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Das Experiment

Packender Psychothriller mit großartiger Besetzung über eine für ein Experiment nachgestellte Gefängnissituation, die in einer Katastrophe endet.


ohne Abbildung

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Originaltitel: Das Experiment

Thriller

Deutschland 2001
FSK: ab 12

Moritz Bleibtreu
Christian Berkel
Edgar Selge

Regie: Oliver Hirschbiegel
Katholisches Filmwerk

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Mit dem bisweilen unerträglich spannenden, mit eiskalter Präzision realisierten Psychothriller "Das Experiment" legt TV-Routinier Oliver Hirschbiegel ein elektrisierendes Kinodebüt vor, an dem sich einheimische Produktionen künftig messen werden lassen müssen: Basierend auf Mario Giordanos Roman "Black Box", der das berühmt-berüchtigte Stanford-Experiment der frühen siebziger Jahre dramatisiert, erzählt Hirschbiegel die Geschichte eines auf 14 Tage angelegten Verhaltensexperiments mit 20 willkürlich ausgewählten Männern, das nach nur zwei Tagen aus dem Ruder zu laufen beginnt und in eine Katastrophe mündet - ein Film mit überragender Ensembleleistung, der bis zur letzten Konsequenz kompromisslos bleibt und den Ursachen von Gewalt unbeirrbar auf den Nerv fühlt, wie schon lange kein Film mehr. Will man Referenzpunkten aus der Filmgeschichte nennen, man sieht sich genötigt, Pasolinis "Die 120 Tage von Sodom" und Romeros "Zombie" ins Feld zu führen. Nicht weil sie unmittelbare Ähnlichkeiten mit Hirschbiegels emotionaler Tour de Force in das Trümmerfeld menschliche Seele hätten. Vielmehr haben die drei Filme bei der Ergründung des Verhaltens von Menschen in Extremsituationen eine fast spürbare Intensität und Anspannung, eine Bereitschaft, bei der Darstellung ihres Sujets bis zum Äußersten zu gehen, gemein. Wo sich Pasolini der Bestie Mensch allerdings mit einer Metapher über den Faschismus nähert und Romero die Mittel eines überdrastischen Splatterspektakels nützt, hält sich Hirschbiegel ans Regelwerk eines Thrillers. Wenn sich die Spannung im letzten Drittel ins Unerträgliche zuspitzt, weil man weiß, dass die noch wenige Tage zuvor ganz normalen Menschen längst zu allem fähig sind, dann dienen die Genreparameter als Rettungsanker, um von der finalen Welle der Gewalt nicht geschluckt zu werden. Per Zeitungsannonce werden 20 Männer gesucht, die bereit sind, an einem zweiwöchigen Experiment teilzunehmen. Es handelt sich um eine simulierte Gefängnissituation, die ständig von Videokameras und einem Team von Wissenschaftlern kontrolliert wird: Acht der Männer werden als Wärter eingeteilt, zwölf als Gefangene, gewandet lediglich in einen sackartigen Überwurf, reduziert auf eine Nummer. Die einzige Vorgabe für die Wärter ist es, für die Einhaltung der Regeln zu sorgen - ohne Einsatz körperlicher Gewalt. Unter den Gefangenen ist der Taxifahrer Tarek (Bleibtreu in einer Rolle, die ihn mühelos als mutigsten Schauspieler seiner Altersklasse etabliert), der allerdings nicht mit offenen Karten spielt: Tatsächlich sieht er in dem Experiment die Gelegenheit, wieder als Journalist Fuß zu fassen. Im Dienste seiner Story agiert er von Beginn an als Agent provocateur, benimmt sich renitent und widersetzt sich allen Befehlen. Die Wärter, wie die Gefangenen eine bunt zusammengewürfelte Truppe, sind überfordert und sehen sich nur mit Sanktionen in der Lage, die Situation zu kontrollieren. Wie sich schließlich mit zwingender Logik Gewalt Bahn bricht, ist absolut hypnotisch. Wenn sich die Situation von verbaler Härte über Psychofolter und Erniedrigung zum Krieg mit allen gegebenen Mitteln, in dem es schließlich nur noch ums nackte Überleben geht, steigert, kann man die Augen nicht von dem Film nehmen - auch weil man weiß, dass man wohl auch selbst zu den Untaten fähig ist, die sich mit bisweilen drastischer Deutlichkeit auf der Leinwand abspielen. Hirschbiegel ist sich seiner Verantwortung als Filmemacher in dieser beklemmenden Psychostudie bewusst - wie auch der Ironie, dass er als Regisseur eine ähnliche Rolle einnimmt wie die Wissenschaftler beim Experiment. In diesem doppelbödigen Konstrukt über die erschreckend dünne Schutzwand der Zivilisiertheit alle Fäden in der Hand zu halten, ist eine große Aufgabe. Der Filmemacher bewältigt sie souverän. Ohne Fehlschritt eilt er von einer packenden Szene zur nächsten: Wenn Bleibtreu schließlich von seinen Peinigern in eine eigentlich nur zur Drohung aufgestellten schwarzen Kiste eingesperrt wird und sich im Dunkel mit steigender Panik freikämpfen muss, ist der Gipfel erreicht. Ein wahnsinniger Moment. Obwohl die Handlung zwangsläufig auf einen Handlungsort beschränkt ist - eine gewisse Klaustrophobie ist spannungsfördernd - wirkt das Martyrium der zwölf Gefangenen dank eines genialen Kniffes nie eingeengt oder monoton. In der Nacht vor Beginn des Experiments hat Bleibtreu eine fast beiläufige Affäre mit einer selbstmordgefährdeten Frau, die in sein Taxi gefahren ist. Wenn seine Gedanken in stillen Augenblicken in der Zelle zur Erinnerung an sie abschweifen, öffnet sich der Film auf wundersame Weise. Tatsächlich erhält Hirschbiegel so eine wunderbare Balance aus Realität und Fantasie, die die harten Tatsachen des Überlebenskampfes nur noch extremer erscheinen lassen. Schließlich darf die fabelhafte Besetzung, aus der neben Bleibtreu stellvertretend Christian Berkel als enigmatischer Zellengenosse und Justus von Dohnanyi als Wärter im Machtrausch genannt werden sollen, nicht unerwähnt bleiben. Ein Film aus einem Guss, der den Zuschauer mit der gleichen vollen Wucht trifft, mit der Maren Eggert in Moritz Bleibtreus Taxi donnert. Unvergesslich. ts.

