
Bei seiner Wanderung quer durch die Republik trifft ein Träumer auf unterschiedliche Menschen, die ihn ein Stück des Weges begleiten. Tragikomisches Roadmovie mit skurrilem Humor.
Ich bin dann mal weg, sagt sich ein junger Mann mit strohblondem Haar und wirft seinen Rucksack über eine Mauer. Julian ist Psychiatriepatient und will zu Fuß von Berlin nach Süddeutschland, um durch die Kraft des Gehens den herzkranken Vaters seines gestorbenen Freundes zu heilen. Deutschlands Straßen führen zwar nicht ins spanische Santiago de Compostela, sondern nur ins schwäbische Tuttlingen, aber die Stimmung ist dennoch religiös bis esoterisch geschwängert. Bald wandert er nicht mehr alleine, sondern in Gesellschaft. Erst schließt sich ihm eine Assistenzärztin an, die nach dem Tod einer Patientin "ihr Herz" verloren hat, dann stößt noch eine frustrierte Hausfrau und Mutter dazu, zuguterletzt ein verlotterter Berliner Kriminalbeamter, der Julian wieder in die Anstalt zurückbringen soll.
Wie das Quartett sich seinen ganz individuellen Problemen stellt und damit der Einzelne sein Leben existenziell verändert, wird bei diesem Road-Movie zur philosophisch angehauchten Lehrstunde über das Ausschöpfen persönlicher Möglichkeiten und Fähigkeiten. Der Ausgangsplot ist dem Marsch 1974 von Werner Herzog nach Paris nach empfunden, eine Art Bittgang für die erkrankte Filmhistorikerin Lotte Eisner, die aus dem Krankenhaus schon entlassen war, als der Regisseur die Stadt an der Seine erreichte.
Robert Stadlober als unfreiwillige Heilsfigur mit amourösem Faible für die Ärztin kann über glühende Kohlen wandeln und Gedanken lesen, ist aber nicht übertrieben gezeichnet, sobald Ernsthaftigkeit überhand nimmt, bricht wohl dosierter Humor sie wieder auf. Die drei Begleitfiguren kreisen um Stadlober wie Planeten um die Sonne - Jessica Schwarz als pragmatische Realistin, Anna Schudt als geknechtete Gattin mit Widerstandspotenzial, Martin Feifel als an sich selbst scheiternder harter Knochen. Ruhige Bilder, wenig Dialoge, eine schöne Landschaft, meditative Atmosphäre funktionieren wie Yoga für die Seele. Und wenn Julian am Ende wirklich die Schwerkraft überwindet und über ein fahrendes Auto springt, sind für einen kurzen Moment Glaube und Hoffnung zum Greifen nah. mk.