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Das fliegende Klassenzimmer

Frische Neuverfilmung des Kinderbuchklassikers von Erich Kästner über den widerspenstigen Schüler Jonathan und seine Internats-Abenteuer.


Das fliegende Klassenzimmer

Leihvideo

Erhältlich seit:
04.09.2003

Originaltitel: Das fliegende Klassenzimmer

Kinderfilm/ Komödie

Deutschland 2002
Laufzeit: 109 Min.
FSK: o.A. (ohne Altersbeschränkung)

Ulrich Noethen
Sebastian Koch
Piet Klocke

Regie: Tomy Wigand
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Mit phantastischen Darstellern präsentiert Tomy Wigand eine erfrischende Neuinterpretation von Erich Kästners großem Kinderbuch-Klassiker.

<br />Der beliebte Internatsleiter

<br />Der beliebte Internatsleiter

Es gab Zeiten, da hieß es, die Deutschen könnten "nur" erfolgreiche Komödien machen. Doch inzwischen haben unsere Regisseure ein weiteres Genre für sich entdeckt und zu Blockbuster-Reife geführt - den Kinderfilm.

Ob Animationsabenteuer wie "Der kleine Eisbär", Kinderbuchadaptionen wie "Das Sams" oder verfilmte Hörspiele wie "Bibi Blocksberg" - allesamt erreichten sie ein Millionenpublikum. Der Boom mit Werken für unseren Nachwuchs lässt sich außerdem an zwei Namen festmachen: Erich Kästner und Ulrich Noethen.

Während Ersterer für die Vorlagen einer ganzen Reihe von Remakes wie Franziska Buchs "Emil und die Detektive" oder Caroline Links "Pünktchen und Anton" verantwortlich zeichnet, hat sich Letzterer mit unwiderstehlichen Auftritten als Herr Taschenbier in "Das Sams" und als Bernhard Blocksberg im gleichnamigen Hexenspaß in beinahe jedes deutsche Kinderherz gespielt.

Mit "Das fliegende Klassenzimmer" treffen nun die beiden Künstler, die den deutschen Kinderfilm in den letzten Jahren entscheidend geprägt haben, aufeinander.

Der große Literat Kästner lieferte die Roman-Vorlage, und Noethen gibt in Tomy Wigands Neuverfilmung die zentrale Lehrerfigur des Dr. Justus Bökh, den Liebling aller Schüler des Thomaner-Internats in Leipzig. Und er tut dies so unaufdringlich-zurückhaltend und dennoch stets präsent, wie es dieser Charakter von ihm verlangt.

Dabei überlässt er großzügig das Feld den eigentlichen Hauptdarstellern, den jungen Pennälern: Da ist zum Beispiel Jonathan (Hauke Diekamp), der schon aus acht Schulen geflogen ist, aber bei den Thomanern wider Erwarten schnell Anschluss findet.

Der Professor findet Sondermüll im Papierkorb gar nicht komisch

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Oder Kreuzkamm Junior (François Göske), der sich mit seinem Vater (höchst überzeugend: Komiker Piet Klocke mit seinem Leinwand- Debüt) - zufällig Direktor des Internats - herrlich gewitzte Rededuelle liefert. Oder auch der kleine Uli (Hans Broich Wuttke), den mangelndes Selbstbewusstsein zu einer beinahe selbstmörderischen Mutprobe verleitet.

Aber nicht nur die von herausragenden Jungmimen verkörperten Rollen machen dieses "fliegende Klassenzimmer" besonders sehenswert. Der rätselhaft-legendäre "Nichtraucher" Eisenbahn-Waggon, ein Theaterstück, das alte Wunden wieder aufreißt, oder auch die unvermeidliche Schneeballschlacht mit den verhassten Externen zeigen, dass hier das Unmögliche möglich gemacht wurde - nämlich den Spagat, einen Stoff zu modernisieren, ohne dessen Geist zu manipulieren.

Das fliegende Klassenzimmer

Auch mit der dritten Kästner-Adaption nach "Emil und die Detektive" und "Pünktchen und Anton" gelingt es dem Produzentenduo Reich/Zenk einen beliebten und bekannten Jugendroman des Literaten in die heutige Zeit zu transformieren, ohne den Charme des Originals zu zerstören.

