
"Matrix"-Mann Keanu Reeves reist im aufwändigen Remake von Robert Wises gleichnamigem Sci-Fi-Klassiker als Alien zur Erde, um Frieden zu stiften.
Lange Zeit war's mit Instant-Hits relativ einfach: Man nahm einen 50er Jahre Sci-Fi-Klassiker, substituierte den Kalter-Krieg-Subtext durch ein/e zeitgenössische/s Angst/Anliegen und verpflichte ein paar namhafte A-Stars nebst den besten Tricktechnikern, die die Traumfabrik zu bieten hatte. Voilà! Süßer die Kassen selten klingelten. Das ging so lange gut, bis ein gewisser Oliver Hirschbiegel Don Siegels "Die Dämonischen" unter dem Titel "Invasion" neu aufbereitete und das Ergebnis sich trotz geballter Bond- (Daniel Craig) und Blond-Power (Nicole Kidman) als veritabler Rohrkrepierer erwies. Als dann jedoch Will Smith auf den Plan trat, den "Omega-Mann" entstaubte und seinem Namen als Boxoffice-König mit "I Am Legend" erneut Ehre machte, da traute sich Scott Derrickson auch wieder ans Fantasy-Recyclen. Er erinnerte sich an Robert Wises 1951 während des Koreakrieges entstandenen "Der Tag, an dem die Erde stillstand", der von einem Außerirdischen namens Klaatu erzählt, der aus den Tiefen des Alls zur Erde reist, die Bevölkerung zum Frieden aufruft und bei Nichtbefolgung mit der Ausrottung derselben droht.
"Klaatu barada nikto" lauteten die mahnenden Worte des einst von Michael Rennie gespielten Aliens, die Derrickson ("Der Exorzismus von Emily Rose"), Spezialist für Genrefilme, nun seinem von Keanu Reeves gespielten Außerirdischen in den Mund legt. Überhaupt bleiben der Filmemacher und sein Drehbuchautor David Scarpa ("Die letzte Festung") nah am Originalskript von Edmund H. North, schenken lediglich dem (schwierigen) Verhältnis zwischen der Astrobiologin Helen Benson (Jennifer Connelly) und deren Stiefsohn Jacob (Jaden Smith) mehr Aufmerksamkeit. Die Wissenschaftlerin hat kaum Zeit, sich um ihren kleinen Schützling, der unter dem Tod seines Vaters schwer leidet, zu kümmern. Sie gehört einem von der Regierung zusammengestelltem Expertenteam an, das feststellen soll, ob das Alien nun in guter oder böser Absicht gekommen ist. Wenig überraschend, vermuten die Militärs unter Führung der Verteidigungsministerin - Kathy Bates wandelt gekonnt auf den Spuren von Condoleezza Rice - im Besuch Klaatus finstere Absicht und rüsten zum Krieg, während Helen an eine friedvolle Mission glaubt und gegen Kampf votiert.
Für seinen pazifistischen Aufruf wurde Wises Werk einst mit einem Golden Globe als "Bester die Völkerverständigung fördernder Film" ausgezeichnet, eine Botschaft, die Derrickson beibehält - Krieg spiegelt sich hier im Familienzwist wider -, jedoch um den Ökologie-Aspekt erweitert und anmerkt, dass wir unseren Planeten zu Grunde richten. Um die Natur zu retten, soll der Mensch geopfert werden, mit Klaatu und dem unzerstörbarem Maschinenmonster Gort - ein kalter, stromlinienförmiger Golem - als Vollstrecker. Ein Rennen gegen die Zeit beginnt und das Alien erkennt, dass der Mensch doch noch zum Guten fähig ist. Aber da ist es jedoch fast schon zu spät und die Apokalypse setzt in Form eines verheerenden Sturms ein, was den Spezial-Effekte-Spezialisten die Möglichkeit gibt, all ihr Können zu zeigen. So löst sich etwa ein komplettes Football-Stadion in Nichts auf, derweilen Oscar-Preisträgerin Connelly ("A Beautiful Mind") und (der fast zu süße) Will-Smith-Sohn Jaden um ihr Leben laufen. Das schauspielerische Highlight zwischen den dosiert gestreuten Action-Szenen setzt Ex-Monty-Python John Cleese als Physik-Genie, während Reeves mit Minimal-Mimik beweist, dass Aliens in Wirklichkeit die besseren Menschen sind. geh.