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Der stille Amerikaner

Brillante Verfilmung von Graham Greenes gleichnamigen Roman über eine tragische Dreiecksgeschichte in Saigon kurz vor Ausbruch des Vietnamkriegs.


Der stille Amerikaner

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Erhältlich seit:
18.11.2003

Originaltitel: The Quiet American

Drama

USA/Australien/Deutschland 2002
Laufzeit: 96 Min.
FSK: ab 12

Sir Michael Caine
Brendan Fraser
Do Hai Yen

Regie: Phillip Noyce
Universum Film

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In den Wirren Indochinas lieben Michael Caine und Brendan Fraser die gleiche Frau. Aus Freunden werden mörderische Feinde in der Verfilmung von Graham Greenes Romanklassiker.

Der Reporter im Strudel vietnamesischer Interessenskonflikte Großansicht

Der Reporter im Strudel vietnamesischer Interessenskonflikte

So schön kann das Leben als Reporter sein: Michael Caine ist Korrespondent der London Times. Er lebt in Saigon, es ist das Jahr 1952, und die Romantik der Kolonialzeit ist spürbar, auch wenn der Film vom gewaltsamen Ende dieser Epoche erzählt. Caine (er erhielt für seine Rolle eine Oscar-Nominierung) verbringt den Tag im Café, die Abende mit seiner vietnamesischen Geliebten und der Opiumpfeife.

Nur weil ihm gelegentlich mit der Rückversetzung ins verregnete England gedroht wird, macht Caine sich auf und berichtet von Aufständen, Guerillatruppen und der heimlichen Umverteilung der Macht. Mehr als die Politik beschäftigt ihn jedoch die Liebe.

Ein junger Amerikaner hat sich mit ihm angefreundet, sucht aber vor allem die Nähe von Caines schöner Freundin. Er ist schlecht genug erzogen, um sie zu überreden, den alternden Reporter zu verlassen. Der beginnt daraufhin, den Amerikaner genauer unter die Lupe zu nehmen und deckt dabei ein paar brisante Fakten auf, die für die Geschichte Vietnams wichtiger sind als für die Geschichte seiner Liebe.

Thriller-Spezialist Phillip Noyce inszeniert Graham Greenes Welterfolg atemberaubend, als Politthriller und poetische Liebesgeschichte zugleich.

Der stille Amerikaner

Exakt ein Jahr lang lag Phillip Noyces Verfilmung von Graham Greenes Roman aus dem Jahr 1955 auf Halde - wie zu vernehmen ist, fand Miramax-Chef Harvey Weinstein keinen Gefallen an dem ausgesprochen kritischen Blick auf militärische Interventionen der Vereinigten Staaten. Dass "Der stille Amerikaner" nun doch noch ganz still das Licht der Leinwand erblickt, ist ein Glücksfall: In Noyces bislang zweifellos bestem Film läuft Michael Caine als alternder britischer Journalist in Vietnam, der durch eine Verkettung von Umständen gezwungen wird, seine berufliche Distanz aufzugeben, zu großer Form auf. Aber auch das von Christopher Hampton und Robert Schenkkan nah an der Vorlage gestrickte Geflecht aus komplexen Beziehungen und historischen Ereignissen ist mehr als sehenswert.

Eine erste Verfilmung stellte Joseph L. Mankiewicz nur drei Jahre nach der Veröffentlichung des Romans im Jahr 1958 mit Audie Murphy und Michael Redgrave in den Hauptrollen vor (dt. Verleihtitel: "Vier Pfeifen Opium"). Ein Film nicht ohne Meriten, aber doch völlig der politischen Dimension der Vorlage beraubt. Der titelgebende Alden Pyle war damals nur ein Privatmann, der Freundschaft mit dem Briten Fowler schließt und sich in dessen vietnamesische Mätresse Phuong verliebt.

