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Der Eissturm

Ang Lees atmosphärisch dichtes, deprimierendes Porträt der Siebziger. Bestechend fotografiert mit exzellenten Darstellern.


Der Eissturm

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Erhältlich seit:
12.10.2007

Originaltitel: The Ice Storm

Drama/ Komödie

USA 1996
Laufzeit: 108 Min.
FSK: ab 12

Kevin Kline
Joan Allen
Courtney Peldon

Regie: Ang Lee
STUDIOCANAL Home Entertainment Germany

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Der Eissturm

November 1973. Die Auswirkungen des "Summer of Love 1967" sind inzwischen selbst in der amerikanischen Provinz spürbar. So zum Beispiel auch bei der Familie Hood, die in New Canaan, Connecticut, lebt. Vater Benjamin hat ein Verhältnis mit der Nachbarin Janey, Mutter Elena flüchtet sich in Hausarbeit, und die 14jährige Tochter Wendy macht mit Janeys Söhnen Mikey und Sandy ihre ersten sexuellen Erfahrungen. Die Stimmung unter den Hoods ist nicht die beste und die bevorstehende Katastrophe nur eine Frage der Zeit.

Ang Lee, mit "Sinn und Sinnlichkeit" Berlinale-Sieger 1996, hat Rick Moodys gleichnamigen Bestseller kongenial adaptiert und ideal besetzt. Der taiwanesische Regisseur, sonst für seine warmherzigen Filme bekannt, seziert hier wie ein Chirurg das Innenleben seiner Protagonisten und legt ihre seelischen Abgründe bloß. Dabei macht er sich nie über die Figuren lustig, sondern zeigt sie als Gefangene ihrer selbst. Mit viel Sinn für aussagekräftige Details inszeniert und stets eng an der Vorlage orientiert, versteht es Lee, die an und für sich banale Geschichte in einen wahren Thriller zu verwandeln. Ein todsicherer Cineasten-Tip!

Der Eissturm

Wie schon in seinem ersten amerikanischen Film, dem Gewinner des Goldenen Bären "Sinn und Sinnlichkeit", widmet sich der Taiwanese Ang Lee auch in der Verfilmung von Rick Moodys 1994 erschienenem Roman, der sich mit der Sinnentleertheit des Lebens amerikanischer WASPs im Jahr 1973 auseinandersetzt, mit der Distanz des Außenstehenden in Form eines Period Pieces den fragilen Mechanismen des Familienlebens. Dabei offenbart der Regisseur in der Tragikomödie, mit Kevin Kline, Sigourney Weaver und Joan Allen blendend besetzt, einen ernsthaft eisigen Ton, der im krassen Gegensatz zu seinen bisherigen warmherzigen, leichten Filmen steht, dem brillanten Material aber perfekt entgegenkommt.

Die präzise Abrechnung mit einer in ihrer Relevanz unterschätzten Epoche der jüngeren Geschichte ist weit mehr als nur ein "Brady Bunch" mit Tiefgang. Anders als die meisten Filme, die den Seventies gerecht zu werden suchen, läßt sich "Der Eissturm" von den schrillen Dekors, der absurden Mode und den aufsehenerregenden Frisuren der Zeit nicht den Stil diktieren. Anstatt der sich aufdrängenden Groteske freien Lauf zu lassen, werden die bizarr-futuristischen Designs unter der einfühlsamen Regie Ang Lees zum Symbol für die Entwurzelung seiner Hauptfiguren. Ebenso wie ihre wild geformten Häuser wie Fremdkörper in der idyllischen Natur der amerikanischen Ostküste wirken, schlägt die Einsamkeit der Menschen inmitten der plakativen Einrichtungen und schreienden Tapetenmuster erst recht durch.

Zehn Jahre nach dem Tod Kennedys und sechs Jahre nach dem Summer of Love ist der neue amerikanische Traum vom erfüllten und befreiten Leben fast ausgeträumt, die Familie als Hort der Zuflucht und Eintracht passé. Mit fernöstlichen Philosophien, esoterischer Musik, Swingerpartys und anderen sexuellen Eskapaden will man in den Vororten übertünchen, daß Isolation, Langeweile und Entfremdung längst die Oberhand gewonnen haben. Um sich seiner panischen Existenzangst nicht stellen zu müssen, unterhält Ben Hood (Kevin Kline) eine Beziehung zu seiner Nachbarin Janey Carver (Sigourney Weaver), die von Bens Spießigkeit ebenso gelangweilt ist wie von ihrem Vertreter-Gatten. Bens Frau Elena (Joan Allen) tröstet sich über die Lügen des Ehemanns mit stupider Hausarbeit und hin und wieder einem kleinen Diebstahl im örtlichen Supermarkt hinweg. Eine Leidenschaft, die sie mit ihrer heranwachsenden Tochter Wendy (Christina Ricci) teilt, deren erwachende Sexualität sich in unschuldigen Spielen mit den Nachbarssöhnen Mikey und Sandy Bahn bricht.

