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Der Ghostwriter

Bissiger Politthriller nach Bestsellervorlage von Robert Harris, mit dem Roman Polanski beweist, dass er weiterhin ein Meister unterschwelliger Spannung und beklemmender Atmosphäre ist.


Der Ghostwriter

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Erhältlich seit:
16.09.2010

Originaltitel: The Ghost Writer

Thriller

Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010
Laufzeit: 123 Min.
FSK: ab 12

Ewan McGregor
Pierce Brosnan
Kim Cattrall

Regie: Roman Polanski
STUDIOCANAL Home Entertainment Germany

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Der Ghostwriter

Nach dem mysteriösen Ableben des ursprünglichen Autoren wird ein renommierter Ghostwriter engagiert, das Verfassen der Memoiren des ehemaligen britischen Premiers Adam Lang zu übernehmen. Dazu erhält er das ursprüngliche Manuskript und Sessions mit Lang, der sich mit seiner Entourage, darunter Ehefrau Ruth und Assistentin Amelia, in der Villa eines Mäzens auf Martha's Vineyard befindet. In die angespannte Atmosphäre platzt die Nachricht, dass Lang gemeinsame Sache mit der CIA gemacht haben soll. Der Ghostwriter sticht in ein Wespennest.

Meisterregisseur Roman Polanski nahm sich einen pessimistischen Politthriller aus der Feder von Robert Harris vor. Die ätzende Abrechnung mit der Ära Tony Blair ist mit Ewan McGregor und Pierce Brosnan hochkarätig besetzt und beherzigt kühl und clever das Regelwerk des Paranoiathrillers, der seine Handlung präzise abspult. Und wer will, kann auch Autobiographisches hineininterpretieren. Vor allem aber überzeugt das jüngste Werk des kurz nach Fertigstellung verhafteten Polanski als einer der besten Filme des Jahres 2010.

Der Ghostwriter

Bissiger Politthriller nach Bestsellervorlage von Robert Harris, mit dem Roman Polanski beweist, dass er weiterhin ein Meister unterschwelliger Spannung und beklemmender Atmosphäre ist.

Man stecke Menschen in einen Raum, riegele ihn hermetisch ab, packe den Deckel drauf und erhöhe konstant den Druck. Und dann sieht man zu, was passiert. Roman Polanski liebt diese Szenarien. Es fällt nicht schwer zu sehen, was den Regisseur, als die Finanzierung für die ursprünglich geplante Verfilmung von Robert Harris' "Pompeji" aufgrund eines möglichen Schauspielerstreiks (der nicht kam) den Weg alles Irdischen ging, ganz spontan an Harris' "Der Ghostwriter" begeisterte: Diese in einen Politthriller verpackte Abrechnung mit der Ära Blair ist ein Kessel, der unter ganz besonders hohem Druck steht, zumal eine persönliche Komponente gewiss auch eine Rolle gespielt haben dürfte: So sehr der ehemalige britische Premier dieser Geschichte, Adam Lang, auch Tony Blair ähneln mag, die Tatsache, dass er im Verlauf der Geschichte vor der Situation steht, nur noch drei Länder betreten zu dürfen, in denen er nicht fürchten muss, verhaftet zu werden, dürfte der Regisseur sicherlich als Parallele zu seiner eigenen Situation verstanden haben.

Fast sklavisch genau hält sich Polanski in seiner zwar in den USA spielenden, aber fast komplett in Deutschland gedrehten Verfilmung an die Vorlage: Der Roman ist in diesem Fall das Drehbuch, ein bisschen gestrafft an Stellen, der Showdown ist nicht ganz so spektakulär, aber deutlich ambivalenter als in der Vorlage, und am Ende hat Polanski ein bisschen gedoktert, aber sonst findet man fast ein buchstäbliche Übersetzung der Seiten auf der Leinwand. Und doch ist man überrascht, wie unverkennbar Polanski der Film ist, wie er sich diesen Stoff bei aller Ruhe und Umsicht, mit der er die Geschichte erzählt, zu eigen gemacht, wie er mit scheinbar einfachen Kompositionen eine ungute Stimmung beschwört, wie man sie aus "Rosemaries Baby" oder "Der Mieter" aber auch "Der Pianist" kennt. Natürlich ist die Hauptfigur ein idealer Polanski-Held. In den Sechzigerjahren hätte Polanski ihn sicherlich selbst gespielt, diesen namen- und auch weitgehend gesichtslos bleibenden Ghostwriter erfolgreicher Celebrity-Biographien, der nach dem mysteriösen Ableben des ursprünglichen Autoren engagiert wird, binnen kürzester Zeit die Memoiren des ehemaligen britischen Premiers Adam Lang zu verfassen. Justament in diesem Moment gerät der ins Kreuzfeuer der Weltpresse, weil er auf verhängnisvolle Weise in CIA-Machenschaften während des Irakkrieges verstrickt gewesen sein soll. So wird dessen Aufenthaltsort in einer Villa eines Mäzens auf Martha's Vineyard zum Gefängnis für alle Anwesenden, die ihr grausames Spiel miteinander spielen: Lang selbst, dessen blitzgescheite Frau Ruth und seine attraktive Assistentin Amelia. Am Ende der Nahrungskette sieht der Schattenmann hilflos zu. Er ist selbst nur ein Geist im Geschehen und darf nicht eingreifen. Gleichzeitig wird er aber auch vom Geist des ursprünglichen Autoren verfolgt, dessen in seinen Augen unbrauchbares Manuskript er bearbeiten soll in dieser kalten, durchgestylten Villa, die wie ein Bunker in die Dünen gebaut ist. Dann offenbaren sich dem passiven Helden Indizien, die ihn zwingen, zur Tat zu schreiten, weil er mit einem Mal einer ungeheuerlichen Wahrheit auf der Spur ist. Die ist so flüchtig wie der Sand draußen auf der Veranda, den der vietnamesische Hausmeister Tag für Tag kehrt, ohne jemals Fortschritte zu machen: Alles Bemühen ist hier umsonst.

