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Der Manchurian Kandidat

Auch das Remake des Frankenheimer Klassikers ist ein präzise inszenierter Politthriller um Gedankenkontrolle.


Der Manchurian Kandidat

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Erhältlich seit:
31.03.2005

Originaltitel: The Manchurian Candidate

Thriller/ Drama

USA 2004
Laufzeit: 125 Min.
FSK: ab 12

Denzel Washington
Meryl Streep
Liev Schreiber

Regie: Jonathan Demme
Paramount Home Entertainment

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Was geschah wirklich bei der Operation Desert Storm? Denzel Washington zweifelt an der Echtheit seiner Erinnerung - und kommt so einer Verschwörung auf höchster Ebene auf die Spur.

Senatorin Eleanor Shaw kennt nur ein Ziel: Das Weiße Haus (Foto: UIP) Großansicht

Senatorin Eleanor Shaw kennt nur ein Ziel: Das Weiße Haus (Foto: UIP)

Ein Thriller, der für Wirbel sorgt: Jonathan Demme ("Das Schweigen der Lämmer) inszenierte ein packendes Polit-Puzzle, das die enge Verbindung zwischen dem Weißen Haus und den Führungsetagen großer Unternehmen thematisiert.

Ein brisanter Stoff in Zeiten der US-Präsidentschaftswahlen. Denn die Frage, wer in Amerika wirklich das Sagen hat, trifft beim Publikum einen empfindlichen Nerv.

Raymond Shaw (Liev Schreiber), ein charismatischer Polit-Emporkömmling, wird von seiner ehrgeizigen Mutter, Senatorin Eleanor Shaw (Meryl Streep), zum Vize-Präsidenten der USA aufgebaut. Der Wahlkampf tobt, die Jagd nach Stimmen ist am Siedepunkt.

Hat Bennett Marco den Verstand verloren? Die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmt (Foto: UIP) Großansicht

Hat Bennett Marco den Verstand verloren? Die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmt (Foto: UIP)

Gehirnwäsche im Wüstensturm

In diesen politischen Hexenkessel platzt Major Bennett Marco (Denzel Washington), Raymonds ehemaliger Einsatzleiter im Golfkrieg. Bennett konfrontiert seinen früheren Untergebenen mit einer schier wahnsinnigen These: Er glaubt, dass seine Truppe einst in Kuwait per Hypnose einer Gehirnwäsche unterzogen wurde!

Damals waren Bennett und seine Leute bei der "Operation Desert Storm" in einen feindlichen Hinterhalt geraten, aus der sie Raymond heldenhaft befreit hatte. Doch zehn Jahre nach diesem denkwürdigen Vorfall beschleicht Bennett das merkwürdige Gefühl, dass an dieser Geschichte etwas faul ist.

Jon Voight als Shaws Wahlkampf-Konkurrent Jordan (Foto: UIP) Großansicht

Jon Voight als Shaws Wahlkampf-Konkurrent Jordan (Foto: UIP)

Skrupelloses Muttertier

In Alpträumen offenbart sich ihm eine ganz andere Version der Ereignisse. Die ist nicht nur grauenhaft, sondern schafft ihm auch eine lebensgefährliche Feindin: Raymonds machtbesessene Mutter, die für die Karriere ihres Sohnes über Leichen gehen würde.

Jonathan Demme adaptierte den gleichnamigen Roman von Richard Condon, der bereits 1962 von John Frankenheimer verfilmt wurde, in klaustrophobischen Bildern, deren Horror im Detail steckt. So brilliert besonders Meryl Streep als kühl kalkulierendes Muttertier.

Mit dieser Frau ist nicht zu spaßen (Foto: UIP) Großansicht

Mit dieser Frau ist nicht zu spaßen (Foto: UIP)

Männliches Vorbild

Vielfach wurde spekuliert, ob die Oscar-Preisträgerin Hilary Clinton als Rollenvorbild nahm - eine Vermutung, die Streep lachend verneint: "Ich habe mich an keiner realen Person orientiert. Aber sollte es unbewusste Vorbilder gegeben haben, dann waren es keinesfalls weibliche".

Der Manchurian Kandidat

Nach "The Truth About Charlie" wartet Regisseur Jonathan Demme nun erneut mit dem Remake eines Klassikers der 60er Jahre auf. Während seine Neuversion von "Charade" gemeinhin als Fehlzünder angesehen wurde, läuft der Regisseur mit dem präzise inszenierten Politthriller um perfide Gedankenkontrolle und weitreichende Verschwörungen zu alter "Das Schweigen der Lämmer"-Form auf. Dabei arbeitet er mit einer exzellenten Schauspielerriege, die mit Denzel Washington und Meryl Streep in den ursprünglich von Frank Sinatra und Angela Lansbury übernommenen Rollen zwei Oscar-Preisträger aufweist.

