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Die Fremde in dir

Eine Frau sieht rot. Neil Jordans Variante zum Subgenre des Rachethriller.


Die Fremde in dir

Leihvideo

Erhältlich seit:
01.02.2008

Originaltitel: The Brave One

Thriller/ Drama

USA 2007
Laufzeit: 117 Min.
FSK: ab 16

Jodie Foster
Terrence Howard
Nicky Katt

Regie: Neil Jordan
Warner Home Video Germany

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Eine Frau sieht rot - Neil Jordans Variante zum Subgenre des Rachethrillers.

Ein Überfall endet in einem Alptraum (Foto: Warner) Großansicht

Ein Überfall endet in einem Alptraum (Foto: Warner)

Die New Yorker Radiomoderatorin Erica Bain (Jodie Foster) ist glücklich liiert mit dem Arzt David Kirmani (Naveen Andrews). Ihr Leben gerät jedoch aus den Fugen, als das Paar von Schlägern angegriffen wird und ihr Mann an den Folgen seiner Verletzungen stirbt.

Erica erwacht nach drei Wochen aus dem Koma und begreift, dass ihr Verlobter längst begraben ist. Traumatisiert und von der Polizei enttäuscht, die noch immer keine Spur hat, verschanzt sie sich in ihrem Haus, kann die Angstzustände aber erst mit dem illegalen Erwerb einer Halbautomatik beenden. In einem Laden erschießt sie einen Mörder in Notwehr und verwischt ihre Spuren, so dass Detective Sean Mercer (Terrence Dashon Howard) vor einen Rätsel steht.

Erica nimmt die Sachen jetzt selbst in die Hand (Foto: Warner) Großansicht

Erica nimmt die Sachen jetzt selbst in die Hand (Foto: Warner)

Ein neuer kleiner Freund

Schon bei der nächsten Gefahr vertraut Erica ganz auf ihre Waffe und streift fortan bei Nacht durch die City, während ihr anonymes Handeln zum Stadtgespräch wird.

Gelungener Rachethriller, in dem Neil Jordan seine Heldin mit psychologischem Gespür zum Racheengel werden lässt. Jodie Foster zeigt in der Hauptrolle, dass sie immer noch zu Hollywoods Besten gehört. Geschickt wird auch die Radioshow genutzt, um das Thema Selbstjustiz von mehreren Seiten zu beleuchten.

Die Fremde in dir

Kurz nach James Wans Revenge-Thriller "Death Sentence" kommt von dem Iren Neil Jordan der definitive Höhepunkt zum Thema Selbstjustiz.

Das Revival der rot sehenden Rächer, die jüngst das Licht der Leinwand erblickten, findet nun ein veritables Meisterwerk in seinen Reihen. Die kleine Welle aus "Man on Fire" und dem kurz zuvor gestarteten Exploitation-Film "Death Sentence" bekommt eine feminine Note verpasst, die sich schon mit dem Festivalhit "WAZ" ankündigte. Hier wie dort steht eine Frau hinter den Taten eines sonst ausgesprochen maskulinen Genres. Wieder zeigt Neil Jordan sein Gespür für provokante und gesellschaftskritische Sujets, aber auch sein unvergleichliches Einfühlungsvermögen für die seelischen Untiefen seiner ambivalenten Protagonistin. Urbane Poesie beherrscht schon die Exposition, in der Erica Bain (herausragend: Jodie Foster mit Kurzhaarschnitt) für ihre Radioshow durch New Yorks Straßen zieht und die Stadt vor ihren Augen verschwinden sieht. Wie sehr sie die Stimme ist, die keiner hört, muss sie erfahren, als Schläger ihre interkulturelle Traumbeziehung mit Arzt David Kirmani ("Lost"-Insulaner Naveen Andrews) tödlich beenden, was Jordan mit einer außergewöhnlichen, gefühlvollen Parallelmontage visualisiert. Sie erwacht nach drei Wochen aus dem Koma und begreift, dass ihr Verlobter längst begraben ist. Traumatisiert und von der Polizei enttäuscht, die keine Spur hat, verschanzt sich Erica in ihrem Haus, kann die Angstzustände aber erst mit dem illegalen Erwerb einer Halbautomatik beenden. In einem Laden erschießt sie einen Mörder in Notwehr und verwischt ihre Spuren, so dass Detective Sean Mercer (schwer im Kommen: Terrence Howard) vor einen Rätsel steht. Schon bei der nächsten Gefahr vertraut Erica ganz auf ihre Waffe und streift fortan, verletzlich und stark zugleich wie Ferraras Racheengel "Ms .45" bei Nacht durch die City, derweil ihr anonymes Handeln zum Stadtgespräch wird.