Bei Noyce ist der stille Amerikaner, mit hinreißender Großäugigkeit und Aufrichtigkeit gespielt von Mumien-Jäger Brendan Fraser, eben auch ein getarnter CIA-Mann, der Einfluss auf die politischen Entwicklungen im Krisengebiet Indochina nehmen soll. Angesichts dieser Verstrickungen gewinnen natürlich auch die privaten Ränkespiele zwischen Pyle, Fowler und Phuong eine andere Gewichtung. Die größte Leistung des handwerklich absolut makellosen Dramas ist es, dass es nicht nur trotz aller Komplexität und Verzweigtheit stets packend und spannend bleibt, sondern gerade die komplizierte Konstruktion so enorm großen Unterhaltungswert hat.

Dabei steht das Ende am Anfang: Die Leiche von Pyle wird in einer trügerisch stillen Nacht in Saigon aus dem Wasser gefischt. Als bester Bekannter des Amerikaners wird Thomas Fowler zu dem Mord befragt. Bereitwillig gibt er Auskunft, und mit der Geschichte eines Amerikaners in Vietnam wird vor allem auch Fowlers persönliche Story aufgerollt. In die Jahre gekommen, droht seine ebenso bequeme wie bescheidene Existenz zu scheitern: Seine Geliebte, die sich immer damit abgefunden hat, dass Fowlers Ehefrau in Großbritannien nicht in die Scheidung von ihrem Gatten einwilligt, gibt dem Drängen Pyles nach und verlässt Fowler; die Times will ihn nach London zurückrufen. Fowlers Lüge, die Frau wolle sich nun doch von ihm trennen, und eine gefährliche Nacht auf dem Land, in der Pyle ihm das Leben rettet, steigern die komplexe Natur der Geschichte. Gleichzeitig finden die Amerikaner in einem größenwahnsinnigen General einen Verbündeten, um beim imperialistischen Spiel um Südostasien mitmischen zu können. Privates und Politisches kulminieren schließlich, als ein von Pyle orchestrierter Bombenanschlag in Saigon unschuldige Menschenleben fordert. Der Freund und Konkurrent ist mit einem Schlag auch Terrorist - und Fowler wird zum Handeln getrieben.

In seiner prachtvollen visuellen Gestaltung - gedreht wurde vor Ort in Vietnam - sowie mit dem epischen Atem seiner Erzählung erinnert "Der stille Amerikaner" vor allem an die letzten Arbeiten von Anthony Minghella ("Der englische Patient", "Der talentierte Mr. Ripley"), der hier mit seinem Partner Sydney Pollack auch als ausführender Produzent fungiert. Auch Phillip Noyce vertraut auf die Intelligenz seines Publikums, nicht immer nur einfache/eindimensionale Figuren sehen zu wollen. So vielschichtig die Charaktere sind, so anspruchsvoll ist auch die Handlung. Aber das Resultat ist allemal atemberaubend - in doppeltem Sinne: Denn wenn es einen Kritikpunkt an diesem ansonsten wunderbaren Filmerlebnis gibt, dann ist es, dass seine handwerkliche Perfektion und Schönheit manchmal beinahe gelackt wirkt und manch menschliche Emotion in den erlesenen Bildkompositionen zu versinken droht. Wenn Michael Caine allerdings im Bild ist, wird jeder Makel Nebensache: So gut wie als stiller Brite hat man den Oscar-Gewinner seit den siebziger Jahren nicht mehr gesehen. Er ist noch explosiver und brisanter als die politische Aussage des Films - und die ist in den Tagen des amerikanischen Hurra-Patriotismus nicht zu unterschätzen. ts.

Darsteller:  Sir Michael Caine   als Thomas Fowler
  Brendan Fraser   als Alden Pyle
  Do Hai Yen   als Phuong
  Rade Serbedzija   als Inspektor Vigot
  Tzi Ma   als Hinh
  Robert Stanton   als Joe Tunney
  Holmes Osborne   als Bill Granger
  Quang Hai   als General Thé
  Ferdinand Hoang   als Mr. Muoi
  Pham Thi Mai Hoa   als Miss Hei
  Mathias Mlekuz   als Französischer Offizier
  Kevin Tran   als Soldat im Wachturm
  Lap Phan   als Soldat im Wachturm
 
Regie:  Phillip Noyce  
Buch:  Christopher Hampton  
  Robert Schenkkan  
Musik:  Craig Armstrong  
Kamera:  Christopher Doyle  
Produzent:  William Horberg  
  Staffan Ahrenberg  
 

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