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Der Unhold

Verfilmung des Michel Tournier-Bestsellers "Der Erlkönig" von Volker Schlöndorff, die mit starken Bildern beeindruckt.


Der Unhold

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Erhältlich seit:
25.01.2008

Originaltitel: Der Unhold

Drama

Deutschland/Frankreich/Großbritannien 1995-1996
Laufzeit: 111 Min.
FSK: ab 12

John Malkovich
Armin Mueller-Stahl
Gottfried John

Regie: Volker Schlöndorff
Galileo Medien AG

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Der Unhold

In den Wirren des Zweiten Weltkriegs verschlägt es Abel Tiffauges, der in Paris eine kleine Autowerkstatt betreibt, als Kriegsgefangenen nach Ostpreußen. Auf der Ritterburg Kaltenborn arbeitet sich der kinderliebe Außenseiter alsbald zum Wächter über einige hundert Jungen hoch, die ausgelassen ein bißchen Krieg spielen. Doch wenig später wird aus fröhlichem Spiel tödliche Realität: Die Russen stehen vor den Toren, die Knaben rennen in ihr Verderben und der naive Abel begreift erst jetzt, daß er selbst als Werkzeug mißbraucht wurde.

Nach schöpferischer Pause meldet sich Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff ("Die Blechtrommel") mit der aufwendigen Verfilmung von Michel Tourniers Roman "Der Erlkönig" zurück. In schauerlich schönen Bildern, einer erschreckend bombastischen Ausstattung und aberwitzig choreographierten Massenszenen prangert Schlöndorff die Schrecken des Faschismus an. Das Star-Potential von John Malkovich sowie die brisante Thematik bilden das solide Erfolgspotential dieser Literatur-Adaption.

Der Unhold

Nach fünf Jahren Abstinenz hat Volker Schlöndorff den Chefsessel als Babelsberger Studiochef wieder mit dem Regiestuhl vertauscht. Mit "Der Unhold" kehrt Schlöndorff auch thematisch zurück nach Deutschland und knüpft vor allem an seinen größten Erfolg an, den Oscar-Gewinner "Die Blechtrommel".

Das Thema Faschismus zieht sich wie ein roter Faden durch die Filme Volker Schlöndorffs. Schon sein vielbeachtetes Regiedebüt aus dem Jahr 1965, "Der junge Törless", war eine parabelhafte Auseinandersetzung mit dem deutschen Nationalsozialismus. In der "Blechtrommel" porträtierte Schlöndorff das kleinbürgerliche Mitläufertum des dritten Reiches. Zuletzt griff der Regisseur das Thema vor sechs Jahren in "Die Geschichte der Dienerin" auf. Nach Jahren im Ausland zurückgekehrt nach Deutschland, hat Schlöndorff nun eine französische Sichtweise auf den deutschen Faschismus verfilmt, Michel Tourniers Bestseller-Roman "Der Erlkönig".

Vieles an Volker Schlöndorffs neuem Film erinnert an "Die Blechtrommel". Und dies scheint auch so gewollt, sicher nicht zufällig rückt er schon in der ersten Sequenz einen Jungen mit Blechtrommel ins Bild. Und wie Oskar Matzerath ist auch die Hauptfigur der Buchvorlage von Schlöndorffs neuem Werk weniger ein Mensch aus Fleisch und Blut, als vielmehr ein erzähltechnischer Kunstgriff, um die Geschichte des Faschismus aus einer ungewöhnlichen Perspektive, der eines Außenseiters, zu schildern.