Mit feinem Gespür für die psychologische Metamorphose seiner Figur sprengt Neil Jordan die engen Grenzen des Genres. Endlich erfährt der so oft unter Wert gelaufene Vigilante-Topos eine angemessene Würdigung, die bravourös, eindringlich, angenehm klischeefrei ausfällt und niemals sensationslüstern ist. Ambitioniert war Jodie Foster schon immer, aber diese Leistung unterstreicht eindrucksvoll, dass sie immer noch zu Hollywoods besten Schauspielerinnen gehört. Als zähe Rächerin findet sie durch die Waffe zurück ins Leben, begräbt damit zugleich ihr altes und wird eine Fremde. Ihr Ringen mit sich selbst, die Seelenqualen, bis sie sich erfolglos zu stellen versucht, werden nachdenklich reflektiert - es gibt kein zurück. Schuldbewusst sucht sie die Nähe zu dem Detective, um die Grenzen des Gesetzes zu diskutieren, was eine Freundschaft auslöst, die elektrisiert. Ihre Radioshow erweist sich als Kunstgriff, die Problematik der Selbstjustiz von allen Seiten zu beleuchten und alle (moralischen) Paradoxien aufzuzeigen. Mag Fritz Langs "Fury" das liberale Manifest gegen Lynchjustiz sein, diese im Deutschen treffend betitelte Studie über Amerikas Umgang mit Gewalt ist die ultimative republikanische Fantasie dazu.

tk.

Darsteller:  Jodie Foster   als Erica Bain
  Terrence Howard   als Detective Sean Mercer
  Nicky Katt   als Detective Vitale
  Naveen Andrews   als David Kirmani
  Mary Steenburgen   als Carol
  Jane Adams   als Nicole
  Ene Oloja   als Josai
  Luis Da Silva jr.   als Lee
 
Regie:  Neil Jordan  
Buch:  Roderick Taylor  
  Bruce A. Taylor  
  Cynthia Mort  
Musik:  Dario Marianelli  
Kamera:  Philippe Rousselot  
Produzent:  Joel Silver  
  Susan Downey  

Zweite Oscar-Chance für Stewart

Bissig, spitzbübisch und hintergründig - so spottet sich Jon Stewart in seiner "Daily Show" in den USA durchs politische Tagesgeschehen.

Hoffentlich diesmal mit mehr Biss: Oscar-Moderator Jon Stewart (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

Hoffentlich diesmal mit mehr Biss: Oscar-Moderator Jon Stewart (Foto: Kurt Krieger)

Doch genau das, was Stewart einen millionenstarke Fangemeinde einbrachte, ließ der Comedian bei seiner recht bieder ausgefallenen Premiere als Oscar-Moderator 2006 weitgehend vermissen. Dass er nun erneut ran darf, ist wohl nur mit den noch bedeutend schlechteren Kritiken zu erklären, die seine Nachfolgerin Ellen DeGeneres für ihre entspannte bis langweilige Moderation in diesem Jahr bekam.

Und wer weiß: Wenn Stewart Anfangsnervosität und Respekt vor dem Moloch Filmgeschäft ablegt, zeigt er diesmal ja vielleicht sogar vor der versammelten Hollywood-Prominenz seine gewohnte Scharfzüngigkeit.

Einen Vorgeschmack, wer dann die heißesten Kandidaten auf die Goldstatuetten sein könnten, gab es kürzlich in Venedig. Das dortige Filmfestival hat sich inzwischen als Auftakt zur so genannten "Award Season" etabliert, der Zeit der großen US-Preisverleihungen, die in der Oscar-Show am 24.2.2008 ihren Höhepunkt findet.

Oscar-Tipps

So werden einige der Preisträger vom Lido schon jetzt hoch auf Oscars gewettet - allen voran der Festival-Gewinner "Gefahr und Begierde" von Ang Lee, Darsteller Brad Pitt für seinen ungewöhnlichen Westen "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" sowie die mutige Huldigung an Bob Dylan "I'm Not There". Und da Hollywood politisch links steht, wird Kritik am Irak-Krieg wie in Brian De Palmas "Redacted" oder "In the Valley of Elah" von Paul Haggis ebenfalls Hochkonjunktur haben. Wer bis Februar in den deutschen Kinos noch mögliche Oscar-Kandidaten sehen will, der sollte sich zudem schon mal folgende Filme vormerken:

 

Die Fremde in dir in der Fotoshow

 

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