
Statt ein gestohlenes Auto nach Bukarest zu verschieben, strandet ein rumänisches Pärchen in Wien und rennt im gar nicht goldenen Westen immer wieder gegen Widerstände an.
Auf den ersten Blick ein Klischee: Ana und Nicolae kommen mit dem Bus in die Donaumetropole, um das schnelle Geld zu machen. Doch der zugedröhnte Mittelsmann hat den Wagen noch nicht und so treibt sich das Duo um den verwahrlosten Bahnhof Wien Mitte herum, wo kein Fernzug mehr hält, sondern nur der Zug nach Nirgendwo, ein Treffpunkt für die Verlorenen aller Herren Länder. Ein Kristallisationspunkt der Unwirtlichkeit und flüchtigen Begegnungen. Die beiden hängen ohne finanzielle Mittel und ausreichende Sprachkenntnisse fest, verpulvern die letzten Moneten für eine hässliche Billiguhr und einen sprechenden Plüschhund. Bald kriselt es in der Beziehung. Wien von ganz unten. Das ist bei Jörg Kalt keine soziale Studie, sondern ein Abgleichen und Umsetzen von Lebensvorstellungen und Lebensstrategien mit zwei Hauptfiguren, die sich gegen die Wirklichkeit abfedern, getrennt ein neues Universum erkunden. Ihre Wege kreuzen sich mit Einheimischen, die auch nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen - einem frustrierten Kaufhausdetektiv, einer sexbereiten Reisebüroangestellten und einer Frau, die sich als "Crash Test Dummy" durchschlägt, eine menschliche Versuchspuppe für Auffahr-Unfälle. So ähnlich versuchen es die beiden Fremden auf der Überholspur, landen oft mit Wucht vor der Wand aus falschen Träumen, rappeln sich hoch und packen das Schicksal im undurchsichtigen Beziehungsgeflecht erneut bei den Hörnern. Eine Gratwanderung zwischen Komödie und Melodram, Wiener Schmäh und Melancholie, österreichischem kruden Humor und Billighotel-Tristesse. So richtig weiß man nicht, wo es langgeht. Die locker zusammengefügte Handlung spielt um den 1. Mai 2004 herum, dem Tag, an dem der EU zehn weitere Mitglieder beitreten und dies mit einem Feuerwerk gefeiert wird. Geeint in Tragik, Komik und Liebe. Hauptsache Bewegung. Keep on running! mk.