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Der Beweis - Liebe zwischen Genie und Wahnsinn

Packendes Drama nach Theatervorlage mit Gwyneth Paltrow als Mathe-Ass, die von ihrem Vater womöglich nicht nur dessen Genialität, sondern auch seine Geisteskrankheit geerbt hat.


Der Beweis - Liebe zwischen Genie und Wahnsinn

Leihvideo

Erhältlich seit:
07.09.2006

Originaltitel: Proof

Drama

USA 2005
Laufzeit: 96 Min.
FSK: ab 6

Sir Anthony Hopkins
Gwyneth Paltrow
Jake Gyllenhaal

Regie: John Madden
Walt Disney Studios Home Entertainment

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Zwischen Wahnsinn und Wirklichkeit nabelt sich Gwyneth Paltrow von ihrem genialen "Vater" Anthony Hopkins ab.

Catherine ist immer für ihren Dad da. Nur: Wo bleibt das eigene Leben? (Foto: Buena Vista) Großansicht

Catherine ist immer für ihren Dad da. Nur: Wo bleibt das eigene Leben? (Foto: Buena Vista)

Väter und Töchter, nicht nur ein Thema für Psychologen und ihre Analysen, sondern auch für ein bewegendes Drama. Da ist dieser omnipräsente Mann, ein Mathematikgenie, das die letzten Jahre seines Lebens in geistiger Verwirrtheit verbrachte, und die zarte blonde Tochter, die ihm jahrelang zur Seite stand, ihre persönlichen Wünsche zurückstellte.

Am Vorabend ihres 27. Geburtstages stürmt einiges auf Catherine (Gwyneth Paltrow) ein - der Tod des Vaters, die Begegnung mit Hal (Jake Gyllenhaal), einem seiner Studenten, und die Ankunft ihrer Schwester Claire (Hope Davis), die sie mit nach New York nehmen will. Catherine steht unter Schock. Sie möchte im Haus ihrer Kindheit bleiben, aber gleichzeitig flieht sie vor den Erinnerungen, hat Angst, wie ihr Vater psychisch zu erkranken.

Hat Catherine die Formel entdeckt, überlegt Hal (Foto: Buena Vista) Großansicht

Hat Catherine die Formel entdeckt, überlegt Hal (Foto: Buena Vista)

Kluges Köpfchen

Hal, der sich in sie verliebt hat, findet eine die Wissenschaft revolutionierende Formel im Nachlass des Professors, und es stellt sich heraus, dass Catherine die Erfinderin ist. Aber niemand traut dem netten Mädchen so eine Entdeckung zu. Und auch sie zweifelt langsam an ihrem Verstand.

Mit vielen Rückblenden gespickt, schickt "Shakespeare in Love"-Regisseur John Madden in dieser einfühlsam inszenierten Selbstfindung seine Heldin auf eine Achterbahn der Gefühle, an deren Ende Vertrauen und Liebe steht - Mut zum Leben auf wackeligen, aber eigenen Füßen.

Der Flirt mit dem Wahnwitz wird zur waghalsigen Gratwanderung am seelischen Abgrund, Momente der Trauer wechseln mit euphorischer Lebenslust. Anthony Hopkins mimt den egozentrischen und dennoch liebevollen Genius mit archaischer Wucht, Gwyneth Paltrow, die auch schon in London im Theater als Catherine gefeiert wurde, leidet so virtuos wie noch nie, dass man gerne aus Solidarität mitschnieft.

Verliebt bis über beide Ohren (Foto: Buena Vista) Großansicht

Verliebt bis über beide Ohren (Foto: Buena Vista)

Glauben ist alles

Wie gut, dass ausgerechnet der hübsche Jake Gyllenhaal sie mit Charme verführt und dazu bringt, an sich selbst zu glauben. Die schmerzhafte Geschichte einer Abnabelung ist nicht kitschig, sondern schlicht herzergreifend.

Die tröstende Botschaft: Mag die Mathematik auch mit logischen und nachvollziehbaren Lösungen punkten - wenn es um Menschen aus Fleisch und Blut und tiefe Empfindungen geht, gibt es keine Formel zum Glück. Um das zu verstehen, muss man kein Mathe-Crack sein. Ein emotionaler Volltreffer!

Der Beweis - Liebe zwischen Genie und Wahnsinn

Das Theaterstück "Proof" für die Leinwand zu adaptieren war kein großes Problem für John Madden, er inszenierte das Drama im Donmar-Theater in London mit Gwyneth Paltrow, die auch im Film die Rolle der Catherine spielt. Nach dem Tod ihres psychisch labilen Vaters, einem berühmten Mathematikprofessor, taucht ein Notizbuch mit einer bahnbrechenden Formel auf, die alle bisherigen wissenschaftlichen Thesen auf den Kopf stellt. Die anrührende Mischung aus Selbstfindung, Liebesgeschichte und Bewältigung einer Vater-Tochter-Beziehung, stieß beim Filmfestival in Venedig auf große Resonanz .

