zu glänzen versteht, als ausgereiftes Film-Epos für die ganze Familie.

Comedian Harmonists

Wo "Comedian Harmonists" draufsteht, sind auch komödiantische Harmonien drin. Mit Spannung erwartet, ist Joseph Vilsmaiers Verbeugung vor dem berühmten Vokalsextett aus den dreißiger Jahren ein handwerklich wie immer makelloser, wunderschön altmodischer Film geworden, der eine fröhlich-überbordende Aufsteiger-Geschichte mit feinfühligem Zeitporträt verbindet und vor allem in der zweiten Hälfte auch melodramatische Züge annimmt.

Schuhe werden auf Hochglanz poliert, Frisuren und Schnurrbärte in Form gezwirbelt, als die noch nicht glorreichen Sechs sich während der Anfangstitel auf ihren ersten Auftritt vorbereiten. Mit einer Rückblende setzt die Handlung dann ein: wie in Carl Spitzwegs "Armer Poet" haust Arrangeur Harry Frommermann (Ulrich Noethen meistert seine erste bedeutende Kinorolle mit Bravour) in einer Dachwohnung, in der auch die Talentsuche stattfindet. Dort stellt sich der Statist Robert Biberti (Ben Becker als großspurig-sympathischer "Manager") in seinem Mönchskostüm vor und läßt seinen Bass im Brustton erklingen. Die restlichen vier bringt Biberti schnell ins (Sing-)Spiel: der sich vor schmachtenden Frauen als trällernder Kellner verdingende Bulgare Ari Leschnikoff (Max Tidof aus "Abgeschminkt" fröhlich überdreht) begrüßt alle mit schmatzendem Mundkuß. Den verschlafenen Klimperer Erwin Bootz (Kai Wiesinger sehr zurückgenommen als moralisch schwaches Glied der Truppe) holen sie aus dem Bett seiner Freundin. Der Dandy mit Monokel, Erich Collin (vom Außerirdischen Heinrich "Harald" Schafmeister ein wenig blaß dargestellt) und der hyperkorrekte, immer freundliche Roman Cycowski (Heino Ferch konträr zu seiner Rolle in "Winterschläfer") komplettieren das Sextett, das sich mit "Veronika, der Lenz ist da" fröhlich ans Proben macht und Vilsmaier in den zahlreichen Playback-Musikszenen ausreichend Gelegenheit für Referenzen an den deutschen Revuefilm der fünfziger Jahre gibt. Das ist auch der Startschuß für eine vielversprechende Karriere, die im klassischen Zeitraffer in überblendeten Zeitungsschlagzeilen, Plattencovern und Pressefotos anrollt - inklusive obligatorischer Fahrt nach Amerika. Diese hätte auch fast die Freiheit für das Sextett bedeutet, das in seiner Heimat trotz aller Popularität mehr und mehr Schwierigkeiten mit den Nazis bekommt. Eine beim Musikdirektor erwirkte Gnadenfrist für das zur Hälfte jüdische Sextett ist nicht von Dauer. In München gibt die A-capella-Formation in der anrührendsten Szene des Films mit Tränen in den Augen ihr Abschiedskonzert.

Der gelernte Musiker Joseph Vilsmaier versuchte mit seinem jahrelang gehegten und gepflegten Projekt um die legendären Vokalartisten, sechs Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Klar, daß im Rahmen eines zweistündigen Films nicht alle Figuren gleich komplex ausgearbeitet sein können. Also konzentriert sich Vilsmaier auf das Freundes-Rivalen-Duo Harry und Berti und deren gemeinsame Geliebte Erna (von Ben Beckers Schwester Meret natürlich-frisch gespielt), während die erotischen Eskapaden der anderen Figuren zum Teil nur angerissen werden. Bei der authentischen Atmosphäre und dem großzügigen Produktionsdesign der frühen Dreißiger konnte sich Vilsmaier voll und ganz auf den Oscar-Preisträger Rolf Zehetbauer ("Cabaret") verlassen, der bereits "Schlafes Bruder" ausstattete. Der ehrgeizige Regisseur, Kameramann und Produzent in Personalunion lieferte mit seiner Hommage ein Stück Kino, das alles hat: Witz, Dramatik, Glamour und Historie, auch wenn bei der schieren Masse des Materials das eine oder andere dramatische Detail untergehen muß. Eine Oscar-Nominierung mag "Comedian Harmonists" durch die Lappen gegangen sein, die Aufmerksamkeit des deutschen Publikums ist ihm indes sicher. hai.

Darsteller:  Ben Becker   als Robert Biberti
  Heino Ferch   als Roman Cycowski
  Ulrich Noethen   als Harry Frommermann
  Heinrich Schafmeister   als Erich A. Collin
  Max Tidof   als Ari Leschnikoff
  Kai Wiesinger   als Erwin Bootz
  Meret Becker   als Erna Eggstein
  Katja Riemann   als Mary Cycowski
  Dana Vávrová   als Ursula Bootz
  Noemi Fischer   als Chantal
  Otto Sander   als Bruno Levy
  Michaela Rosen   als Ramona
  Günter Lamprecht   als Eric Charell
  Gérard Samaan   als Romans Vater
  Rolf Hoppe   als Streicher
  Ulrich Tukur  
 
Regie:  Joseph Vilsmaier  
Buch:  Klaus Richter  
Musik:  Harald Kloser  
Kamera:  Joseph Vilsmaier  
  Peter von Haller  
  Jörg Widmer  
Produzent:  Hanno Huth  
  Reinhard Klooss  
  Danny Krausz  
 

Comedian Harmonists in der Fotoshow

 

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