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Leihvideo
Erhältlich seit:
13.02.2003
Originaltitel: Der Felsen
Deutschland 2001
Laufzeit: 117 Min.
FSK: ab 16
Karoline Eichhorn
Antonio Wannek
Sebastian Urzendowsky
Regie: Dominik Graf
EuroVideo Bildprogramm

Acht Jahre hat sich Dominik Graf Zeit gelassen, bis er nach seiner wohl traumatischen Erfahrung mit dem unterschätzten Genrefilm "Die Sieger" wieder eine Geschichte für die Leinwand erzählt hat. "Der Felsen" ist ein formal wie inhaltlich kompromissloser Film über die emotionale Krise einer jungen Frau, die sich nach der Trennung von ihrem Freund radikal auf eine neue Liebe und einen ganz anderen Lebensentwurf einlässt. Dominik Grafs so unkonventionell wie spannend erzählte Lovestory wird im Wettbewerb der Berlinale uraufgeführt und hat inzwischen einen engagierten Verleih gefunden.
Acht Jahre hat Dominik Graf nun mit ungewöhnlich brillanten TV-Movies Fernsehgeschichte geschrieben und die Möglichkeiten des Mediums mit seiner Kunst zu Erzählen fortentwickelt. Immer wieder, ob bei "Frau Bu lacht" oder "Der Skorpion", hätte man sich gewünscht, diese Geschichten auf der Leinwand zu sehen. Mit der Großproduktion "Die Sieger" hatte Graf zuletzt die Konventionen des deutschen Genrefilms überstrapaziert. Sowohl die Produktionsbedingungen als auch die katastrophale Vermarktung des Films scheinen bei ihm das Gefühl bewirkt zu haben, grandios gescheitert zu sein. Umso konsequenter ist der formale Ansatz seines neuen Films. Weil kurz vor Produktionsstart offenbar wurde, dass das Budget nicht erlauben würde, den Film auf 35mm zu drehen, entschieden sich Regisseur und Produktion dafür, das Projekt trotzdem zu realisieren: mit digitaler Technik auf Mini-DV. Auch wenn Graf keine Ambitionen hat, nun Dogma-inspiriert eine besondere Authentizität und eine größere Direktheit der Bilder zu schaffen, so profitiert seine Geschichte doch durch die Unmittelbarkeit der Umsetzung. Kein riesiger Produktionstross, kein Korsett aufwändiger Arbeitsstandards schiebt sich zwischen ihn, die Darsteller und die Geschichte. Auch komplizierte Szenen können vor Ort entwickelt und spontan umgesetzt werden. Für den Regisseur Graf, den nun besonders das Durchbrechen von Erzählkonventionen beschäftigt, muss diese Arbeitssituation wie eine Befreiung gewirkt haben.
Ohne große Zugeständnisse an die Erwartungen des Publikums entwickelt er seine spannende Story, der er verstärkt durch einen oft ambivalenten Off-Kommentar während des Erzählflusses scheinbar die Option lässt, sich in die eine oder andere Richtung zu entwickeln. Eine junge Frau verlässt ihren verheirateten Liebhaber, der zu seiner schwangeren Frau zurückkehren will, noch vor Ablauf ihres letzten gemeinsamen Urlaubs auf Korsika. Eine Rückkehr in ihr Leben zuhause, scheint ihr unmöglich. Stattdessen lässt sie sich treiben, lässt sich erst auf ein verstörendes sexuelles Abenteuer mit zwei Wildfremden und dann auf eine Amour fou mit einem straffälligen Jungen ein, der mit seinem kleineren Bruder ein paar Wochen in einem Resozialisierungscamp verbringt. Die verzweifelte Zärtlichkeit des Siebzehnjährigen, der um ihre Liebe mit existentieller Risikobereitschaft kämpft, führt bei ihr zu einer nicht vorhersehbaren Abenteuerreise in ihre Gefühlswelt, die sie von tiefer Verunsicherung hin zu neuer Verantwortung führt.
Undenkbar ist die Wirkung dieser gleichzeitig linear und assoziativ erzählten, sehr bewegenden Liebesgeschichte ohne die großartigen Bilder von Kameramann Benedict Neuenfels und die herausragenden Leistungen der Hauptdarsteller Karoline Eichhorn und Antonio Wannek, die durch die fast intime Produktionssituation mit der Mini-DV und ohne große Sets wohl wesentlich begünstigt wurden. Schon bei seinem "München"-Film hat Dominik Graf einen Erzählstil entwickelt, der die eigentliche Geschichte durch assoziative Bilder, erinnerte Momente oder Traumbilder kommentiert und in Frage stellt. Auch "Der Felsen" erreicht dadurch seine stärksten Momente. Gerade weil die Story so offen angelegt ist, gewinnt sie zunehmend Spannung und Tempo, suggeriert sie doch immer stärker, dass alles geschehen kann. Am Ende gelingen nicht nur Momente, die noch lange nachwirken, wie die vergebliche Suche des jüngeren Bruders nach neuen Eltern, wie die gemeinsame wilde Flucht in die rauhe Landschaft Korsikas, wie die intensiven Blicke wachsender Intimität des vom Schicksal gezeichneten Liebespaars. Es gelingt vor allem ein Film, der seine Zuschauer ernst nimmt, der intelligent unterhält, emotional tief berührt und geradezu lustvoll verunsichert. Viel mehr als die Dogma-Filme grüßen von Ferne Bernhard Wickis "Eroberung der Zitadelle" oder die Filme Bernardo Bertoluccis und Jean-Luc Godards. Im Kino wird "Der Felsen" sein erwachsenes Publikum finden. Gleichzeitig macht dieser brillante "kleine" Film Lust auf mehr Kino von Dominik Graf. hoe.
| Darsteller: | Karoline Eichhorn | als Katrin | |
|---|---|---|---|
| Antonio Wannek | als Malte | ||
| Sebastian Urzendowsky | als Kai | ||
| Peter Lohmeyer | als Robert | ||
| Ralph Herforth | als Jürgen | ||
| Soraya Gomaa | |||
| Christian Munteanu | |||
| Max Richter | |||
| Marlon Kittel | |||
| Martin Reinhold | |||
| Regie: | Dominik Graf | ||
| Buch: | Markus Busch | ||
| Dominik Graf | |||
| Musik: | Dieter Schleip | ||
| Dominik Graf | |||
| Kamera: | Benedict Neuenfels | ||
| Produzent: | Gloria Burkert | ||
Features
Der Titel enthält folgende Features
Sprachen: Deutsch
Tonformat: HiFi Stereo
Bildformat: Vollbild (4:3)
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