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Der menschliche Makel

Starbesetzte Bestseller-Verfilmung von Robert Benton über einen Universitätsprofessor, der am Ende seiner Tage mit einer Lebenslüge konfrontiert wird.


Der menschliche Makel

Leihvideo

Erhältlich seit:
19.05.2004

Originaltitel: The Human Stain

Drama

USA 2003
Laufzeit: 108 Min.
FSK: ab 12

Sir Anthony Hopkins
Nicole Kidman
Ed Harris

Regie: Robert Benton
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Vorurteile, Lügen und Geheimnisse werden durch eine unkonventionelle Liebesgeschichte ans Tageslicht gebracht.

Das Glück der beiden weckt den Zorn ihrer Umgebung (Foto: Concorde) Großansicht

Das Glück der beiden weckt den Zorn ihrer Umgebung (Foto: Concorde)

Alles beginnt noch in sommerlich entspannter Atmosphäre. In der Universität wird über Präsident Clintons sexuelle Abenteuer gelästert, die Professoren sind amüsiert, und es mangelt nicht an scharfem Ostküstenwitz.

Dann jedoch entgleist die Lage überraschend schnell. Professor Coleman Silk (Anthony Hopkins), Dekan der Universität, wird wegen eines dummen Wortspiels angezeigt, keiner seiner Kollegen tritt für ihn ein. Er verliert seinen Job, seine Frau stirbt an der Aufregung, er selbst zieht sich verbittert zurück.

Sobald man aber den Zirkel der Erfolgreichen verlassen hat, trifft man all die anderen Menschen, die ebenfalls Verletzungen mit sich herumtragen.

Faunia Farley versteckt ihren Schmerz... (Foto: Concorde) Großansicht

Faunia Farley versteckt ihren Schmerz... (Foto: Concorde)

Schatten der Vergangenheit

So stößt Hopkins erst auf den vereinsamten Schriftsteller Zuckerman (Gary Sinise), dann liest er an der Straße die Putzfrau Faunia Farley (Nicole Kidman) auf.

Sie lädt ihn unverfroren ein, ihr Bett zu teilen, und aus der sexuellen Eskapade entwickelt sich eine tiefe Liebe zwischen einem alten Mann und einer jungen Frau. Dabei geben beide ihre Lebensgeschichte preis, und während sie diese erzählen, rühren sie zum ersten Mal an die düsteren Geheimnisse ihrer Vergangenheit.

Großes Kino mit Starbesetzung von Oscar-Preisträger Robert Benton.

Der menschliche Makel

Eine amerikanische Tragödie ist das Thema der Bestseller-Verfilmung von Robert Benton ("Nobody's Fool") nach dem hochgelobten Roman von Philip Roth, der sich mit einer All-Star-Besetzung und einem Drehbuch von "Eine verhängnisvolle Affäre"-Koautor Nicholas Meyer auf den Weg ins Oscar-Rennen macht. Produzent Miramax folgt einmal mehr der Erfolgsformel, mit der zuletzt der Ensemblefilm "The Hours" ganze neun Nominierungen einstreichen konnte.

An der Spitze besagten Ensembles wiederum empfiehlt sich Anthony Hopkins in der Rolle eines angesehenen Professors an einem College in New England, der seit 50 Jahren mit einer Lebenslüge lebt: Coleman Silks Haut ist so hell, dass er zu Beginn seiner Laufbahn beschlossen hat, sich unter jüdischer Herkunft durchs Leben zu schlagen, seine familiären Wurzeln verleugnet und als angesehener Repräsentant seiner Fakultät Karriere gemacht hat. Sein politisch vermeintlich korrektes Leben läuft komplett aus dem Ruder, als seine Bemerkung über zwei farbige Studenten als rassistisch interpretiert wird - ein einziges Wort, das zu viele Bedeutungen hat, bringt die aufgebaute Fassade ins Bröckeln. Die Ironie der Situation ist offensichtlich - allerdings nur für Silk. Er verliert den Respekt seiner Kollegen, Freunde wenden sich gegen ihn, seine Frau stirbt. Während sich der Skandal ausweitet, beginnt der Schriftsteller (zugleich die Erzählerfigur) Nathan Zuckerman (Gary Sinise), der an einer Biographie von Silk arbeitet, tiefer in der Vergangenheit des 71-Jährigen zu stöbern, womit sich für den Zuschauer in Rückblenden Silks Vergehen aufzeichnet. Als sich Zuckerman mit Silk anfreundet, erfährt er aber zunächst von einem anderen Geheimnis - der Affäre des Professors mit der jungen Hausmeisterin der Universität, Faunia Farley (Nicole Kidman), die Silk gleichermaßen sexuell wie emotional inspiriert und letztlich zur Konfrontation mit seiner Vergangenheit führt. Faunia trägt eine ähnliche Bürde wie der intellektuelle Coleman: Die gescheiterte Beziehung zu ihrem Ex-Mann Lester (Ed Harris), der sein Vietnamtrauma verarbeitet, und der tragische Tod ihrer Kinder verfolgt sie genauso wie ihre eigene vom Missbrauch durch den Stiefvater gezeichnete Kindheit.

