
Debütfilm über eine Ehe im Leerlauf und das Abenteuer einer rätselhaften Affäre.
Lola Randls Erstling ist ein dramaturgisches Experiment, tourte wohl nicht zuletzt deshalb durch viele internationale Festivals. Seine Protagonistin ist ungewöhnlich, manchmal auch unsympathisch, weil sie am Leben von anderen scheinbar nicht teilnimmt. Sein Erzählstil ist sperrig, weil Fragen aufgeworfen, aber nicht immer beantwortet werden. Realistisch ist das Bild einer Ehe, in der man aneinander vorbei lebt und redet, wundersam der Impuls für den Ausstieg, dem Hauptfigur Agnes schließlich nachgibt. Die Wissenschaftlerin erforscht das Gehirn, von dem sie sich, ganz kontrolliert, im Leben auch leiten lässt. Menschen wie ihre Schwester, die ihren Gefühlen folgen, sind ihr so fremd wie sie selbst der eigenen Familie geworden ist. Dort, bei Tochter und Mann, der ihre traditionelle Rolle übernommen hat wie sie als finanzieller Versorger die seine, ist sie nur noch "Die Besucherin". Wie auch in der Wohnung eines Ehepaars, um die sich während dessen Abwesenheit kümmern soll. Das Leben von Fremden, dass sie hier entdeckt, wird schnell spannender als das eigene. Eines Tages kommt Wohnungsinhaber Bruno, der seine Frau erst an einen anderen, dann durch einen Unfall sogar an den Tod verloren hat, unerwartet zurück. Als er Agnes vorfindet, schlafen die beiden wortlos miteinander. Eine Affäre beginnt, die in der Anonymität und Fantasie Bestand hat, aber endet, sobald mit dem Persönlichen die Wirklichkeit Einzug hält. Ein Hauch von David Lynchs "Mulholland Drive" ist spürbar, wenn Agnes in Brunos Wohnung einschläft und aufgewacht eine neue, emotionalere Identität lebt. Doch die Traumkarte spielt Randl, die Darstellerin Sylvana Krappatsch eine schwierige Aufgabe zuweist, nicht aus. "Die Besucherin" ist deutlich in der Beobachtung einer ausgebluteten, in der Kommunikation aufgelösten Ehe, aber rätselhaft im Verhalten einiger Charaktere, das manchen rational geprägten Zuschauer wohl ratlos machen wird. kob.