
Mit ihrem Regiedebüt begibt sich Franka Potente zurück zu den Anfängen des Kinos und betört mit einer stummen, surrealen Love Story in Schwarz-weiß.
Bevor Franka Potente als Titelheldin von Volker Schlöndorffs Bestseller-Adaption "Die Päpstin" vor der Kamera vermutlich wieder Herausragendes leisten wird, bringt der Berliner X Verleih das Regiedebüt der populären Schauspielerin in die Kinos. "Wer die Tollkirsche ausgräbt", auf der letztjährigen Berlinale in der Reihe Perspektive Deutsches Kino uraufgeführt, ist in vielerlei Hinsicht ein ungewöhnliches Projekt. Zum einen kann es bei einer Länge von 43 Minuten weder als Lang- noch als Kurzfilm bezeichnet werden. Zum anderen versucht sich Potente hier an einem interessanten Experiment, sie lässt nämlich Elemente des Stummfilms auf jene des vertonten Farbfilms prallen. Das heißt: Schwarz-weiß trifft aufs Bunte, die große Geste auf Minimalismus, weiß geschminkte Fratzen auf dezentes Make-Up, Schrifttafeln auf das gesprochene Wort. Dinge, die folgende Story vorgibt: Im Sommer des Jahres 1918 soll die aus einfachen Verhältnissen stammende Cecilie (Emilie Sparagna) den reichen Alfred (Max Urlacher) heiraten. Und während Cecilie sich gegen diese Vernunftehe stemmt, findet man am Tag vor der Hochzeit im Garten eine Mumie, deren Hülle plötzlich ein quicklebendiger, zeitreisender Punk (Christoph Bach) entsteigt, der Cecilies Herz im Handumdrehen erobert.
Nicht zuletzt mit Hilfe des begnadeten Kameramanns Frank Griebe, der Potente schon in "Lola rennt" ins rechte Licht rückte und zuletzt "Das Parfum" verantwortete, erweist sich die Jungregisseurin erstaunlich stilsicher im Umgang damit, wie man mit modernen Mitteln Ergebnisse "wie vor 100 Jahren" erzielt. Ihr Stummfilm ist jedoch mehr als eine Hommage an die Pionierzeit des Kinos, Potente, die nicht der Versuchung erlegen ist, sich hier selbst zu inszenieren, zeigt auch ein sicheres Gespür für Schauspielführung, den Einsatz von Musik und einen Sinn fürs Groteske, Surreale und gar das Erotisch-Obsessive wie den Gebrauch einer kuriosen Popo-Klatsch-Maschine. Eine Fingerübung, der man gerne zusieht, ein Experiment, das als gelungen bezeichnet werden darf. Bleibt nur die Frage, ob ihre zeitintensive Tätigkeit als Schauspielerin in Zukunft noch weitere Vorstöße in diese Richtung zulassen wird. lasso.