
Für seine Rolle in "The Sixth Sense" für einen Oscar nominiert, kann Haley Joel Osment in dem emotionsreichen Inspirationsdrama locker mit den beiden Oscar-Gewinnern Kevin Spacey ("American Beauty") und Helen Hunt ("Besser geht's nicht") mithalten. "Pay It Forward" basiert auf dem Roman von Catherine Ryan Hyde, der das Schicksal eines elfjährigen Jungen schildert, der mit einer altruistischen Bewegung die Welt verändern möchte. Regisseurin Mimi Leder inszeniert nach "Projekt: Peacemaker" und ihrem Überraschungserfolg "Deep Impact" erstmals einen Nicht-Actionfilm, in dem sie engagiert unbequeme Themen wie Misshandlung, Obdachlosigkeit und Alkohol- und Drogenabhänigkeit aufgreift.
Am ersten Schultag lernt Siebtklässler Trevor McKinney (Osment) den Sozialkundelehrer Eugene Simonet (Spacey) kennen, der im Verlauf der Handlung das Leben des Jungen verändern wird. Der von Brandnarben im Gesicht entstellte Simonet gibt seiner Klasse die Aufgabe, sich etwas einfallen zu lassen, das die Welt verändern wird und das Konzept auch umzumsetzen. Trevor kommt auf die Idee, drei gute Taten zu tun, mit denen die Schicksale der Menschen verändert werden sollen, die als Bezahlung wiederum drei anderen Menschen selbstlose Hilfe anbieten sollen und somit das Äquivalent einer Kettenbriefaktion in Bewegung zu setzen. Zunächst beschließt Trevor, einem obdachlosen Drogenabhängigen (Jim Caviezel aus "Frequency") auf die Füße zu helfen, indem er ihn zu sich nach Hause einlädt. Seine hart arbeitende Mutter Arlene (Hunt mit Mut zu abgetakelter Hässlichkeit) kämpft mit Alkoholproblemen und zeigt sich entsetzt. Sie marschiert schnurstraks zu Simonet, womit disziplinierte Bildung und laute Vulgärität mit ungeahnten Folgen aufeinandertreffen. Trevor beschließt nicht ganz uneigennützig (er sehnt sich nach einem Vaterersatz), die beiden zu verkuppeln, was nach anfänglichen Schwierigkeiten (Simonets schreckliche äußerliche Narben sind auch innerlich vorhanden) auch gelingt. Nach kurzlebiger Idylle taucht jedoch Trevors gewalttätiger Vater (Jon Bon Jovi) wieder auf und macht die erblühende Romanze zunichte. Als dritte Person seines "Pay It Forward"-Konzepts wählt Trevor einen getriezten Schulkameraden aus, was unvorhersehbare Folgen hat.
In bester Hollywoodmanier eines Spielberg oder Zemeckis scheut sich Mimi Leder nicht, die Emotionen der Zuschauer in ihrem bisweilen etwas zu betont ambitionierten Melodram zu manipulieren und muss sich deshalb auch den Vorwurf der Kalkulation gefallen lassen. Gleichzeitig beherrscht die ehemalige "E.R."-Regisseurin ihr Handwerk aber auch perfekt, so dass man sich gerne auf diesen kleinen Bruder von "American Beauty" einlässt, zumal die gewohnt hervorragenden Leistungen der Schauspieler manche allzu saccharine Wendung mühelos wieder ausgleichen. So ist "Pay It Forward" zwar kein Meisterwerk geworden, das sich Oscar-Hoffnungen machen darf, aber doch ein allemal gelungenes Kinostück der Emotionen, unter dessen gut geölter Oberfläche es kräftig brodelt. Das sollte vom Publikum mit gefälligem Zuspruch im voraus gezahlt werden. ara.