Als wohl attraktivste Putzfrau der nördlichen Hemisphäre erinnert Kidman insbesondere in den freizügigen Sexszenen mit Hopkins an ihre Arztgattin aus "Eyes Wide Shut". Nicht nur, wenn Silk Viagra einnimmt wie Vitamintabletten, um die letzte Liebe seines Lebens wahrhaftig zu erleben, mag man auch für ihn nur schwer Sympathien aufbringen - für einen der gescheiterten Charaktere dieser Studie, deren Makel sich in der Tragödie zwischen der scheinbar unvereinbaren Sehnsucht nach Freiheit und Identität, zwischen Rassismus und Vorurteil, menschlichem und fehlerfreien Handeln manifestieren. Zweifellos handelt es sich bei beiden Protagonisten um zwei der besten Schauspieler unserer Zeit - dennoch hätte womöglich dem Proletarier-Charme auf der einen, den afroamerikanischen Wurzeln auf der anderen und letztlich dem glaubwürdigen Vordringen zum Kern der Figuren auf beiden Seiten womöglich eine andere Besetzung besser getan. Makellos ist ihre handwerkliche Leistung allemal - wie das aller Beteiligten übrigens auch. Benton, der bereits für "Kramer gegen Kramer" seinerzeit sechsmal für den Oscar nominiert war und die Auszeichnung bereits zweimal gewann, bewies zuletzt unter anderem mit "Nobody's Fool" und "Zwielicht" wieder seine ruhige und sensible Hand für das Zusammenspiel komplexer Charaktere vor dem Hintergrund eines kontroversen Themas, das hier von einem der wichtigsten zeitgenössischen amerikanischen Autoren vorgegeben, in der Ära der Clinton-Lewinsky-Affäre angesiedelt ist und einen tiefen Einblick in die amerikanische Psyche erlaubt. Eine bewegende wie intellektuelle Auseinandersetzung mit den Schatten der eigenen Vergangenheit, die besonders dann mit ausdrucksstarken Bildern überzeugt, wo Worte nichts hinzufügen können. cm.

Darsteller:  Sir Anthony Hopkins   als Coleman Silk
  Nicole Kidman   als Faunia Farley
  Ed Harris   als Lester Farley
  Gary Sinise   als Nathan Zuckerman
  Wentworth Miller   als Coleman Silk, junger Mann
  Anna Deavere Smith   als Mrs. Silk
  Harry Lennix   als Mr. Silk
  Jacinda Barrett   als Steena
  Kerry Washington   als Ellie
  Anne Dudek   als Lisa Silk
 
Regie:  Robert Benton  
Buch:  Nicholas Meyer  
Musik:  Rachel Portman  
Kamera:  Jean-Yves Escoffier  
Produzent:  Tom Rosenberg  
  Gary Lucchesi  
  Scott Steindorff  

"Im Zentrum steht die menschliche Beziehung"

Er macht Filme, die tief berühren: Kaum einer lotet Konflikte und Gefühle so aus wie der preisgekrönte Regisseur und Drehbuchautor Robert Benton. In seinem fesselnden Drama "Der menschliche Makel" trieb er Anthony Hopkins und Nicole Kidman zu Höchstleistungen.

Freut sich über seinen Erfolg: Robert Benton (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

Freut sich über seinen Erfolg: Robert Benton (Foto: Kurt Krieger)

» Wie entstand das Projekt?

ROBERT BENTON: Ich habe den Roman richtig verschlungen und wollte ihn verfilmen. Aber dann erfuhr ich, dass die Rechte schon verkauft waren und Nicholas Meyer als Drehbuchautor fest gebucht war. Also habe ich mich nicht mehr um die Angelegenheit gekümmert. Und dann landete das Drehbuch auf meinem Schreibtisch. Ein Glücksfall.

» Ihr Film entfernt sich stark von der literarischen Vorlage.

Das Buch beleuchtet den politischen Hintergrund sehr intensiv. Wir konzentrieren uns dagegen auf die starke emotionale Verbindung zwischen Coleman Silk und seiner letzten Liebe Faunia sowie die Geschichte des älteren und jüngeren Coleman. Dabei haben wir versucht, den Hauptsträngen des Romans, der mich in seiner Wucht an eine griechische Tragödie erinnert, treu zu bleiben und gleichzeitig filmischen Ansprüchen zu genügen.

Natürlich habe ich eine politische Meinung, aber ich wollte kein politisches Statement abgeben. Philip Roth schrieb den Roman auf dem Höhepunkt der Lewinsky-Affäre, als sich jeder das Maul über Präsident Clintons Eskapaden zerriss. Das schlägt sich natürlich auf den Inhalt nieder.

