
Smartes Gerichtsdrama mit subtiler Thrillerspannung über ein (Fern-)Duell von Staatsanwalt Ryan Gosling mit Mörder Anthony Hopkins, dem seine Tat in dem modernen Film Noir nicht nachgewiesen werden kann.
Wie in seinem Erfolg "Zwielicht" von 1996 vereint Gregory Hoblit einen Alt- und Jungstar vor Gericht, um eine Moralstudie anzuzetteln; nur steht diesmal die Schuld des Angeklagten von vorneherein fest. Ein Verbrechen aus Leidenschaft, eiskalt geplant und vollstreckt, begeht der schwerreiche Ingenieur Ted Crawford (Hopkins), als er die Affäre seiner halb so alten Frau Jennifer (Embeth Davidtz) entdeckt. Er schießt ihr aus kurzer Distanz in den Kopf, täuscht der anrückenden Polizei eine Geiselnahme vor und gestattet nur Detective Rob Nunally (Billy Burke) in seine Villa einzutreten. Ein Schock für Nunally - er ist Jennifers Lover, ohne deren Namen oder Wohnort zu kennen. Sein Schmerz wird leider kaum erfahrbar, ähnlich wie Hoblit zunächst keine Notiz vom im Koma liegenden Opfer nimmt.
Nunally verhaftet den geständigen Crawford. Doch das ist nur der Anfang von dessen Racheplan. Die scheinbar wasserdichte Anklage übernimmt als lästigen letzten Pflichtfall vor dem großen Karrieresprung, der ihn auch ins Schlafzimmer von Anwältin Nikki Gardner (Rosamund Pike) führt, Willy Beachum (Gosling als cleverer Karrierist). Er unterschätzt den sich selbst verteidigenden Crawford fahrlässig und ist zu abgelenkt, um die Fallen zu erkennen, in die er blind tappt. Der Moment, als ihn Crawford mit der Offenlegung des Verhältnisses von Hauptzeuge Nunally blamiert, ist von amüsanter Häme. Da sich obendrein partout keine Mordwaffe finden lässt, zieht sein Chef (nüchtern: David Strathairn) ihn vom Fall ab, was zu humorvollen Pointen führt und Beachums Ehrgefühl verletzt. Nur zu gerne möchte er den Spieß umdrehen und setzt damit Karriere und Liebschaft aufs Spiel. Da bietet ihm Nunally gefälschte Beweise an - die einzige Möglichkeit, den Mörder zu belangen.
Ein CSI-Team hätte den Fall womöglich im Handumdrehen gelöst. Hier dient die durchaus glaubwürdige Konstruktion, frei nach Hitchcock, als eine Reflexion über Karriere, Rache, Macht und Moral. Eingebettet ist das Ganze in eine trügerisch-glatte Noir-Oberfläche. Vorgelagert ist ein famoses Katz-und-Maus-Spiel zwischen Hopkins und Gosling, das selten vor Gericht und zumeist als Fernduell stattfindet. Hopkins Auftritte sind dabei ein wahres Spektakel; sein charmant-intelligenter Soziopath erinnert nicht von ungefähr an seinen Part als Hannibal Lecter. Aber auch Gosling braucht sich nicht zu verstecken, er hat die nötige Ausstrahlung und Fähigkeit. Symbol für Crawfords vertrackten Mordplan, aber auch sein Scheitern, ist eine kunstvolle Apparatur, die Rube-Goldberg-Maschine, in der Glasmurmeln durch ein kompliziertes Labyrinth aus Messingrollbahnen laufen. Ein mondäner Stoff fast wie von David Mamet, der sein seriöses Konzept nicht an sensationslüsterne Effekte verkauft und so mit anspruchsvollem Kino alter Schule überzeugt. tk.