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Das Imperium der Wölfe

Im Stil von "Die purpurnen Flüsse" inszenierter Thriller über drei Frauenmorde, zwei Cops und eine gefährliche Terrororganisation.


Das Imperium der Wölfe

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Erhältlich seit:
08.03.2006

Originaltitel: L' empire des loups

Thriller

Frankreich 2005
Laufzeit: 123 Min.
FSK: ab 16

Jean Reno
Arly Jover
Jocelyn Quivrin

Regie: Chris Nahon
Universum Film

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Nach "Die purpurnen Flüsse" spornt eine mysteriöse Mordserie in Paris Kino-Ikone Jean Reno erneut zu Höchstleistungen an.

Jean-Louis Schiffer quittiert sein Zigeunerleben, um bei der Aufklärung einer Verbrechensserie zu helfen (Foto: Tobis) Großansicht

Jean-Louis Schiffer quittiert sein Zigeunerleben, um bei der Aufklärung einer Verbrechensserie zu helfen (Foto: Tobis)

Schon seit langem ist das französische Genrekino eine echte Konkurrenz für Hollywood, das auf eigenem Terrain vermehrt die Waffen strecken muss. Ob Fantasy ("Pakt der Wölfe"), Action ("Wespennest"), oder Thriller ("Die purpurnen Flüsse") - das Publikum entscheidet sich immer öfter für den "Film français". Besonders, wenn Urgestein Jean Reno die Leinwand stürmt. Von seinem Charisma können so manche großen Stars aus Übersee nur träumen. Erst recht, wenn sein Talent sich mit der Vision des momentan besten und abgründigsten Mystery-Autors vereint.

Jean-Christophe Grangé gilt seit dem durchschlagenden Erfolg von "Die purpurnen Flüsse" als einer der heißesten Vorlagen-Lieferanten, seine Welten sind Entwürfe einer betörend gefährlichen Phantasie, immer dicht an der Realität. Und diesmal spielt er mit der Angst vor dem Verlust der eigenen Identität, die in jedem von uns steckt.

Paris bei Nacht und Nebel ist ein düsterer Ort der Unterwelt (Foto: Tobis) Großansicht

Paris bei Nacht und Nebel ist ein düsterer Ort der Unterwelt (Foto: Tobis)

Keine Liebe mehr

Drei rothaarige Frauen wurden auf bestialische Weise in Paris ermordet. Die Stadt der Liebe ist nicht wiederzuerkennen, als der frisch gebackene Kommissar Paul Nerteaux (Jocelyn Quivrin) wieder eine grausam verstümmelte Frauenleiche aus den Abwasserkanälen zieht. In Sentier, dem Türkenviertel, wo illegale Einwanderer als Sklaven verkauft werden und die Gewalt explodiert, lässt man sich als Anfänger lieber nicht blicken.

Also bittet Nerteaux den ehemaligen Kollegen Schiffer (Jean Reno) um Hilfe. Der Ex-Cop kennt das Viertel besser als jeder Sozialarbeiter. Zunächst deutet alles darauf hin, dass sich ein grausamer Ritualmörder die Seine-Metropole für seine Schandtaten ausgesucht hat. Aber dann kommen Schiffer Zweifel. Denn die blutigen Spuren führen ins Milieu der türkischen Mafia: Die grauen Wölfe, eine Rotte rechtsradikaler Nationalisten, deren brutale Organisation wichtige Zentren der Stadt kontrolliert und sie im Würgegriff hält.

Diagnose Amnesie - wie kann Anna ihr Gedächtnis wiedererlangen? (Foto: Tobis) Großansicht

Diagnose Amnesie - wie kann Anna ihr Gedächtnis wiedererlangen? (Foto: Tobis)

Erinnerung unerwünscht

Das muss auch Politikergattin Anna Heymes (Arly Jover) erfahren, die in den Kreisen der schicken Pariser Oberschicht verkehrt. Sie hat panische Angst, erkennt plötzlich ihren Mann nicht mehr. Diagnose der Spezialisten: akuter Gedächtnisverlust. Doch als sie auf eigene Faust, gegen den Willen ihres Mannes, ihre Amnesie überwinden will, gelangt sie zu einer furchtbaren Erkenntnis - und wird immer tiefer in den Sog des organisierten Verbrechens gezogen.

Regisseur Chris Nahon, fulminant und energiegeladen wie schon in "Kiss of the Dragon", schockt mit Hochspannung in unvergesslichen Bildfluten. Was in diesem mysteriösen Actionthriller aber noch mehr unter die Haut geht, sind die Fragen, die er aufwirft: Was passiert, wenn ein anderer die totale Kontrolle über dein Gedächtnis erlangt? Sehen Sie selbst...

