
Programmgestalter, die jungen deutschen Talenten eine Kinochance geben wollen und sich für DDR-Altlasten interessieren, finden in Carsten Fiebelers Langspielfilmdebüt eine Arbeit, die mit formalem Wagemut und ausgezeichneten Darstellern auffällt. Im Breitwandformat, an einem einzigen Schauplatz und in der Zeit-Einheit weniger Stunden inszeniert Fiebeler ein tragisch endendes Drama.
Kaum auf ihrer DDR-Einheitsdatsche in der regennassen ostdeutschen Provinz angekommen, werden Elke und Arnold Behrendt nachts von zwei Einbrechern überrascht, beraubt und gefesselt. Mit Sinn für Situationskomik wird das befreite Paar mitten im Liebesakt erneut überrascht, als die Gangster, die einen Überfall vermasselten, zurückkehren, Zuflucht vor der Polizei suchen. Zwischen der frustrierten Elke, dem hilflosen Arnold und den Kriminellen entsteht bei Geburtstagsfeier, Skatspielen und Erinnerungsaustausch eine heimliche Komplizenschaft, die auf die Probe gestellt wird, als der Makler auftaucht, der die Datsche wegen des großen Grundstücks erwerben und das Paar linken will. Groteske Fehlhandlungen führen zu Mord und Totschlag.
Als Kammerspiel überzeugend, mit viel "Polizeiruf"-Atmosphäre im Bild und Darstellern, die wie Uwe Kockisch als der ältere der Gangster (in der DDR Kaderleiter) souverän mit Minimal-Mimik und Gestik arbeiten, ist Fiebelers "Datsche" in erster Linie Schauspielerfilm und interessant wegen der vergeblichen Fluchten aller Beteiligten aus Milieu- und Rollenfixierung. ger.