
Ungeachtet der Titelassoziationen mit Mainstream-Slapstick oder einem amerikanischen Teenphänomen erweist sich diese Sundance-Premiere als charmante Indie-Komödie mit romantischem Bonus.
Nach den Familienduos Hughes, Coen, Wachowski und Polish dringt ein weiteres inszenierendes Brüderpaar aufs internationale Filmparkett. Jay und Mark Duplass wurden bisher dem Mumblecore-Movement zugeordnet, drehten mit weitgehend unbekannten, oft nicht einmal professionellen Schauspielern und Minibudgets Kurz- und Langfilme. Stilistisch, mit Wackelkamera und Unauffälligkeitssoptik, bleibt "Cyrus - Meine Freundin, ihr Sohn und ich" diesen Wurzeln treu, nimmt aber mit seiner Starbesetzung erfolgreich Kontakt zu erweiterten Publikumsschichten auf.
Die von den Duplass-Brüdern auch verfasste Geschichte ist im Alltäglichen verwurzelt und harmonisiert das Romantische mit dem Kauzigen. Sieben Jahre nach seiner Scheidung von Jamie (Catherine Keener), die vor ihrer erneuten Verheiratung steht, aber beste Freundin geblieben ist, versucht John (John C. Reilly) seine Single-Tristesse hinter sich zu lassen. Zur eigenen Überraschung zeigt Partygast Molly (Marisa Tomei) Interesse an dem Mann, der nur mit inneren Werten beeindrucken kann. Eine heiße Nacht später wittert John eine Chance für die Liebe, muss aber erkennen, dass im Herzen von Molly bereits ein mächtiger Brummer parkt. Cyrus (Jonah Hill), ihr nicht nur übergewichtiger, sondern auch überanhänglicher Sohn, ist erwachsen, knuddelt aber noch und duscht sogar mit Mami, sodass der neue Mann in ihrem Leben seinen Augen kaum trauen kann.
Mit dem Inzestuösen spielt der Film nur, dringt nie in Bereiche vor, die etwa David O'Russells Komödie "Spanking the Monkey" auslotete. Doch das Intrigante baut er komödiantisch aus, wenn der anfangs freundliche Cyrus als psychischer Simulant sein Revier gegen den Eindringling verteidigt. Natürlich ist Mollys Naivität vom Skript nie ausreichend begründet und Tomei zu attraktiv, um als glaubwürdige romantische Option für die knuffige Promenadenmischung Reilly durchgehen zu können, selbst wenn man beide als Beziehungsnotstandsgebiete betrachtet. Trotzdem funktioniert der Film als süße unsentimentale Lovestory, weil die kleinen Unsicherheiten gerade von Reilly perfekt intoniert werden und sich ein drolliger Charme entwickelt, der sich auch auf das Männer-Duell überträgt. Es sind leise komische Rivalen, die "Cyrus - Meine Freundin, ihr Sohn und ich" letztlich präsentiert. Denn diese sympathische und versöhnliche Komödie will Herzen nicht vergiften, sondern sie erreichen. Und das gelingt ihr. kob.