Das ist die eisige, eingefrorene Situation, bevor in der Nacht nach Thanksgiving ein verheerender und symbolbeladener Eissturm - vom technischen Stab beeindruckend realisiert - über das Land fegt, der einem der Beteiligten das Leben kosten wird. Ein Tod, der Bens Familie ironischerweise für einen entscheidenden, bewegenden Moment näher zusammenführt, als es jemals möglich erschien. Diese Szene, in der sich all die Emotionen der Beteiligten mit einem Mal entladen, ist ein gewaltiger Payoff, nachdem Ang Lee die Atmosphäre über beinahe zwei Stunden meisterlich auf Kühlfachtemperatur gehalten hat. Nur wenigen Filmen zuvor ist es gelungen, die Einöde des suburbanen Erwachsenenlebens und die Teenage Angst des Nachwuchses so einträchtig und überzeugend Seite an Seite zu präsentieren. Dabei gewinnt der Regisseur gerade dem Tragischen immer wieder eine komische Seite ab: Es ist unmöglich, über die Verzweiflung nicht zu lachen, mit der die Figuren aus ihrer Apathie zu entfliehen versuchen. Der sehr feine Humor und die bewundernswert kontrollierten Vorstellungen der Schauspieler sind es, die "Der Eissturm", diese kopflastige, aber nie akademische Abhandlung über ein Amerika vor dem Crash, zu einem der Leckerbissen des Filmjahres werden lassen, auf den man sich allerdings bedingunglos einlassen muß, um ihn vollständig zu genießen. ts.

Der Eissturm

1973: Familie Hood ist der Prototyp der amerikanischen Mittelklasse-Familie. Doch hinter der Fassade sind Betrug und Scheinheiligkeit an der Tagesordnung. Eines Nachts, während ein Eissturm über die Stadt hinwegfegt, kommt es zur Eskalation.
Ang Lee breitet die Familiengeschichte zu einem präzisen Stimmungsbild der siebziger Jahre aus. Exzellente Darsteller und satirische Momente machen den Film zu einem gelungenen Zeitporträt. Sigourney Weaver erhielt den BAFTA-Award und wurde für den Golden Globe nominiert. In Cannes wurde der Film für die Beste Regie ausgezeichnet.

Quelle: Studiocanal

Darsteller:  Kevin Kline   als Benjamin Hood
  Joan Allen   als Elena Hood
  Courtney Peldon   als Billie
  Henry Czerny   als George Clair
  Adam Hann-Byrd   als Sandy Carver
  David Krumholtz   als Francis Davenport
  Christina Ricci   als Wendy Hood
  Tobey Maguire   als Paul Hood
  Jamey Sheridan   als Jim Carver
  Elijah Wood   als Mikey Carver
  Katie Holmes   als Libbets Casey
  Michael Cumpsty   als Philip Edwards
  Sigourney Weaver   als Janey Carver
  Kate Burton   als Dorothy Franklin
  William Cain   als Ted Shackley
  Colleen Camp   als Dr. Pasmier
 
Regie:  Ang Lee  
Buch:  James Schamus  
Musik:  Mychael Danna  
Kamera:  Frederick Elmes  
Produzent:  Ted Hope  
  James Schamus  
  Ang Lee  

Katzenjammer mit Legolas

Christina Ricci und Orlando Bloom in einer schwer verdaulichen Romanze.

Wer hat die hübsche Christina derart niedergestreckt?

Wer hat die hübsche Christina derart niedergestreckt?

Es wäre so ein romantisches Bild gewesen: Eine wunderschöne junge Frau krümmt sich vor Schmerz am Boden, und ein tapferer Elbe eilt ihr zu Hilfe, hält ihre Hand -

Jedenfalls dann, wenn sich Christina Ricci beim Anblick von Orlando Bloom nicht spontan übergeben hätte. Grund war allerdings nicht der unbestrittene Liebreiz des Jungstars aus "Der Herr der Ringe" (Legolas), sondern eine rauschende Party, die die beiden besucht hatten.

Es ist allerdings auch möglich, dass Christina von einer übersinnlichen Wahrnehmung heimgesucht wurde. In Brian Gilberts Horror-Thriller "The Gathering" spielt sie eine junge Engländerin, die als Anhalterin einen furchtbaren Autounfall hat. Nach dem Crash halluziniert die junge Frau Bilder von bedrohlichen Gestalten, die sie Tag und Nacht verfolgen.

Die gruselige Frage: Ist ihr Verfolgungswahn eine Folge des Unfalls oder hat er mit einer kurz zuvor entdeckten Kathedrale aus dem ersten Jahrhundert nach Christus zu tun?

Dass Ricci nach "Sleepy Hollow" demnächst wieder mit einer Gruselstory auf die Leinwand zurückkehrt, ist kein Wunder. War es doch nach dem großen Erfolg in Tim Burtons düsterem Leichen-Menuett überraschend ruhig um den Ex-Teenie-Star geworden.

Viele hatten der charismatischen Christina schon eine große Hollywood-Karriere vorausgesagt - spätestens nachdem sie sich in "Der Eissturm" als Jungnymphomanin, die nach allen Regeln die zwei Söhne des Nachbarn verführt, von ihrem Image als Kinderstar freigespielt hatte.

Die passenden Nebengeräusche produziert sie jedenfalls schon wie eine Große.

 

Der Eissturm in der Fotoshow

 

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Kevin Kline

Er pendelt erfolgreich zwischen Theater und Film, wechselt ernste mit komischen Rollen ab und hat seit 1983 ("Der große Frust") fünf Mal für...

 

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Joan Allen

Ihre Ehefrauen, die betrogen, ausgenutzt, verführt und belogen werden, die frustrierte Seelen, verhärmte Psychen und verkümmerte Körper tragen,...