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Die fetten Jahre sind vorbei

Hans Weingartners intelligente und amüsante Story um jugendliche Rebellion, Freundschaft und eine kuriose Ménage à trois.


Die fetten Jahre sind vorbei

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Erhältlich seit:
12.07.2005

Originaltitel: Die fetten Jahre sind vorbei

Drama/ Komödie

Deutschland/Österreich 2004
Laufzeit: 127 Min.
FSK: ab 12

Daniel Brühl
Julia Jentsch
Stipe Erceg

Regie: Hans Weingartner
Universum Film

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Hans Weingartners intelligente und amüsante Story um jugendliche Rebellion, Freundschaft und eine kuriose Ménage à trois.

Jan und Peter brechen gerne ein (Foto: Delphi) Großansicht

Jan und Peter brechen gerne ein (Foto: Delphi)

Die jugendlichen Rebellen Jan (Daniel Brühl) und Peter (Stipe Erceg) lassen ihren Zorn über soziale Ungerechtigkeiten heraus, indem sie nachts in die Häuser von Reichen einbrechen und deren geordnete Villen in Unordnung bringen.

Als Peters Freundin Jule (Julia Jentsch) auf einen nächtlichen Streifzug mit Jan geht, verlieben sich die beiden nicht nur ineinander, sie werden auch noch von einem Villenbesitzer überrascht. In einer Kurzschlusshandlung nehmen sie ihn als Geisel.

Zehn Minuten Standing Ovations im Grand Théâtre Lumière für den ersten deutschen Wettbewerbsbeitrag nach elf Jahren - so die Reaktionen des Publikums bei den Filmfestspielen von Cannes 2004.

Sind drei einer zuviel? (Foto: Delphi) Großansicht

Sind drei einer zuviel? (Foto: Delphi)

Figuren mit Witz

"Die fetten Jahre sind vorbei" ist eine liebevoll-ironische Zeichnung jugendlicher Rebellion und Freundschaft. Hans Weingartner, einst Hausbesetzer und Punk, erzählt in seinem zweiten Spielfilm nach "Das weiße Rauschen" vom Traum, die Welt zu verändern, und setzt dabei auf intelligenten Witz, interessante Figuren und amüsante Dialoge.

Die fetten Jahre sind vorbei

Für Hans Weingartner schien das alles wie ein Traum: Zehn Minuten Standing Ovations im Grand Théâtre Lumière. "Die fetten Jahre sind vorbei", die liebevoll-ironische Zeichnung jugendlicher Rebellion, Freundschaft und einer kuriosen Ménage à trois begeisterte das Publikum an der Croisette. Somit sollten auch die mageren Jahre des deutschen Films in Cannes vorbei sein.

Nach elf Jahren ein deutscher Wettbewerbsbeitrag in Cannes, das weckte Erwartungen. Und die wurden nicht enttäuscht, auch wenn einige Kritiker, vor allem aus Frankreich, niedrig punkteten. Hans Weingartner, einst Hausbesetzer und Punk, erzählt in seinem zweiten Spielfilm nach "Das weiße Rauschen" vom Traum, die Welt zu verändern. Nicht in großen, sondern in kleinen Schritten. Und setzt dabei auf intelligenten Witz, interessante Figuren und amüsante Dialoge. Jan, Peter und Jule sind Aussenseiter, sie kaufen keine Labels, sondern prangern die Sucht nach Labels an, rennen auch schon mal in einen Laden und machen die Kundschaft lauthals darauf aufmerksam, dass die Designerware von Kindern in der Dritten Welt zu Billiglohn fabriziert wird. Das wirkt anfänglich wie eine Remineszenz an die 70er Jahre und etwas honorig. Ihren Zorn über soziale Ungerechtigkeiten lassen die Jungs nachts raus, wenn sie in die Häuser der Reichen einbrechen und deren geordnete Villen in Unordnung bringen, das Mobiliar verrücken, freche Sprüche hinterlassen, die Stereo-Anlage ins Eisfach und schon mal Kunstobjekte ins Klo stecken. Gestohlen wird übrigens nichts. Sie fühlen sich nicht als Easy Riders oder "born to be wild", sondern machen sich einen Jux daraus, den "Happy Few" Angst einzujagen - schaut, wir sind da! Jule verliert wegen Mietschulden ihre Wohnung und zieht zu Peter, der mit Jan eine WG teilt. Als Peter nach Spanien fährt, hilft ihr Jan bei der Renovierung und die Liebe bricht aus, einfach so. Und damit das Chaos. Denn Jule kriegt mit, was Jan nachts so treibt und bringt ihn dazu, mit ihr in das Anwesen eines Topmanagers einzudringen und zu verwüsten, dem sie 100 000 Euro schuldet, weil sie seinen Mercedes beim Auffahrunfall zu Schrott fuhr. Bei der Aktion verliert Jule ihr Handy, am nächsten Abend geht's noch einmal zurück. Leider taucht auch der Eigentümer auf. Gemeinsam mit Peter entführen sie ihn in die Berge, krümmen ihm aber kein Haar und lassen ihn sogar frei. Aber Harmonie wäre eine langweilige Lösung, ein überraschendes Ende stellt noch einmal alles auf den Kopf.

