
Bruno Ganz glänzt als Schweizer Bundespräsident, der sich gegen Intrigen wehren und um das Leben seines Kindes und die Liebe seiner Frau kämpfen muss.
Neun Leben hat die Katze. Der Schweizer Bundespräsident, genannt "Kater" hat nur eines, aber da lässt er sich ungern hineinpfuschen. Die Zeichen stehen auf Sturm. Die Umfragewerte sind im Keller, die Parteigenossen mucken auf, die Luft wird dünner. Zur Imageaufwertung soll der Besuch des spanischen Königspaares dienen mit Glanz und Gloria, militärischen Ehren und Flugshow, Galadinner und Folklore. Den Medien im Hinblick auf die Wahl Futter bzw. schöne Bilder geben, heißt die Losung. Viel schlimmer als der Kampf um die Macht ist der hoffnungslose Kampf um das Leben des an Krebs erkrankten Sohnes, dem er und seine Frau nicht die Wahrheit sagen. Als durch eine Intrige des Fraktionsvorsitzenden die spanische Königin ausgerechnet in der Krebsklinik für Kinder Tränen vergießen soll, glaubt Katers Gattin an einen Werbe-Gag und sorgt beim festlichen Staatsschmaus für einen Eklat. Amt und Ehe stehen auf dem Spiel.
"Die Menschen tun, was geschieht" schreibt Thomas Hürliman in seinem Titel gebenden Erfolgsroman mit autobiografischen Zügen (der aber ziemlich - auch im Finale - umgemodelt wurde) und spielt damit auf das Ausgeliefertsein an, gegen das die Filmfigur hier revoltiert. Die deutsch-schweizerische Koproduktion erfüllte nicht die Erwartungen der Eidgenossen, Animositäten gegenüber Steinbrück-Deutschland mögen vielleicht eine Rolle gespielt haben, denn angekreidet wurde u.a. "zu viel deutsches Geld und Entscheidungsgewalt, unpassende deutsche Schauspieler in Schweizer Rollen" und die Regie von Wolfgang Panzer (zog zwischenzeitlich mal seinen Namen zurück), der allerdings aus der Vorlage einen spannenden Polit-Poker, eine unterhaltende Polit-Satire und ein berührendes privates Drama macht - eine gelungene Kombination. Edgar Selge als apostolischer Nuntius, Ulrich Tukur als falscher Freund, Marie Bäumer als verzweifelte Frau des Katers und die der Vorlage hinzugefügten ehrgeizige persönliche Assistentin, dargestellt von Christiane Paul, machen ihre Sache allesamt gut. Unschlagbar Bruno Ganz, machtbewusst und gewieft, gleichzeitig auch verletzbar und charismatisch, der in einem Befreiungsschlag seine persönliche Integrität wieder gewinnt. Etwas sehr simpel gestrickt dagegen sind die verschwurbelten Rückblenden in seine Kindheit, die als langatmige Erklärungsmuster für die ambivalente Persönlichkeit dienen sollen. "Der große Kater", eine bitterböse Reflexion über Macht und Menschenverachtung, Politik mit "human touch", Sarkasmus und Gefühl, wirkt in manchen Momenten erschreckend wirklichkeitsnah. Da kommt Katerstimmung auf. mk.