DVD Kaufvideo

Das Trio

Bizarres, melancholisches Roadmovie um die Beziehungsnöte eines ungewöhnlichen Diebestrios.


Das Trio

Kaufvideo

Erhältlich seit:
20.09.2001

Originaltitel: Das Trio

Komödie

Deutschland 1997
Laufzeit: 97 Min.
FSK: ab 12

Götz George
Christian Redl
Jeanette Hain

Regie: Hermine Huntgeburth
Warner Home Video Germany

Bild 1 von 14

Filmbewertung


(0 Bewertungen)
Die Ausstattung

Die Technik

Haben Sie den Film schon gesehen?

Jetzt bewerten!


 
Das Trio

Der schwule Zobel, Freund Karl und dessen Tochter Lizzi leben im Wohnmobil. Ihr Metier ist der Taschendiebstahl. Als Karl von dem jungen Konkurrenten Rudolf bestohlen wird, kommt es zum Zerwürfnis zwischen den Liebespartnern. Wenig später wird der unachtsame Karl bei einem Verkehrsunfall tödlich verletzt. Da Taschendiebstähle aber nur zu dritt richtig klappen, überzeugt Lizzi den attraktiven Rudolf, mit ihr und Zobel auf Tour zu gehen. Schon bald weckt Rudolf nicht nur bei Lizzi, sondern auch bei Zobel unkontrollierbare Gefühle...

Ungewöhnliches aus deutschen Landen: Ein ironisches Roadmovie mit skurrilen Underdog-Figuren und glänzenden, lakonisch-trockenen Dialogen. Götz George erweist sich in der Rolle des charismatischen Kraftpakets Zobel einmal mehr als erstklassiger Charakterdarsteller, und Neuentdeckung Jeanette Hain ("Frau Rettich, die Czerni und ich") gibt als Lizzi eine sensationelle Vorstellung ab. Regisseurin Hermine Huntgeburth hat einen kleinen, sympathischen Film mit anarchistischem Witz inszeniert.

Das Trio

Götz George in einem Kinofilm - das verspricht immer einiges. Regisseurin Hermine Huntgeburth hat ihn in eine Rolle gesteckt, die man bisher von ihm noch nicht kannte, nämlich einen schwulen Taschendieb mit Lebensabschnittspartner und jugendlicher Tochter. Entstanden ist ein bizarres Roadmovie mit melancholischen und beziehungsdramatischen Untertönen. Und Georges flapsig-lakonischer Humor macht sich stimmungsvoll in dieser Geschichte einer besonderen Lebenskunst.

Wie Menschen miteinander umgehen, welche Rituale sie dabei befolgen oder durchbrechen - das hat Hermine Huntgeburth schon in ihren beiden vorhergehenden Filmen "Im Kreise der Lieben" (1991) und "Gefährliche Freundin" (1996) mit einer guten Dosis schwarzen Humors thematisiert. Und eine gewisse Vorliebe für Kleinkriminalität bis Mord sind auch in diesen zwei temperamentvollen, individualistischen Leinwand-Fabeln nicht zu übersehen. Auch "Das Trio" hat keinerlei Neigung zu Yuppie- oder Schickimicki-Ambiente, bezieht seine Story lieber aus den Randzonen der sozial Etablierten und Blasierten.

Es beginnt auf dem Rummelplatz, einem klassischen Suspense-Kino-Ort spätestens seit Fritz Langs "M" und Carol Reeds "Der dritte Mann". Ein jugendlicher Langfinger klaut im Gedränge vor einer Jahrmarktsbude eine Tasche. Die gehört Karl (Christian Redl), der wegen seiner Unaufmerksamkeit sofort von Zobel (Götz George) ziemlich gräßlich als alter Trottel beschimpft wird. Und Lizzi (Jeanette Hain, die phänomenalste Kino-Entdeckung des Jahres) behält den jungen Taschendieb tatkräftig im Visier, der schließlich von Zobel rabiat gestellt wird.

Das ist ein fulminanter Anfang, atmosphärisch glänzend unterstützt von Niki Reisers einladender Tingel-Tangel-Musik im Geiste Nino Rotas. Im weiteren Verlauf der Handlung erfahren wir mehr vom Familienalltag dieses Trios. Zobel und Karl haben eine lange und wie in fast jeder Ehe mehr oder weniger harmonische bis romantische Beziehung. Lizzi ist Zobels Tochter. Alle drei hausen in einem teilweise richtig plüschig eingerichteten Wohnmobil und ernähren sich unredlich von der Taschendieberei. Wobei Zobel als Familienoberhaupt agiert, das Geld zusammenhält und einteilt sowie die Arbeitseinsätze organisiert. Dabei ist die Rollenverteilung immer dieselbe: Zobel mimt den Blinden, Lizzi und Karl plündern behende die hilfsbereiten Passanten aus. Nicht immer klappt das reibungslos, und oft ist es Karl, der nicht perfekt funktioniert. Schließlich ereilt ihn durch seine Ungeschicklichkeit der Tod.

Dieser melodramatische Theater-Coup - man trauert im Suff und verbrennt Karls Kleidung samt Glitzerfummel - leitet über zur zweiten Hälfte des Films und zu einer neuen Geschichte, die eine Fortsetzung der alten mit anderen Mitteln und härteren, bürgerlichen Bandagen ist. Nach Karls Tod brauchen Vater und Tochter einen dritten Mann - und weisen Rudolf (Felix Eitner), den flinken Dieb vom Anfang des Films, in ihre genauen Diebstahlsrituale ein. Die Beziehungsrituale lassen nicht lange auf sich warten - sowohl Zobel als auch Lizzi sind erotisch, sexuell und romantisch an Rudolf interessiert. Und er an ihnen. Das führt zum existentiellen Vater-Tochter-Konflikt, aber auch zu einem ziemlich bürgerlichen Happy-End.

Es ist erfrischend, wie Hermine Huntgeburth mit dem filmischen Erzählen umgeht - Blicke, Gesten, Bilder, die Unausgesprochenes mitteilen (sehr physische Kamera: Martin Kukula), glänzend kurze, oft elliptisch gesetzte, ironisch brechende Dialoge. Das hat Witz und Anarcho-Stimmung, die im letzten Drittel des Films zwar etwas an Schwung verliert, aber nachklingt. Und Götz George spielt einen wunderbar normalen, vital-realen Schwulen. Applaus! fh.

Darsteller:  Götz George   als Zobel
  Christian Redl   als Karl
  Jeanette Hain   als Lizzy
  Felix Eitner   als Rudolf
  Angelika Bartsch   als Dorothee
  Uwe Rohde   als Motoradpolizist
  Ernst H. Hilbich   als Schaffner
  Tana Schanzara   als Wirtin
  Armin Rohde   als Horst
 
Regie:  Hermine Huntgeburth  
Buch:  Hermine Huntgeburth  
  Volker Einrauch  
  Horst J. Sczerba  
Musik:  Niki Reiser  
Kamera:  Martin Kukula  
Produzent:  Gabi Scheld  
  Laurens Straub  
  Paul Müller  
 

Fassungen

 

facebook

 

Features

 

Star

Götz George

Er ist ein kraftvoller Schauspieler und Draufgänger, der sich auflehnende Charaktere und Außenseiter ebenso beherrscht wie die ihm auf den Leib...

 

Star

Christian Redl

Gewalttäter oder Liebhaber - Charakterkopf Christian Redl kann beides gleichermaßen gut spielen. Der vorwiegend im Theater- und TV-Bereich...