
Am Königshof eines chinesischen Territorialreichs vergiften Misstrauen und Machtgier das aristokratische Familienklima.
Das Etikett "teuerster chinesischer Film aller Zeiten" und Rekorde am nationalen Boxoffice sind die Referenzen des neuen Historienepos von Zhang Yimou. Auf die monumental angelegten Lovestorys "Hero" und "House of Flying Daggers" folgt jetzt ein Spektakel über bitteren Hass. Nach drei Jahren Kriegsdienst kehrt Prinz Jie in den Palast seines Vaters (Chow Yun-Fat) zurück. Die Begrüßung zwischen dem Herrscher und seinem zweitältesten Sohn fällt mit einem zunehmend rücksichtslos geführten Schwertduell ungewöhnlich aus, signalisiert aber deutlich, wer am Hof immer noch unangefochten sein Revier beansprucht. Eine despotische Aura umgibt den König, der seine Regentschaft mit Berechnung und Blut aufgebaut und verteidigt hat. Seine Vernunftheirat mit der Tochter eines Nachbarkönigs zeugte zwei Söhne und gegenseitige Verachtung, die die Königin (Gong Li) schließlich ins Bett ihres Stiefsohns, des Kronprinzen, trieb. Dessen vermeintlich tote leibliche Mutter spielt eine Schlüsselrolle in der Enthüllung der königlichen Strafaktion, der schleichenden Vergiftung der untreuen Ehefrau. Heimlich bereitet die geschwächte Königin mit einem Putsch ihre Rache vor, heimlich ist ihr Stiefsohn in eine andere Frau verliebt und heimlich schickt der König sein Todeskommando aus, um die Zeugen seiner toxischen Disziplinierung zu töten.
Thematisch erinnert der "Fluch der goldenen Blume" an Shakespeare, gerät an einigen Stellen aber doch zu theatralisch. "Snakes in a palace" wäre ein angemessenes Resümee für diese giftige Enttarnung der Dekadenz durch filmische Opulenz, für die selbst das Cinemascopeformat kaum ausreicht. Was mit ausführlich gezeigten Hofritualen als Kammerspiel in luxuriösem Rahmen beginnt, endet in einer beispiellosen Kesselschlacht im Palasthof, die ein Heer von Statisten und Digitalanimatoren verschliss. Noch origineller und magischer in der Choreografie ist ein Ninjaüberfall, bei dem die Angreifer wie Marionetten an unsichtbaren Fäden Berge hinuntergleiten oder majestätische Schluchten durchfliegen, um ihre flüchtenden Opfer zu töten. Ein eindrucksvoller Höhepunkt in einem Film, der mit seiner Farbenpracht in Gold, Rot, Blau und Schwarz wie Drogentechnicolor wirkt, der mit fantastischen Sets und Kostümen der Verschwendung Ausdruck gibt, die mit der Armut an Zuneigung und Aufrichtigkeit kontrastiert. So spektakulär hat Form selten über Inhalt triumphiert und sich das Kino als einzig sinnvolles Forum eines solchen Machtkampfes präsentiert. Wie die Protagonisten durch das Schwert fallen, wird der Zuschauer von Schleppen, die bis zum Horizont reichen, von nächtlichen Palastlichtspielen und von Bildern für die eigene Kopfgalerie erschlagen. kob.