Das Imperium der Wölfe

Loyal gegenüber dem Erfolgsrezept von "Die purpurnen Flüsse" ist auch die neueste Verfilmung eines Romans des Franzosen Jean-Christophe Grangé konzipiert. Zwei Cops, unterschiedlich in Generation und Charakter, ermitteln in brutalen Mordfällen, die auf Aktivitäten eines Geheimbundes verweisen. Ob sich die Parallelen neben der düsteren Atmosphäre und Hauptdarsteller Jean Reno auch im Einspielergebnis fortsetzen, korreliert direkt mit der Toleranz des Zuschauers, stilistische Kompetenz und Spaß am Genre über die Reaktion auf ein Drehbuchlabyrinth zu stellen, aus dem man wohl nur mit dem Instinkt von Wölfen einen Ausgang findet.

Selbst im Produktionsland Frankreich blieb dieser aufwändige Euro-Thriller, der beim Fantasy Filmfest deutsche Premiere feiern wird, hinter den Erwartungen zurück. Dabei bietet das hier beleuchtete Geheimbundmilieu ungleich mehr Brisanz als die alpinen Genverbrecher und Jesus-Fanatiker aus Grangés Vorgängerfilmen. Die "Grauen Wölfe", die auch in Deutschland operierende rechtsradikale türkische Terrororganisation, bleiben jedoch im Drehbuch nur skizzenhaft, sind eine ernst zu nehmende, weil authentische Bedrohung, über deren Organisationsstruktur und Ziele man im Buchhandel zwangsläufig mehr erfährt als hier. Lange Zeit konsequent begleitet das Skript zwei dominante Handlungsstränge, die im Verlauf des Plots zusammengeführt werden. Der eine verfolgt die Ermittlungen des jungen Cops Nerteaux (Newcomer Jocelyn Quivrin) und des zwangspensionierten korrupten Ex-Bullen Schiffer (Reno), die drei extrem brutale Morde im Pariser Türkenviertel aufzuklären versuchen. Der andere Strang beobachtet die traumatische Identitätssuche der wohlhabenden Beamtenfrau Anna (Arly Jover), die durch mentale Irritationen, durch unerklärliche Gedächtnisverluste erkennt, das sie früher ein anderes Leben mit einer anderen Identität geführt hat.

Regisseur Chris Nahon ("Kiss of the Dragon") gelingen einige gute Suspensemomente, bis Anna als ehemaliger Drogenkurier der Wölfe enttarnt wird, die nun auf deren Abschussliste steht. Warum der Superkiller der Organisation sein Ziel mehrfach verfehlt (worauf die drei Frauenmorde verweisen), ist trotz der vom Skript angeführten Gesichtskosmetik Annas angesichts heutiger DNA-Testverfahren rätselhaft. Viel verwirrender aber ist Jean Renos Rolle, der anfangs den brutalen alten Wolf gibt, dann aber in seinen Loyalitäten und Zielen changiert wie ein Chamäleon. Insgesamt überzeugt der Cop-Strang mit seinen nebulösen Verstrickungen mit der Sicherheitspolitik weniger als die Entwicklungsreise der Protagonistin, die mit Hilfe einer Therapeutin ihre Vergangenheit entschlüsselt und schließlich Rache nimmt. Das Finale, aufgenommen an spektakulären Originalschauplätzen in Anatolien, führt alle Beteiligten wieder zusammen, ohne dass sie es ahnten und wir es verstünden. Zu diesem Zeitpunkt hat das "Imperium" das Zuschauerhirn schon so durch den Wolf gedreht, dass der Spaß an diesem visuell durchaus ansprechenden, nicht übertrieben grausamen Thriller wohl nur dann durchgehend gewährleistet bleibt, wenn man selbiges nicht zu sehr anstrengt. kob.

Darsteller:  Jean Reno   als Jean-Louis Schiffer
  Arly Jover   als Anna Heymes
  Jocelyn Quivrin   als Paul Nerteaux
  Laura Morante   als Mathilde Urano
  Philippe Bas   als Laurent
  David Kammenos   als Azer Zeki
  Didier Sauvegrain   als Prof. Dr. Ackerman
  Patrick Floersheim   als Charlier
  Etienne Chicot   als Amien
  Vernon Dobtcheff   als Kudseyl
  Jean-Pierre Martins   als Professor Ravi
  Jean-Marc Huber   als Gurdilek
  Vincent Grass   als Malek Djessur
  Gérard Touratier   als Gruss
 
Regie:  Chris Nahon  
Buch:  Chris Nahon  
  Christian Clavier  
  Franck Ollivier  
Kamera:  Michel Abramowicz  
Produzent:  Patrice Ledoux  
 

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