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Die Blume des Bösen

Kriminalistisches Drama von Claude Chabrol über eine von einem ungesühnten Verbrechen der Vergangenheit verfolgte Familie.


Die Blume des Bösen

Leihvideo

Erhältlich seit:
28.01.2004

Originaltitel: La fleur du mal

Thriller/ Drama

Frankreich 2003
Laufzeit: 100 Min.
FSK: ab 12

Nathalie Baye
Benoît Magimel
Suzanne Flon

Regie: Claude Chabrol
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Die Blume des Bösen

Drei Generationen einer Familie: die alte Micheline Charpin, genannt Tante Line, deren Nichte Anne und ihr Ehemann Gérard sowie deren Tochter Michèle und Sohn François, die jeweils aus erster Ehe stammen. Die beiden jungen Leute lieben sich, die Erwachsenen liegen sich in den Haaren. Ein anonymer Brief taucht auf, der Annes Großvater bezichtigt, ein Nazi-Kollaborateur gewesen zu sein; und da ist auch noch jener merkwürdige Autounfall, der den früheren Lebenspartnern von Gérard und dessen Gattin einst das Leben kostete.

Claude Chabrol wie er leibt und lebt. Es geht um Korruption, Mord, Politik, Liebe und Intrige. Um die langen Schatten der Vergangenheit und um die Frage, ob Schuld (ver)erblich ist. Geschickt bringt der französische Altmeister seinen verzwickten Plot in Gang, während er in Wahrheit nur wieder einmal dem "diskreten Charme der Bourgeoisie" nachspürt. Die Dialoge sind gewohnt spitz, die Schauspieler agieren souverän und die Kamera Eduardo Serras fängt atmosphärische, suggestive und entlarvende Bilder ein. Krimikost mit Niveau!

Die Blume des Bösen

Claude Chabrol lässt auch im hohen Alter die Bourgeoisie nicht in Ruhe. Wieder durchleuchtet er die feine Gesellschaft in der Provinz auf ihre dunklen Geheimnisse, kreist um den Komplex Schuld und Sühne. Drei Generationen einer Familie wohnen unter einem Dach. Trotz veränderter Äußerlichkeiten scheint die Zeit stehen geblieben, wiederholen sich Verhaltensweisen und Schicksalsschläge, wuchert "Die Blume des Bösen" weiter.

Zu Anfang ein schickes Landhaus in friedlicher Landschaft nahe Bordeaux. Da wissen wir doch gleich, dass es hinter der hübschen Fassade brodeln muss. Hier leben in vordergründiger Eintracht drei Generationen einer gutbürgerlichen Familie: die alte Micheline Charpin, genannt Tante Line, deren Nichte Anne Charpin-Vasseur und ihr Mann Gérard Vasseur, Witwe und Witwer heirateten, nachdem ihre Partner bei einem mysteriösen Autocrash starben. Dazu die Jungen: Annes Tochter Michèle aus erster Ehe und der nach vier Jahren aus den USA zurückgekehrte François, Sohn von Gérard - ein verliebtes Paar voller Zukunftshoffnung. Man schlürft bei Mahlzeiten Austern und exzellenten Wein, nur sehr subtile Sticheleien zwischen den Eheleuten und die leichte Aggression François' gegen seinen Vater geben Hinweis auf unterschwellige Konflikte. Der Hausherr kann es nicht verwinden, dass die ambitionierte Gattin das Amt der Bürgermeisterin anstrebt. Um sein angekratztes Ego aufzubauen, zieht er eine Dame nach der anderen auf die Bürocouch hinter seiner riesigen Apotheke. Beim gepflegten Nachmittagskaffee im Wintergarten der Schock: ein anonymer Brief wühlt familiären Schmutz auf, den man unter den Teppich gekehrt glaubte - Inzestverdächtigungen, Hinweis auf Annes Großvater als Kollaborateur der Nazis, der nicht davor zurückschreckte den eigenen, in der Résistance kämpfenden Sohn zu verraten, sein gewaltsamer Tod, an dem seine Tochter, Tante Line, nicht unschuldig sein soll. Wer hat das Traktat geschrieben? Der politische Gegner, der perfide Ehemann, der devote Parteigenosse?

Chabrol legt Fährten aus, die in die Irre führen, verknüpft Vergangenes und Gegenwärtiges zu einem monströsen Ganzen, denn wie heißt es so schön: "Die Zeit existiert nicht. Sie ist dauernde Gegenwart". Der französische Meister lässt sich nicht auf so triviale Fragen wie der nach einer möglichen Moral ein, sondern webt ein feines aber festes Netz aus bösen Taten, in dem sich alle Familienmitglieder verfangen wie die Fliege im klebrigen Spinnennetz. Das Schicksal wiederholt sich, Grenzen zwischen Gut und Böse, Täter und Opfer zerfließen. Von seltener Süffisanz ist die Betrachtung sozialer Unterschiede. Wenn da die Kandidatin (zielstrebig: Nathalie Baye) im sozialen Wohnungsbau Wahlkampf betreibt, von Tür zu Tür um Stimmen bettelt, spiegelt sich bei dieser Fron Abwehr auf ihren fein geschnittenen Zügen, wirken Freundlichkeit und Anteilnahme aufgesetzt. Frankreichs Bourgeoisie hält auf elitäre Trennung zu denen "da unten".

"La Fleur du Mal" ist Familien- und Liebesgeschichte, Krimi und Psycho-Drama mit allen Ingredienzen, die wir bei diesem Urgestein französischen Filmschaffens schätzen. Und wenn am Ende die Champagnerkorken knallen, wissen wir, kein unbedingt neuartiger, dafür aber ein echter Chabrol. mk.

Darsteller:  Nathalie Baye   als Anne
  Benoît Magimel   als Francois
  Suzanne Flon   als Tante Line
  Bernard Le Coq   als Gérard
  Mélanie Doutey   als Michèle
  Thomas Chabrol   als Matthieu
  Henri Attal   als Fannys Schwiegervater
  Kevin Ahyi   als Der erste Junge
  Jérôme Bertin   als Der Freiwillige
  Françoise Bertin   als Thérèse
  Caroline Baehr   als Fanny
  Didier Bénureau   als Brissot
  Yvon Crenn   als Yves Pouët
  Jean-Marc Druet   als Der Laborant
  Michel Herbault   als Der Bürgermeister
  Edmond Kastelnik   als Der erste Wahlhelfer
  Marius De Laage   als Der zweite Junge
  Isabelle Mamere   als Die Reporterin
  Juliette Meyniac   als Hélène
  François Maistre   als Jules
  Jean-Pierre Marin   als Der zweite Wahlhelfer
  Michèle Dascain   als Marthe
  Dominique Pivain   als Dominique
  Léa Pellepaut   als Die Apothekerin
  Valerie Rojan   als Gérards Sekretärin
 
Regie:  Claude Chabrol  
Buch:  Claude Chabrol  
  Caroline Eliacheff  
  Louise L. Lambrichs  
Musik:  Matthieu Chabrol  
Kamera:  Eduardo Serra  
Produzent:  Marin Karmitz  
  Nathalie Kreuther  
 

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