Die Latte lag hoch, da das Original von 1962, unter der Regie von John Frankenheimer als einer der wegweisenden Klassiker des Genres gilt, als Blaupause, an der sich die folgenden Paranoia-Thriller messen lassen mussten (woran nicht wenige scheiterten). Der Kalte-Kriegs-Aufhänger des Vorlageromans von Robert Condon ist heute kalter Kaffee. So galt es für die Drehbuchautoren Daniel Pyne ("Der Anschlag") und Dean Georgaris ("Paycheck"), eine ebenso aktuelle wie plausible Prämisse zu finden. Sie nehmen diese Hürde elegant, indem der Ausgangspunkt der Story vom Koreakrieg in den ersten Golfkrieg verpflanzt wird. In Kuwait geraten Army Captain Ben Marco (Washington) und seine Männer in einen feindlichen Hinterhalt. In dieser Situation profiliert sich Sergeant Raymond Shaw (Liev Schreiber) als lebensrettender Held, der dafür mit der höchsten Ehrenmedaille ausgezeichnet wird. Im Amerika der Gegenwart hält Major Marco sein Golfkriegssyndrom mit Medikamenten im Zaum, während Shaw mittlerweile als Kongressabgeordneter tätig ist. Er steht unter der Fuchtel seiner Mutter, der einflussreichen Senatorin Eleanor Shaw (eine glänzende Streep, die souverän auf Hillary hoch zehn macht), die dem Sohnemann skrupellos die Vizepräsidentschaftskandidatur zuschanzt. Als Marco die gleichen Albträume wie ein weiterer alter Kamerad hat, sucht er Shaw auf, um sich Klarheit zu verschaffen. Marco beginnt an Shaws vermeintlichen Heldenmut zu zweifeln und seine zerrüttete Psyche deutet ihm Kidnapping und Gedankenkontrolle mittels Gehirnimplantat an, die selbst den "Marathon Man" zum Zähne zusammenbeißen bringen würde. Wie im Original entfaltet sich das spannungsreiche Finale bei der Präsidentschaftsnominierung.

Die im Hintergrund die Fäden ziehenden Antagonisten gehören in diesem Fall nicht einem kommunistischem Regime, sondern der multinationalen Firma Manchurian Global an. Sie wollen ihren Einfluss ins Weiße Haus ausweiten. Offenkundig nach Vorbild der Firma Halliburton profitieren sie von ihren Verbindungen zur Regierung. Überhaupt gelingt den Filmemachern eine geradezu gespenstisch anmutende Authentizität bei der Skizze des gegenwärtigen Zeitklimas. Dies umfasst Nachrichteneinblendungen über den Antiterrorkrieg und Nationale Sicherheit, die Diskussion über Diffamierung von Vertretern liberaler Ansichten sowie glatte Politslogans der Kandidaten, die der aktuellen US-Kampagne entnommen sein könnten. Entrüstung, wie sie Michael Moores Enthüllungsdoku "Fahrenheit 9/11" entgegenschlug, braucht man nicht zu erwarten. Die Partei bleibt im Film clever ungenannt, ist aber als die Demokraten zu erkennen. Neben erzählerischer und technischer Finesse glänzen die schauspielerischen Leistungen von insbesondere Washington und Schreiber. Bei seinem Gang nach Washington deckt Mr. Washington mühelos das emotionale Spektrum von selbstsicherer Autorität hin zu paranoider Verwirrung ab. Schreiber ist ebenfalls hervorragend, wenn er die gegensätzlichen Gefühlsregungen des unterdrückt-verletzlichen Muttersöhnchens, der roboterhaften Mordmaschine und des überheblichen Arroganzlings subtil-effektiv darstellt. Das meisterhafte Original von John Frankenheimer kann Demme zwar nicht übertrumpfen, doch spielt Demme seine Suspense-Karten richtig aus, womit er für volle Häuser sorgen sollte. ara.

Darsteller:  Denzel Washington   als Marco Bennett
  Meryl Streep   als Eleanor Prentiss Shaw
  Liev Schreiber   als Reymond Shaw
  Jon Voight   als Thomas Jordan
  Kimberly Elise   als Rosie
  Jeffrey Wright   als Al Melvin
  Ted Levine   als Colonel Howard
  Bruno Ganz   als Richard Delp
  Simon McBurney   als Dr. Atticus Noyle
  Vera Farmiga   als Jocelyn Thomas
  Robyn Hichcock   als Laurent Tokar
  Miguel Ferrer   als Colonel Garret
  Jude Ciccolella   als David Donovan
  John Bedford Lloyd   als J. B. Johnston
  Dean Stockwell   als Mark Whiting
  Tom Stechschulte   als Robert Arthur
  Obba Babatundé   als Senator Wells
  Zeljko Ivanek   als Vaughn Utly
  Paul Lazar   als Gillespie
  Anthony Mackie   als Robert Baker
  Be Be Winans   als FBI Agent Williams
  Charles Napier   als General Sloan
  David Keeley   als Agent Evan Anderson
  Pablo Schreiber   als Eddie Ingram
 
Regie:  Jonathan Demme  
Buch:  Dean Georgaris  
  Daniel Pyne  
Musik:  Rachel Portman  
  Wyclef Jean  
Kamera:  Tak Fujimoto  
Produzent:  Scott Rudin  
  Tina Sinatra  
  Jonathan Demme  
  Ilona Herzberg  
 

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