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Der Musterschüler

Beklemmender Thriller nach einer Novelle aus Stephen Kings Geschichtensammlung "Frühling, Sommer, Herbst, Tod".


Der Musterschüler

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Erhältlich seit:
07.12.1999

Originaltitel: Apt Pupil

Thriller/ Drama

USA 1998
Laufzeit: 107 Min.
FSK: ab 16

Sir Ian McKellen
Brad Renfro
Bruce Davison

Regie: Bryan Singer
Sony Pictures Home Entertainment (SPHE)

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Der Musterschüler

Die "Banalität des Bösen" erschließt sich dem 16jährigen Todd Bowden erstmals, als er an seiner Schule einen Kurs über den Holocaust besucht. Vom Thema fasziniert, beginnt er, sich mit dem Grauen des Nationalsozialismus zu beschäftigen und stößt dabei auf ein Foto, auf dem er einen Bewohner seiner Heimatstadt als den ehemaligen KZ-Offizier Kurt Dussander erkennt. Tags darauf steht Todd vor der Tür des Kriegsverbrechers und zwingt ihn - mit der Drohung ihn anzuzeigen, falls er nicht kooperiere -, ihm alles über seine Vergangenheit zu erzählen...

Bryan Singer, Regisseur des Sensationserfolges "Die üblichen Verdächtigen", hat hier eine Novelle Stephen Kings adaptiert. Teils wortlastiges Kammerspiel, teils mehrbödiger, verzwickter Thriller, spielen sich Angst und Schrecken, Mord und Totschlag eher im Kopf des Zusehers als auf dem Bildschirm ab. Vorzüglich agiert Ian McKellen ("Richard III") in der Rolle Dussanders, wobei ihm Brad Renfro ("Der Klient") als Todd durchaus ebenbürtig ist. In allen technischen Bereichen makellos sollte dieser Stoff trotz schwieriger Thematik dank des bekannten Vorlagenautors ein breites Publikum ansprechen.

Der Musterschüler

Bereits mit seinem zweiten Spielfilm, "Die üblichen Verdächtigen", einem intelligenten Vexierspiel im Gewande eines Thrillers, konnte sich Regisseur Bryan Singer international einen Namen machen. Wer nun erwartet hat, daß sich der hochtalentierte Filmemacher - wie in Hollywood inzwischen eigentlich üblich - wegen seines überwältigenden Erfolges an einem big budget movie versuchen würde, sieht sich getäuscht. Singer hat vielmehr mit eher bescheidenem Aufwand eine Stephen-King-Kurzgeschichte adaptiert, die auf den Filmfestspielen von Venedig in der Reihe "Notti e stelle" ihre europäische Premiere erlebte.

In "Der Musterschüler" begibt sich der amerikanische Bestseller-Autor, wie auch schon bei "Die Verurteilten" (von Frank Darabont 1994 kongenial verfilmt), auf ein für ihn eher ungewöhnliches Terrain. Es geht einmal nicht um Monster und Untote, Paranormales und Extraterrestrisches, sondern schlicht um das Böse an sich, oder, um mit Hannah Arendt zu sprechen, um die Banalität des Bösen. Diese erschließt sich dem 16jährigen Schüler Todd Bowden erstmals, als er an seiner Highschool einen Kurs über den Holocaust besucht. Vom Thema fasziniert, beginnt er sich eingehender mit den Greueln des Nationalsozialismus zu beschäftigen und stößt dabei zufällig auf ein altes Foto, auf dem er einen Bewohner seiner Heimatstadt als den ehemaligen KZ-Offizier Kurt Dussander erkennt. Tags darauf steht Todd vor der Tür des zurückgezogen lebenden Mannes und zwingt ihn - mit der Drohung ihn bei den Behörden anzuzeigen, falls er nicht kooperiere -, ihm alles über seine Vergangenheit zu erzählen, insbesondere das, was im Unterricht den Schülern vorenthalten wird.

Singer unterteilt seinen Film, der im Original "Apt Pupil", was sich mit "Gelehriger Schüler" treffend übersetzen läßt, in zwei Teile. In der ersten, eindeutig spannenderen Stunde konzentriert er sich darauf zu zeigen, wie der Teenager dem ehemaligen Kriegsverbrecher seinen Willen aufzwingt. Der kettenrauchende, heruntergekommene Dussander, vorzüglich gespielt von Ian McKellen ("Richard III"), wird erstmals in seinem Leben zur Rechenschaft gezogen. Brillant die Szene, in der Todd seinen neuen "Freund" zum Abendessen ins Elternhaus einlädt. Dussander erweist sich hier als redegewandter, charmanter Gast, der vorgibt, den Krieg wegen einer langwierigen Krankheit in einem Hospital zugebracht zu haben. Als Todd, der McKellen ebenbürtige Brad Renfro aus "Der Klient", zusehends unter den Einfluß des Nationalsozialisten gerät, seine schulischen Leistungen drastisch nachlassen und seine sozialen Kontakte verkümmern, wird "Der Musterschüler" zu einer anderen Art von Film. Der Filmemacher interessiert sich plötzlich scheinbar nicht mehr für die Frage, was Menschen am Faschismus fasziniert, was sie zu Monstern werden läßt, sondern nur noch darum, wie Todd sich aus den Fängen Dussanders befreien kann. Dieser ist inzwischen wieder - nicht zuletzt wegen der SS-Uniform, die der Junge ihm geschenkt hat, Kleider machen bekanntlich Leute - zum hemmungslosen Machtmenschen mutiert, versucht eine Katze im Heizofen zu verbrennen und scheut auch nicht mehr vor Mord zurück, um seine falsche Identität zu wahren. Aus einem intelligenten, eher wortlastigen Kammerspiel ist ein mehrbödiger, verzwickter Thriller geworden, in dem sich Angst und Schrecken, Mord und Totschlag eher im Kopf der Zuseher als auf der Leinwand abspielen.

In allen technischen Bereichen makellos, darf sich Columbia von "Der Musterschüler" bei entsprechendem Marketing und der richtigen Kinowahl ein solides Geschäft versprechen.geh.

Darsteller:  Sir Ian McKellen   als Kurt Dussander
  Brad Renfro   als Todd Bowden
  Bruce Davison   als Richard Bowden
  Elias Koteas   als Archie
  Joe Morton   als Dan Richler
  Jan Triska   als Isaac Weiskopf
  Michael Byrne   als Ben Kramer
  Heather McComb   als Becky Trask
  Ann Dowd   als Monica Bowden
  Joshua Jackson   als Joey
  David Schwimmer   als Edward French
  Mickey Cottrell   als Soziologielehrer
 
Regie:  Bryan Singer  
Buch:  Brandon Boyce  
Musik:  John Ottman  
Kamera:  Newton Thomas Sigel  
Produzent:  Jane Hamsher  
  Don Murphy  
  Bryan Singer  
 

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Features

 

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