Ich fokussiere mich in all meinen Filmen immer auf die menschliche Beziehung zwischen den Figuren, auf die Entstehung und Lösung von Familienkonflikten. Bei "Der menschliche Makel" interessierte mich vor allem, wie ein Mensch seiner Herkunft und Familie den Rücken kehren und mit dieser Lebenslüge existieren kann. Er zahlt einen hohen Preis für das, was er unter Freiheit versteht, und wird am Ende Opfer seiner eigenen Selbsterfindung und -inszenierung.

Starke Charaktere: Nicole Kidman und Anhony Hopkins in "Der menschliche Makel" (Foto: Concorde) Großansicht

Starke Charaktere: Nicole Kidman und Anhony Hopkins in "Der menschliche Makel" (Foto: Concorde)

"REGISSEURE, DIE ALLES BESSER WISSEN, MACHEN SCHLECHTE FILME"

» Wie lautet die moralische Botschaft Ihres Films?

Es gibt keine. Ich urteile nicht und gebe keine Antworten. Ich stelle Fragen, die zum Nachdenken anregen sollen.

» Sie sind als Drehbuchautor berühmt. Bestand da nicht die Gefahr, Nicholas Meyer ins Handwerk zu pfuschen?

Gerade auf Grund der eigenen Erfahrungen halte ich mich zurück. Zwischen Regisseur und Drehbuchautor muss ein Vertrauensverhältnis bestehen, ein gegenseitiger Respekt. Regisseure, die glauben, alles besser zu wissen, machen schlechte Filme.

"Bonnie & Clyde": Oscar-Nominierung für das Drehbuch (Foto: Warner Bros.) Großansicht

"Bonnie & Clyde": Oscar-Nominierung für das Drehbuch (Foto: Warner Bros.)

» Erinnern Sie sich gern an die Zeit Ihres ersten Erfolges, nach dem Drehbuch zu "Bonnie und Clyde"?

Im Rückblick empfinde ich die Zeit natürlich als fantastisch. Aber es dauerte vier Jahre, bis David Newman und ich das Skript verkaufen konnten. Ich war verheiratet und hatte ein Kind zu ernähren.

In der Not musste ich sogar meinen Schwiegervater um Geld anbetteln. Aber was tut man nicht alles, um in Hollywood zu überleben. Erst nach meinem Regiedebüt "In schlechter Gesellschaft" ging es aufwärts.

Bentons größter Erfolg: 5 Oscars für "Kramer gegen Kramer" (Foto: Atlas) Großansicht

Bentons größter Erfolg: 5 Oscars für "Kramer gegen Kramer" (Foto: Atlas)

"MIT ZUNEHMENDEM ALTER WIRD MAN VERLETZLICHER"

» Was hat sich seitdem alles geändert?

In den Siebzigern gab es Filme wie "Easy Rider" oder "Ein Mann sucht sich selbst". Es herrschte eine Aufbruchstimmung und große Offenheit. Es gab Platz für extreme Meinungen und Filme. Leider nur eine Luftblase. George Lucas' "Krieg der Sterne" markiert eine Zäsur. Das Epos spielte unvorstellbare Geldmengen ein und krempelte die ganze Produktionslandschaft um.

Eine große Produktionsfirma setzt einfach andere Prioritäten als eine kleine und unabhängige. Wer zig Mio. von Dollar investiert, will einen entsprechenden Rückfluss sehen. Lakeshore und Miramax sind noch Inseln, wo man kreative Freiheit genießt. Da wird nicht bis in den letzten Darsteller alles vorgegeben.

Ausnahmekönner unter sich: Benton und Kidman am Set von "Der menschliche Makel" (Foto: Concorde) Großansicht

Ausnahmekönner unter sich: Benton und Kidman am Set von "Der menschliche Makel" (Foto: Concorde)

» Aber mit Anthony Hopkins und Nicole Kidman haben Sie Weltstars engagiert.

Ihr Status war nicht allein ausschlaggebend. Anthony Hopkins nimmt man den früheren Boxer ebenso ab wie den Universitätsprofessor. Mit Nicole Kidman habe ich schon in "Billy Bathgate" zusammen gearbeitet.Sie ist nicht nur schön, sondern eine der größten Charakterschauspielerinnen. Da muss man sich nur das Spektrum ihrer Rollen vergegenwärtigen, von "To Die For" über "Moulin Rouge" bis zu "The Hours".

» Sie sind jetzt 71 Jahre alt. Ist man in diesem Alter weise?

Da fragen Sie mich zu viel. Manchmal glaube ich sogar, mit zunehmendem Alter wird man verletzlicher. Ehrlich gesagt, weise wollte ich eigentlich nie sein.

 

Der menschliche Makel in der Fotoshow

 

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