
Top-Stars wie Michelle Pfeiffer und Robert De Niro schmücken die temporeiche Verfilmung von Neil Gaimans Bestseller über die märchenhaften Nebenwirkungen einer Sternschnuppe.
Nachdem Millionen von Fantasyfans im Kino begeistert durch Auenland und Narnia tourten, stehen die Vorzeichen gut für Englands moderne Antwort auf die Oxford-Oldies C.S. Lewis und J.R.R. Tolkien. Neil Gaiman, Jahrgang 1960 und mit der "Sandman"-Reihe einer der Gurus der britischen Comicszene, schrieb mit seinem Roman "Sternwanderer" ein Märchen für Erwachsene, eine dramatisch-komische Reproduktion der magischen kindlichen Erlebniswelt.
Mit Matthew Vaughn konnte für die Verfilmung ein Genreneuling gewonnen werden, der als Regisseur von "Layer Cake" und Stammproduzent von Guy Ritchie bisher vor allem mit Gangsterstoffen Erfahrung sammelte. Parallelen dazu gibt es allerdings auch hier, denn Mord ist auch das Hobby einiger Bewohner des magischen Königreichs Stormhold, das eine Mauer vom verschlafenen viktorianischen Dorf Wall trennt. Durch ein Loch in dieser Barriere tritt ein neugieriger junger Mann, der schnell die Reize der dahinter liegenden Welt kennen lernt. Neun Monate später bleibt von diesem Erstkontakt ein Junge zurück, der Jahre danach zum Protagonisten des Plots wird. Tristan (Charlie Cox) liebt Victoria, die schönste Wall-Flower. Als beide eine Sternschnuppe fallen sehen, verspricht er seiner Angebeteten, ihr diese zu Füßen zu legen. Eine magische Kerze bringt ihn schnell vor Ort, weit hinein nach Stormhold zu einer jungen Blondine (Claire Danes im Gwyneth-Paltrow-Look), die sich als abgestürzter Himmelskörper zu erkennen gibt. Natürlich mag man sich anfangs nicht, zumal der gefallene Stern nicht für eine andere leuchten will, aber am Ende wird das irdische Phänomen namens Liebe dieses Hindernis korrigieren. Als Stolperschwellen eingebaut hat Gaiman machthungrige Königssöhne, deren Thronanspruch durch die Halskette des Sternenmädchens besiegelt wird, und eine mächtige Hexe (Michelle Pfeiffer), die mit ihren runzligen Schwestern das Herz der Jungfrau braucht, um Jugend und unbegrenzte Zauberkraft zurückzuerhalten.
Mit donnernder Musik treibt "Der Sternwanderer" seinen Dreiparteienkonflikt voran, unterstützt von einer zoomenden, kreisenden, aufziehenden Kamera, die das Bewegungsmotiv unterstreicht. Zwar bleibt das verliebte Paar etwas blass, reicht das Budget nicht für ein Effektspektakel der Marke Hogwarts oder Narnia, doch die größten Sterne halten, was ihre Namen versprechen. De Niro, Fokus der selbstironischen Genrebrechungen, überrascht als verhinderte Ballerina und tuntiger Luftpirat, Pfeiffer gibt in ausgedehnten Zauber- und Spannungssequenzen lustvoll die Hexe, die andere bis aufs Blut quält. Nicht zuletzt dieser Unterhaltungsprofis wegen wird Fantasyfans mit magischer Kinoerfahrung auch "Der Sternwanderer" nicht schnuppe sein. kob.