Auch wenn Mathematik für die meisten Zuschauer ein Buch mit sieben Siegeln ist, sollte John Madden mit der Emotionalität dieser Geschichte ins Herz treffen. Mag es noch so viel Möglichkeiten und Fragenkomplexe in der Wissenschaft geben, im richtigen Leben kommt es darauf an, nicht in höhere Sphären abzuheben, sondern sich selbst zu finden, anderen und sich selbst zu vertrauen. Das fällt der jungen Catherine schwer. An ihrem 27. Geburtstag stürzt viel auf sie ein - der Tod des Vaters, den sie jahrelang umsorgte, die Begegnung mit Hal, einem seiner Studenten und die Ankunft ihrer beruflich erfolgreichen Schwester Claire aus New York, die ihre Zukunft verplanen und sie mit an den Hudson River nehmen will. Catherine kämpft nicht nur gegen die Angst, wie ihr Vater psychisch zu erkranken, sondern auch gegen ihre Unsicherheit der Umwelt gegenüber und ihre Isolation. Sie pflegt kaum soziale Kontakte, flüchtet sich lieber in Formeln. Als Hal in den 103 Notizbüchern des Professors nach neuen Ergebnissen sucht, macht er eine unglaubliche, die Wissenschaft revolutionierende Entdeckung. Nur: nicht der Verstorbene ist dafür verantwortlich, sondern Catherine. Behauptet sie jedenfalls.

Niemand traut ihr diese Leistung zu, selbst der in sie verliebte Hal zweifelt an ihrer Kompetenz. Hat Catherine wirklich die Genialität ihres Vaters geerbt oder erliegt sie nur einer Verkennung der Realität? Ganz langsam entwickelt Madden den weiblichen Hauptcharakter mit seinen Schwächen und Stärken, Hilflosigkeit und Hysterie. In Rückblenden zeigt er die diffizile Vater-Tochter-Beziehung, seine Autorität und ihre vergeblichen Versuche, seine Anerkennung zu gewinnen. Manchmal wirkt sie autistisch, dann wieder verfällt sie in überzogene Verhaltensweisen, verstört diejenigen, die sie mögen. Wenn sie am Ende die alltägliche Furcht abwirft und in eine neue Haut schlüpft, das Vertrauen von Hal gewinnt, und damit auch Zugang zum Leben, bedeutet das kein Happy End, sondern einen Neuanfang mit allen Risiken. Aber das größte Risiko ist, kein Risiko zu wagen. Was zählt, ist die Hoffnung. Die Leinwandadaption von David Auburns mit dem Pulitzer- Preis ausgezeichneten Drama ist von großer Zurückhaltung geprägt und emotionaler Tiefe und Dichte. Nie wird aus Sentiment Sentimentalität. Für das Verständnis bleibt es unwichtig, um welche Formel es sich dreht. Der Film funktioniert ganz einfach in seinen Bemühungen, Lösungen und Wahrscheinlichkeiten in der Mathematik mit den oft leidvollen Erfahrungen menschlicher Existenz gegenüberzustellen und zu verbinden, auch wenn Werte wie Liebe und Vertrauen nun einmal schwerer zu beweisen sind als nachprüfbare Zahlenkombinationen. Die Gefühle der Protagonisten sind nachvollziehbar, selbst für die alles bestimmende Schwester (Hope Davis) empfindet man noch Sympathie. Ein für ein ambitioniertes Kino aufgeschlossenes Publikum kommt hier voll auf seine Kosten. Schon die Schauspieler sollten für Zuspruch sorgen:

Shooting-Star Jake Gyllenhaal, der zwischen Herz und Ratio den richtigen Weg sucht, Anthony Hopkins, bei dem sich analytischer Verstand und geistige Verwirrung abwechseln und Gwyneth Paltrow, die sich hier als reife Schauspielerin zeigt. mk.

Darsteller:  Sir Anthony Hopkins   als Robert
  Gwyneth Paltrow   als Catherine
  Jake Gyllenhaal   als Hal
  Hope Davis   als Claire
  Gary Houston   als Prof. Jay Barrow
  Anne Wittman   als Joann
  Leland Burnett   als Eddy
  Daniel Hatkoff   als Student
  John Keefe   als Bewunderer
  Haroula Spyropoulos   als Studentin
  Colin Stinton   als Physiker
  Leigh Zimmerman   als Freundin bei Party
  Roshan Seth   als Professor Bhandari
 
Regie:  John Madden  
Buch:  David Auburn  
  Rebecca Miller  
Musik:  Stephen Warbeck  
Kamera:  Alwin H. Kuchler  
Produzent:  John Hart  
  Jeffrey Sharp  
  Robert Kessel  
  Alison Owen  
 

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