Trotzdem gelingt es Schlöndorff und vor allem Hauptdarsteller John Malkovich, aus dieser literarischen Projektionsfläche für nordische Mythen eine vollgeformte Filmfigur zu machen. Wie schon Oskar Matzerath ist Abel ein Mensch, der nicht erwachsen werden will. Der scheue und naive Mann, innerlich selbst ein Kind geblieben, sucht die Nähe zu Kindern. Als französischen Kriegsgefangenen verschlägt es ihn auf das Jagdgut des Reichsjägermeisters Göring und schließlich auf die Ritterburg Kaltenborn. Auf dieser Hochburg nazistischen Wahns, wo Hunderte von Jungen als Elite einer vermeintlichen Herrenrasse herangezogen werden, geht Abels Faszination für Mythen und Jugend eine unheilvolle Verbindung mit der Welt der Mörder ein, die sich dieser Mythen bedienen. Der Kinderfreund, innerlich selbst noch der Zwölfjährige aus dem Internat, umsorgt die Jugendlichen. Abel, der sich selbst für ein mythologisches Wesen hält, wird tatsächlich zum Fabelwesen: Als düsterer Reiter durchstreift er die Wälder und bringt immer neue Knaben in die Burg. Ein "Unhold" wie Goethes Erlkönig, der, sind sie nicht willig, auch Gewalt gebraucht.

Wenngleich bisweilen die symbolischen Konstruktionen die sinnliche Wirkung der Bilder überlagern, gelingt Schlöndorff in seinem neuen Film insgesamt ein beeindruckender Bilderbogen. Der Regisseur, der sich in seinen Filmen wie sonst wohl nur Werner Herzog mit dem Erbe des deutschen Vorkriegsfilms auseinandergesetzt hat, ist in seinem Element. Fritz Langs "Siegfried" und Leni Riefenstahls "Triumph des Willens" werden ausgiebig zitiert. In den stärksten Momenten gelingen Schlöndorff Bilder, die es an Dichte mit denen der "Blechtrommel" und des "Törless" aufnehmen können. Filme, die dem "Unhold" auch stilistisch am engsten verwandt sind. Mit einer geeigneten Vermarktung könnte dieser Film, der vor seinem deutschen Kinostart im Wettbewerb der diesjährigen Biennale zu sehen sein wird, auf ähnliche Publikumsresonanz stoßen wie Schlöndorffs letztes Werk "Homo Faber" im Jahr 1991. tn.

Der Unhold

In den Wirren des Zweiten Weltkriegs verschlägt es Abel Tiffauges, der in Paris eine kleine Autowerkstatt betreibt, als Kriegsgefangenen nach Ostpreußen. Auf der paramilitärischen Ritterburg Kaltenborn arbeitet sich der Außenseiter, der Kinder liebt, weil er selbst eins geblieben ist, zum Betreuer über einige hundert Jungen hoch. Hier üben sie sich in Spielen, Wettkämpfen und Kriegshandwerk. In der Hochburg des nazistischen Wahns, wo die Jungen als Elite einer vermeintlichen Herrenrasse herangezogen werden, geht Abel ungewollt eine Verbindung mit den Nazis ein. Ehe er es begreift, wird aus dem Spiel seiner Jungen tödliche Realität: Die Russen stehen vor den Toren und Abels Schützlinge rennen in ihr sicheres Verderben. Abel begreift erst jetzt, dass er selbst als Werkzeug missbraucht wurde ...

Quelle: Galileo

Darsteller:  John Malkovich   als Abel Tiffauges
  Armin Mueller-Stahl   als Graf von Kaltenborn
  Gottfried John   als Oberforstmeister
  Marianne Sägebrecht   als Frau Netta
  Volker Spengler   als Reichsmarschall Göring
  Heino Ferch   als Obersturmbannführer Raufeisen
  Dieter Laser  
  Agnès Soral  
  Sasha Hanau  
  Caspar Salmon  
  Daniel Smith  
  Ilja Smoljanski  
 
Regie:  Volker Schlöndorff  
Buch:  Jean-Claude Carrière  
  Volker Schlöndorff  
Musik:  Michael Nyman  
Kamera:  Bruno de Keyzer  
Produzent:  Ingrid Windisch  
 

Fassungen

 

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Features

 

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Vom Schauspielstil her eher europäisch introvertiert und psychologisch differenziert seine Rollen auslotend, ist John Malkovich seit 1999...

 

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Armin Mueller-Stahl

Deutscher Schauspieler, Musiker, Schriftsteller, Maler und Regisseur. In der DDR gehörte er zu den populärsten Schauspielern in...