Ein bisschen bequem wird geplottet im zweiten Akt, manch ach so großes Geheimnis ist doch nur ein paar Klicks auf dem Computer entfernt. Und doch lässt "Der Ghostwriter" seine unheilvolle Atmosphäre wirken wie ein langsames Nervengift: Der Film mit seinem von anderen Kräften gesteuerten Helden, dem immer nur gesagt wird, was er zu tun hat, ob nun von seinen Auftraggebern oder einem Navi-System, ist unwiderstehlich, eine eindringliche Meditation über die Geister, die man ruft - Geister, wie sie allgegenwärtig sind in den Filmen des 76-jährigen Regisseurs. In "Ekel" kommen sie buchstäblich aus den Wänden, die Lady Macbeth wird von ihnen in den Wahnsinn getrieben und "Der Mieter" in den Selbstmord. Geister überall, die dafür sorgen, dass Polanskis Protagonisten zunehmend den Boden unter den Füßen und die Kontrolle über die Situation verlieren. Wie in "Der Ghostwriter": Ewan McGregor, dem Farblosigkeit vorgeworfen wurde, ist eben genau richtig als ewig passiver Spielball von Mächten, die er nicht durchschaut und schon gleich gar nicht lenken kann. Immer ist da einer, der für die anderen die Strippen zieht. So gelingt Roman Polanski en passant auch ein allgemeingültiger Film über Macht, auch wenn er sich nie aufdrängt: Er erzählt einfach nur seine Geschichte. Der Rest ergibt sich wie von Geisterhand. ts.

Der Ghostwriter

Ein Ghostwriter soll die Memoiren des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang verfassen. Die Bezahlung ist gut und so macht sich der Ghost auf den Weg zu der Insel, auf der Lang mit Frau und Beratern in einem abgeriegelten Haus am Meer weilt. Dort befindet sich bereits ein Skript, das von seinem Vorgänger verfasst wurde. Dieser kam auf der Insel ums Leben und schon bald verstrickt sich auch der neue Ghostwriter in Ermittlungen und bringt sich so in Lebensgefahr.

Quelle: Studiocanal

"Der Ghostwriter: Die Besetzung", "Der Ghostwriter: Fiktion oder Realität?", Interviews mit Ewan McGregor, Olivia Williams, Pierce Brosnan, Robert Harris und Roman Polanski; Fotogalerie; Trailer; Wendecover

Quelle: Studiocanal

Darsteller:  Ewan McGregor   als Ghostwriter
  Pierce Brosnan   als Adam Lang
  Kim Cattrall   als Amelia Bly
  Olivia Williams   als Ruth Lang
  Tom Wilkinson   als Paul Emmett
  Timothy Hutton   als Sidney Kroll
  Jon Bernthal   als Rick
  David Rintoul   als Fremder
  Robert Pugh   als Richard Rycart
  Eli Wallach   als Alter Mann
  James Belushi   als James Maddox
 
Regie:  Roman Polanski  
Buch:  Roman Polanski  
Musik:  Alexandre Desplat  
Kamera:  Pawel Edelmann  
Produzent:  Roman Polanski  
  Robert Benmussa  
  Alain Sarde  

Polanskis "Ghostwriter"

Am 24. August bringt Kinowelt den Thriller "The Ghostwriter" von Roman Polanski auf DVD und Blu-ray in die Videotheken und vier Wochen später in den Kaufhandel.

"Der Ghostwriter" im Spätsommer im Heimkino (Foto: Kinowelt) Großansicht

"Der Ghostwriter" im Spätsommer im Heimkino (Foto: Kinowelt)

Kinowelt Home Entertainment bringt den Thriller "Der Ghostwriter" von Roman Polanski am 24. August auf DVD und Blu-ray in die Videotheken, am 16. September wird der dann in den Läden stehen. Der Film mit Ewan McGregor und Pierce Brosnan wurde in Polanskis Hausarrest-bedingter Abwesenheit auf der diesjährigen Berlinale mit dem Silbernen Bären für die Beste Regie ausgezeichnet. Im Handel wird neben der Einzel-DVD und Blu-ray auch eine DVD-Special-Edition erscheinen. Diese enthält u. a. Marina Zenovichs Dokumentation "Roman Polanski: Wanted and Desired", die sich auch mit dem Strafverfahren gegen den Regisseur beschäftigt.

Polanski wird vorgeworfen, sich in den 70er Jahren an einer 13-Jährigen vergangen und sich dann der US-Justiz entzogen zu haben. Im September 2009 wurde er in der Schweiz verhaftet, wo er im Rahmen des Zurich Film Festival einen Ehrenpreis hätte entgegennehmen sollen. Wie das Schweizer Justizministerium gestern mitteilte, wurde der Auslieferungsantrag der USA abgelehnt und der Hausarrest aufgehoben.

 

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