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Der Zimmerspringbrunnen

Komödie um einen gestrandeten Ossi, der durch die Entwicklung eines auf DDR-Nostalgie setzenden Zimmerspringbrunnens Karriere macht.


Der Zimmerspringbrunnen

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Erhältlich seit:
13.11.2009

Originaltitel: Der Zimmerspringbrunnen

Komödie

Deutschland 2001
FSK: ab 12

Götz Schubert
Simone Solga
Gustav Peter Wöhler

Regie: Peter Timm
Senator Home Entertainment

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Der Zimmerspringbrunnen

Mehr als eine Dekade nach dem Fall der Mauer trauern immer noch viele Ex-DDR-Bewohner ihrem sozialistischen "Arbeiterparadies" nach. Auch der Arbeitslose Hinrich Lobek, dessen Ehe mit der erfolgreichen Architektin Julia nicht zum Besten steht. Als er jedoch in seinem neuen Arbeitsleben damit beginnt, kitschige Zimmerspringbrunnen mit Ostberliner Mini-Fernsehtürmen auszustatten, nimmt eine Erfolgsstory ihren Lauf. Die Nostalgieobjekte finden rasenden Absatz, und Hinrich steht bei Frau wie Boss plötzlich hoch im Kurs.

Schon 1990 lotete Peter Timm mit "Go, Trabi, Go" das Gefühlsleben seiner Ostdeutschen Leidensgenossen humorvoll aus. Weniger vordringlich komisch, dafür umso gefühlvoller behandelt er in dieser leisen Satire die Nöte von Millionen, ihrer gewohnten Heimat beraubten Bundesbürgern. Götz Schubert ("Die Affäre Semmeling") gibt den in preußischer Korrektheit schwelgenden Vertreter mit sympathischer Entschlossenheit und trägt dabei viel zum Gelingen dieses Geheimtipps bei. Intelligentes deutsches Kino mit berührendem Mut zur Selbstironie.

Der Zimmerspringbrunnen

Hinrich Lobek (Götz Schubert) ist als überzeugter "Vertreter sozialistischer Ordnung" und ehemaliger Angestellter der Kommunalen Wohnungsverwaltung im Plattenbauviertel Berlins mit dem Fall der Mauer in die innere Emigration gegangen. Lethargie im Unterhemd und Bademantel zwischen Kakteen und Hundefutter. Lobeks Frau Julia (Kabarettistin Simone Solga in ihrem Leinwanddebüt), selbst eine ehrgeizige Architektin, hält diesen Zustand nicht länger aus und drängt ihren Mann, sich endlich einen Job zu suchen. Das erstbeste Angebot wird angenommen: Vertreter für Zimmerspringbrunnen. Mit deutscher Gründlichkeit macht sich Lobek ans Werk und die Satire nimmt ihren Lauf.

Spielfilme über die deutsche Einheit, die auch bei einem breiten Publikum Anklang finden, sind vor allem Komödien. Das dürfte Regisseur Peter Timm ("Manta. Der Film", "Rennschwein Rudi Rüssel") wohl am besten wissen, stammt von ihm doch der Hit "Go, Trabi, Go". 1,5 Millionen Zuschauer bescherten der Trabantenklamotte 1991 den dritten Platz in der Jahresbilanz. Derlei Wendeeuphorie ist ein Jahrzehnt später natürlich kaum mehr nachzuvollziehen. "Zimmerspringbrunnen" nach einem Roman von Jens Sparschuh schlägt deshalb deutlich leisere, nachdenklichere Töne an. Die DDR ist nach Aussage Sparschuhs aus eigener Kraft zugrunde gegangen. Ihr Ende riss aber auch Menschen mit sich, die viel zu fest in ihr verwurzelt waren, um problemlos in einer anderen Kultur - und zudem in der des ehemaligen Feindbilds - zurechtzukommen. Der Fall der Mauer war für sie ein Schock. Nicht umsonst beginnt Timms Film mit einem Alptraum, der Lobek bestimmt nicht zum ersten Mal aus dem Schlaf gerissen hat: Die Explosion des Berliner Fernsehturms. Der Blick aus dem Fenster - Erleichterung - Er steht noch! Wenigstens dieses Wahrzeichen hat noch Bestand, ist noch nicht "abgewickelt" worden. Es ist eins der letzten, unbeschadet gebliebenen Symbole der untergegangenen Heimat und Lobek beschließt, diese allmorgendliche Erleichterung zu teilen. Auch anderswo gibt es Menschen, die dieses Symbols bedürfen. Zum Beispiel in Leipzig, wo sein in mühsamer Handarbeit hergestellter Zimmerspringbrunnen mit dem neckischen, aber ernst gemeinten Namen "Atlantis" reißenden Absatz findet. Lobek hat den Nerv des Ostens getroffen, als er ein kaputtes Springbrunnenmodell mit einem wasserspeienden Miniaturfernsehturm verzierte und inmitten eines Inselchens setzte, deren Umrisse der DDR-Landkarte entsprechen. Eigeninitiative zahlt sich aus. Lobeks zusammengeschusterter Nostalgiekitsch wird zum Verkaufsschlager, er zum glänzenden Vorbild seiner Firma. Und am Ende findet sogar seine Frau zu ihm zurück.

Ob Peter Timm mit seinen dezenten, niemals die Figuren denunzierenden Darstellern an den "Trabi"-Erfolg anknüpfen kann, bleibt abzuwarten. Verdient hat es die intelligente Komödie, die mit Recht den Titel des ersten Heimatfilms der Einheit beanspruchen darf, allemal. flx.

Darsteller:  Götz Schubert   als Hinrich Lobek
  Simone Solga   als Julia Lobek
  Gustav Peter Wöhler   als Uwe Strüver
  Bastian Pastewka   als Thomas Hamann
  Hermann Lause   als Dr. Alois Boldinger
  Christof Wackernagel   als Filzbach
  Thomas Gimbel   als Müller-Burkhardt
  Nina Franoszek   als Conny
 
Regie:  Peter Timm  
Buch:  Kathrin Richter  
  Ralf Hertwig  
Musik:  Rainer Oleak  
Kamera:  Achim Poulheim  
Produzent:  Prof. Dr. Günter Rohrbach  
 

Der Zimmerspringbrunnen in der Fotoshow

 

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