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Dear Wendy

Kontroverses Drama über eine Gruppe von jungen Pazifisten, die sich leidenschaftlich in Schusswaffen verlieben.


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Erhältlich seit:
30.11.2008

Drama

Dänemark/Deutschland/Großbritannien/Frankreich 2004
Laufzeit: 100 Min.
FSK: unbekannt

Jamie Bell
Bill Pullman
Michael Angarano

Regie: Thomas Vinterberg
Universum Film

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Kontroverses Drama über eine Gruppe von jungen Pazifisten, die sich leidenschaftlich in Schusswaffen verlieben.

Krugsby und Dick (Foto: Legend Films (Neue Visionen)) Großansicht

Krugsby und Dick (Foto: Legend Films (Neue Visionen))

Dick (Jamie Bell), Stevie (Mark Webber), Susan (Alison Pill), Huey (Chris Owen) und Freddie (Michael Angarano) sind unsichere, aber sympathische Außenseiter. Ihr Leben in einer vergessenen Bergarbeitersiedlung ist ereignis- und farblos, bis sie den Club der "Dandies" gründen.

Hier entwickeln und pflegen sie eine Leidenschaft für Schusswaffen und blühen bei den rituellen Schießübungen sogar richtig auf. Doch müssen sie erfahren, dass ihr Vorsatz absoluter Gewaltlosigkeit bald nicht mehr einzuhalten ist.

Waffen sind für die "Dandies" das Größte (Foto: Legend Films (Neue Visionen)) Großansicht

Waffen sind für die "Dandies" das Größte (Foto: Legend Films (Neue Visionen))

Die Macht der Waffen

Mit den Mitteln satirischer Überzeichnung und dank talentierter Nachwuchsdarsteller konstruieren Lars von Trier, der das Buch schrieb, und Thomas Vinterberg, der die Regie übernahm, eine Geschichte über die unheilige Faszination Amerikas für Waffen. Deren psychologische Wirkung ist ein nachvollziehbares Hauptthema, auch wenn das letzte Filmdrittel so viele Rätsel aufgibt wie das Verhalten der Figuren.

Dear Wendy (DVD-Single)

Als dänisches Dynamit wertete die FSK die erste Kino-Zusammenarbeit von Lars von Trier und Thomas Vinterberg. Erst ab 18 Jahren freigegeben wurde die satirisch überzeichnete Geschichte jugendlicher Außenseiter, die ihr Ich durch eine obsessive Beziehung zu Schusswaffen aufwerten und ihre pazifistische Haltung am Ende blutig begraben. Diskussionsfutter für Fans von Thesenfilmen, die sich die Köpfe zerreden dürfen, ob die Munition des Films wirklich so explosiv ist, wie es die Reaktion darauf vermuten lässt.

Reflexionsfähigkeit ist zweifellos Voraussetzung, um mit "Dear Wendy" ein anregendes Kinodate zu haben, ist doch die Story spannungsärmer als die Themen, die Drehbuchautor von Trier in die Zuschauerpsyche hämmert. Ob allerdings der Jugend vor 35 Jahren mit Recht ein reflexiverer Verstand zugetraut wurde, als Kubricks provokant-brillantes Meisterwerk "Uhrwerk Orange" ab 16 Jahren in die Kinos kam, sei dahingestellt. Auch in "Dear Wendy" setzt sich von Trier kritisch mit Amerika auseinander, spricht wie Michael Moore die Paranoia, den Nährboden für Gewalt, an, vor allem aber die Faszination für Waffen, die satirisch auf die Spitze getrieben wird. Dick (Jamie Bell aus "Billy Elliot") ist der Erzähler dieses didaktischen Dramas. Adressat ist sein Revolver Wendy, der mehr Feuer in sich trägt, als eine Frau je haben könnte. Der schüchterne Sonderling ist Pazifist, verfällt aber in einem Leben langweiliger Bedeutungslosigkeit der Anziehungskraft von Schusswaffen. Zusammen mit Arbeitskollege Stevie gründet er die "Dandies", die ballistische Antwort auf "Der Club der toten Dichter". Mit dem Versprechen, die Waffen nie gegen Menschen zu richten, und einem diffusen Ehrenkodex, schart das Duo andere unsichere Underdogs um sich, um rituelle Schießübungen auszurichten und in der Gruppe eine Familie zu finden. Nur zu ihren Waffen entwickeln sie aber echte Gefühle, weshalb Dick auf Neuzugang Sebastian eifersüchtig ist, weil er Wendy und nicht etwa Clubmitglied Susan berührt.

Schauplatz ist ein desolate Bergarbeitersiedlung in den USA, gedreht wurde aber in Kopenhagen und Nordrhein-Westfalen. Viele Innenaufnahmen sorgen für eine klaustrophobische Perspektive. Der Blick weitet sich nie, selbst das Set eines Platzes wirkt theaterhaft und realitätsfern wie die Story. Ihr und den guten Darstellern folgt man zwei Filmdrittel lang, ohne emotional involviert zu sein. Einige Beobachtungen, wie etwa das Gefühl von falscher Stärke, das Waffenbesitz vermittelt, sind wichtig. Vinterberg und von Trier machen die psychische Aufrüstung zum zentralen Punkt, amüsieren sich über absurde Nebenwirkungen, wenn etwa Susan ihre gereifte Körbchengröße auf die Clubtherapie zurückführt. Im letzten Drittel aber verirrt sich der Film dramaturgisch, um Gewaltlosigkeit an der Realität zu überprüfen. Realistisch und glaubwürdig ist jedoch wenig an dem finalen, konstruiert wirkenden Duell zwischen den Cops und den "Dandies". Vieles gibt Rätsel auf, vor allem eine verstörte Oma, die "beschützt" von den "Dandies" über den Platz (an dem sich angeblich, aber nie sichtbar kriminelle Energie sammelt) zum Kaffeekränzchen mit einer Verwandten schlurft. Unvermittelt bringt sie unter ihrem Mantel ein Gewehr in Stellung, löst ein Blutbad aus. Vielleicht wieder ein Hinweis auf Amerikas Paranoia, vielleicht aber auch nur gute alte Demenz. kob.

Darsteller:  Jamie Bell   als Dick
  Bill Pullman   als Krugsby
  Michael Angarano   als Freddie
  Danso Gordon   als Sebastian
  Novella Nelson   als Clarabelle
  Chris Owen   als Huey
  Alison Pill   als Susan
  Mark Webber   als Stevie
  Trevor Cooper   als Dicks Vater
  Matthew Geczy   als Junger Polizist
  William Hootkins   als Marshall Walker
  Teddy Kempner   als Salomon
  Thomas Bo Larsen   als Junger Mann
 
Regie:  Thomas Vinterberg  
Buch:  Lars von Trier  
Musik:  Benjamin Wallfisch  
Kamera:  Anthony Dodd Mantle  
Produzent:  Sisse Graum Jørgensen  
 

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