Tommy Wiegand, der mit "Fußball ist unser Leben" im Jahr 2000 sein Kinodebüt gab, kriegt es hin, Kinder und Erwachsene gleichermaßen zu begeistern, wenn er den etwas zerfahrenen Lehrer und Chorleiter Justus Bökh und die Jungs vom berühmten Thomanerchor einige turbulente Abenteuer bestehen lässt, bis sie in die Weihnachtsferien fahren dürfen. In Tempo und Fantasie kann er es locker mit der Kurt Hoffmann-Verfilmung von 1954 aufnehmen. Für Kids bieten die fünf Freunde Identifikationsmöglichkeiten: Jonathan, der aus acht Internaten rausgeflogen ist und sich trotz anfänglicher Skepsis bei den Thomanern in Leipzig so richtig wohlfühlt, Martin, der lange nachdenkt, bevor er handelt, Uli, ein schmächtiges Kerlchen, das irgendwann keine Mädchenrollen mehr spielen will und eine gefährliche Mutprobe wagt, Kreuzkamm, der experimentierfreudige Sohn des skurrilen Direktors (Piet Klocke urkomisch) und der stets etwas in sich hineinfutternde gutmütige Matz. Nicht zu vergessen den süßen und namenlosen Strubbel-Hund, den Jonathan verbotenerweise ins Internat schmuggelt. Das Quintett trifft sich gerne zum Abhängen in einem alten Eisenbahnwaggon und entdeckt dort das auf vergilbte Blätter hingekritzelte Theaterstück "Das fliegende Klassenzimmer", was sie zu Weihnachten als coole Spaceoper à la Raumschiff Enterprise aufführen wollen. Aber alle Pläne gehen den Bach runter. Erst einmal jedenfalls. Behutsam wurde der Stoff modernisiert und in Leipzig lokalisiert. Da haben sich Justus Bökh (Ulrich Noethen nach Herr Taschenbier in "Das Sams" und "Bibi Blocksberg"-Vater erneut in der Welt des Kinderfilms) und der "Nichtraucher" lange nicht gesehen, weil letzterer vor der Wende in den Westen ging und erst nach Jahren wieder auftaucht, eben in diesem Eisenbahnwaggon - Relikt aus der einstigen Freundschaft mit Justus. Das Internat ist nicht mehr nur Tummelplatz für reiche Sprösslinge, sondern auch Jungen aus weniger betuchtem Elternhaus dürfen durch Stipendium im Thomanerchor die Stimmbänder strapazieren. Heftige Keilerei zwischen Internen und Externen amüsieren noch knapp 70 Jahre nach Erscheinen des Buches und der Rap (statt Lyrik) bei den Proben zum "Fliegenden Klassenzimmer" sollte jeden davon überzeugen, dass es sich hier nicht um eine gediegene, traditionelle Literaturverfilmung handelt, sondern um lebendiges Familienkino für Leute von Heute. Wenn's am Ende friedlich weihnachtet, der alte Kreuzkamm den Hund "adoptiert" und bei Jonathan die erste Liebe ausbricht, wird's dem kleinen und großen Zuschauer ganz warm ums Herz. Kinder- und Familienfilme sind "in", das bewiesen 2001 "Der kleine Eisbär", "Das Sams" und "Emil und die Detektive". Im Kielwasser von "Bibi Blocksberg" sollte auch "Das fliegende Klassenzimmer" fröhlich auf Erfolgskurs schwimmen und die Kinokassen (leider) erst nach Weihnachten klingeln lassen. Der eigentlich passendere Dezember-Start wäre unter der Wucht von "Herr der Ringe - Die zwei Türme" und "Harry Potter und die Kammer des Schreckens" wohl zu riskant gewesen. mk.

Darsteller:  Ulrich Noethen   als Dr. Justus Bökh
  Sebastian Koch   als Bob "Nichtraucher" Uthofft
  Piet Klocke   als Kreuzkamm senior
  Anja Kling   als Kathrin
  Hauke Diekamp   als Jonathan Trotz
  Philipp Peter-Arnolds   als Martin Thaler
  Frederick Lau   als Matz Selbmann
  Hans Broich-Wuttke   als Uli von Simmern
  François Goeske   als Kreuzkamm junior
  Theresa Vilsmaier   als Mona
 
Regie:  Tomy Wigand  
Buch:  Henriette Piper  
  Hermine Kunka  
Musik:  Niki Reiser  
  Moritz Freise  
  Biber Gullatz  
Kamera:  Peter von Haller  
Produzent:  Uschi Reich  
  Peter Zenk  
 

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