Wie bei "Das weiße Rauschen" arbeitete Weingartner ohne künstliches Licht, die DV-Handkamera bleibt nahe an den Protagonisten. Die anfänglich dogmatischen Dialoge gewinnen im Verlauf der Handlung spielerische Leichtigkeit, vielleicht auch aufgrund des chronologischen Drehs. Ein Glücksfall sind die Schauspieler: Daniel Brühl, der im Grand Hotel von französischen Fans gefeiert wurde und dessen Karriere wohl nichts und niemand mehr aufhalten kann, Stipe Erceg, der schon im Kurzfilm "Der Typ" brillierte und Julia Jentsch, ein offenes Gesicht, dass im deutschen Film wohl hoffentlich demnächst öfter zu sehen ist. Das Filmtrio ist jung und aufmüpfig, spart nicht an süffisanten Seitenhieben auf die Alt-68er und deren graue Theorien, mischt munter Praxis und Poesie. Freundschaft triumphiert über Eifersucht, auch wenn der düpierte Peter den Rivalen erst einmal verprügelt.

Mit Lust inszeniert der in Berlin lebende Österreicher den Zusammenprall von alter und neuer Ideologie, wenn das Entführungsopfer von seiner einstmals revolutionären Vergangenheit schwärmt und über die Schwierigkeiten des Reichseins jammert, während die Youngster unbekümmert und mit Chuzpe das Leben im Jetzt einfordern, Wut und Widerstand machen sie erotisch. Rebellion ist sexy. Die heutigen Kinder von McDonald's und Markennamen haben die Kinder von Marx und Coca Cola abgelöst. Sie proben den Aufstand - ganz unverkrampft und unbeschwert, mit neuer Leidenschaft und Liebe. Beschwingt kommt man aus dem Kino und möchte alle Freunde hineinschicken. Nicht nur die Mundpropaganda sollte sich an der Kasse auszahlen. mk.

Darsteller:  Daniel Brühl   als Jan
  Julia Jentsch   als Jule
  Stipe Erceg   als Peter
  Burghart Klaußner   als Hardenberg
  Peer Martiny   als Villenbesitzer
  Petra Zieser   als Villenbesitzerin
  Laura Schmidt   als Tochter
  Sebastian Butz   als Sohn
  Oliver Bröcker   als Aggressiver Globalisierungsgegner
  Knut Berger   als Globalisierungsgegner
  Hanns Zischler   als Vermieter
  Claudio Caiolo   als Paolo
  Bernhard Bettermann   als Jules Chef
  Sylvia Haider   als Neureiche Frau 1
  Claudia Jakobshagen   als Neureiche Frau 2
 
Regie:  Hans Weingartner  
Buch:  Hans Weingartner  
  Katharina Held  
Musik:  Andreas Wodraschke  
Kamera:  Matthias Schellenberg  
  Daniela Knapp  
Produzent:  Hans Weingartner  
  Antonin Svoboda  

"Der Untergang" ist der Gewinner des Abends

Im Jahr 2004 machte der Deutsche Film Schlagzeilen: "Der Untergang" löste jede Menge kontroverse Diskussionen aus, Bullys "(T)Raumschiff" lockte 11,5 Millionen Zuschauer ins Kino und "Die fetten Jahre sind vorbei" lief in Cannes.

Überzeugende Darstellung: Bruno Ganz als Adolf Hitler in "Der Untergang" (Foto: Constantin) Großansicht

Überzeugende Darstellung: Bruno Ganz als Adolf Hitler in "Der Untergang" (Foto: Constantin)

Im Münchner Prinzregententheater wurde der Bayerische Filmpreis vergeben. Die Auszeichnung, die bereits zum 26. Mal verliehen wird, ist mittlerweile einer der renommiertesten Preise der deutschen Filmbranche.

Die Zuschauer haben entschieden: Der Publikumspreis ging an "Der Untergang", das packende Drama über die letzten Tage im Führerbunker. Bernd Eichinger durfte sich über den Produzentenpreis freuen, während Hitler-Darsteller Bruno Ganz den Pierrot als Bester Hauptdarsteller erhielt.

Beste Hauptdarstellerin ist Jessica Schwarz, die für ihre Rolle in "Kammerflimmern" ausgezeichnet wurde. Matthias Schweighofer, der in diesem Drama den jungen Rettungssanitäter Crash spielt, nahm die Trophäe als Bester Nachwuchsdarsteller entgegen. Julia Jentsch, die bald als "Sophie Scholl" in die Kinos kommt, wurde für ihre rebellische Jule in "Die fetten Jahre sind vorbei" zur Besten Nachwuchsdarstellerin gekürt.

Elite, Education und Ehrenpreis

Der Preis für die beste Regie ging an Dennis Gansel, der das Nazi-Drama "Napola - Elite für den Führer" in Szene gesetzt hat. Bester Dokumentarfilm 2004 ist das Educations-Projekt der Berliner Philharmoniker "Rhythm is it!". Michael "Bully" Herbig erhielt für seine Sci-Fi-Persiflage " (T)Raumschiff Surprise - Periode 1" den Comedypreis. Für sein Lebenswerk wurde Volker Schlöndorff ausgezeichnet. Der deutsche Filmemacher wurde bereits für "Die Blechtrommel" mit einem Oscar geehrt und drehte zuletzt das Kriegsdrama "Der neunte Tag".

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Daniel Brühl

Er besuchte nie eine Schauspielschule und ist doch DER Jungstar des deutschen Films. Daniel Brühls sanfte sensible Art macht ihn zwischen Teen-...

 

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Julia Jentsch

Deutsche Schauspielerin. Mit stiller, verhaltener Kraft spielt sie Frauen, die aus der Rolle fallen, mutige Rebellinnen und von schmerzhaftem...