
Im Serbien nach Milosevic gerät ein verzweifelter Vater in ein moralisches Dilemma: Er wird zum Mörder, um seinem todkranken Kind die Operation im Ausland zahlen zu können.
Am Startwochenende überrundete Srdan Golubovics harter Psychothriller in Serbien "Babel" und ließ mit dem zweitbesten Jahresergebnis US-Blockbuster hinter sich und bringt das Filmland Serbien mit der "Balkan-Version" von Dostojewskijs "Schuld und Sühne" auch in Westeuropa ins Gespräch.
Die Zweiteilung der Gesellschaft ist Fakt. Die Neureichen leben in Saus und Braus, die Mittelschicht verarmt und schlägt sich durch. Zu diesem vergessenen Bevölkerungsteil gehören auch die Lehrerin Marija und der Bauingenieur Mladen. Mit dem kleinen Salär geht es ihnen nicht ganz schlecht, sie kommen gerade so zurecht. Bis der Arzt bei ihrem Sohn eine schwere Herzkrankheit diagnostiziert. Die Operation in Berlin kostet ungefähr 30.000 Euro, eine Summe, über die weder das Paar noch ihre hilfsbereiten Freunde verfügen. Auf ihren Spendenaufruf in der Zeitung meldet sich ein Mann (Miki Manojlovic aus "Irina Palm") mit einem mörderischen Angebot. Beseitigt Mladen einen moralisch verrotteten Geschäftsmann, erhält er das nötige Geld. Jede Entscheidung bedeutet Tod - des geliebten Kindes oder des Fremden.
Es gibt keinen Krieg mehr in dem Land, aber Kampf ums Überleben, in dem die Grenzen zwischen Recht und Unrecht verschwimmen. Belgrad ist eine triste Stadt in grauen Tönen, nur die Ampeln blinken rot. Zeichen für Stillstand, nicht nur im Verkehr. "Klopka" strahlt ein Klima sozialer Kälte aus, Luxuswagen und Schrottautos fahren neben einander her, Symbol einer Parallelwelt ohne Verbindung zueinander, in der jeder für sich lebt. Golubovic setzt auf Nahaufnahmen und Einsatz von Teleobjektiven sowie einer "dichten Geräuschkulisse und einer Filmmusik", die für ihn Teil der "Atmosphäre und Geräusche" ist und zeichnet mit eindrucksvoller Besetzung (Anica Dobra, Nebojsa Glogovac) und großer Spannung eine Tragödie von archaischer Wucht, visualisiert die Einsamkeit des getriebenen Mannes, der zunehmend um sich kreist, gefangen in seelischer Enge in immer kleineren Räumen. Durch die direkte Nähe der Kamera öffnet sich eine alptraumhafte Innenwelt, die für den Zuschauer Sogwirkung entfaltet. mk.