Experiment

Regie:  Oliver Hirschbiegel  
Buch:  Mario Giordano  
  Christoph Darnstädt  
  Don Bohlinger  
Musik:  Alexander Bubenheim  
Kamera:  Rainer Klausmann  
Produzent:  Norbert Preuss  
  Marc Conrad  
  Friedrich Wildfeuer  
 
Darsteller:  Moritz Bleibtreu   als Tarek Fahd
  Christian Berkel   als Steinhoff
  Edgar Selge   als Professor Thon
  Andrea Sawatzki   als Dr. Jutta Grimm
  Maren Eggert   als Dora
  Justus von Dohnanyi   als Berus
  Timo Dierkes   als Eckert
  Nicki von Tempelhoff   als Kamps
  Antoine Monot, Jr.   als Bosch
  Oliver Stokowski   als Schütte
  Wotan Wilke Möhring   als Joe
  Philipp Hochmair   als Lars
  Lars Gärtner   als Renzel
  Markus Klauk   als Stock
  André Jung   als Ziegler
  Jacek Klimontko   als Gläser
  Ralph Püttmann   als Amandy

Paltrow und Spielberg mit Big-Brother-Film?

Lydija beklagt sich bei Frank, dass Franzi hinter ihrem Rücken lästert. Seit Lydija auf Thommys Geburtstagsfeier mit Mark geknutscht hat, ist Franzi nicht mehr besonders gut auf sie zu sprechen. Lisa ist mit der ganzen Sachen auch nicht glücklich: der alltägliche Wahnsinn.

Sie braucht es: Die tägliche Dosis TV-Berieselung à la Big Brother (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

Sie braucht es: Die tägliche Dosis TV-Berieselung à la Big Brother (Foto: Kurt Krieger)

Oskarpreisträgerin Gwyneth Paltrow ("Shakespeare in Love") gibt ihre Obsession offen zu: Sie liebt "Big Brother", die Reality-Show um altkluge Couch-Potatoes und intrigante Badenixen. Gemeinsam mit Ehemann Chris Martin, Sänger der britischen Gruppe "Coldplay", genießt die 31-Jährige ihre tägliche Dosis normalen Lebens in der Flimmerkiste.

Wahre Spannung, echte Gefühle und lockere Situationskomik: Für Gwyn alles Gründe, aus dem TV-Format einen Film für die große Leinwand zu machen. Mit ihr als Star und mit ihrem Patenonkel Steven Spielberg als Regisseur.

Real-Satire oder Hollywood-Klamauk

Vielleicht erschaffen sie ja ein vielschichtiges und sozialkritisches Doku-Pic, das die menschliche Psyche ausleuchtet und die Zeit vor und nach den 15-Minuten-Ruhm zeigt. Oder es kommt eine nette Realsatire dabei heraus, die weniger die TV-Protagonisten auf die Schippe nimmt, sondern vor allem die Macher hinter den Kulissen kritisch begleitet.

Entstehen könnte eine Mischung aus "Die Truman Show", "Das Experiment" und "Die Körperfresser kommen". Alles, bloß kein Blödel-Klamauk. Aber, nichts Genaues weiß man nicht. Gwyneth Paltrow hat sich auf jedenfall schon mal die passende Begleitlektüre besorgt: Die Krimi-Geschichte "Tödlicher Ruhm" des britischen Comedians Ben Elton, der das Phänomen der Reality-Shows gekonnt parodiert.

 

Das Experiment in der Fotoshow

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Features

 

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Moritz Bleibtreu

Berühmt wurde er als Killer mit Sprachproblemen und der beinahe legendären Textzeile "Soll isch Dir Dein Hirn pusten?".

 

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Christian Berkel

Vom Fernsehbösewicht zum international gefragten Schauspieler hat sich Christian Berkel in Charakterrollen mit ausgeprägter Bandbreite ...